
◆ STADT · EMILIA-ROMAGNA
Modena schlägt zwei Takte zugleich: den langsamen der Acetaie, in denen Balsamico über Jahrzehnte in Holzfässern reift, und den hochtourigen der Motor Valley, die Enzo Ferrari, Maserati und Pagani hervorgebracht hat. Dazwischen liegt eines der schönsten romanischen Stadtbilder Italiens – Dom, Ghirlandina und Piazza Grande bilden seit 1997 ein UNESCO-Welterbe-Ensemble, um das sich Arkadengassen, der Mercato Albinelli und eine Trattoria-Dichte gruppieren, die selbst Bologna neidisch macht. Dass mit Massimo Botturas Osteria Francescana eines der berühmtesten Restaurants der Welt in einer Seitengasse liegt und Luciano Pavarotti hier geboren wurde, passt ins Bild: Modena ist klein, aber maßlos – im besten Sinn.

Modena liegt an der Via Emilia, der römischen Konsularstraße, die der Stadt bis heute ihre Hauptachse vorgibt. Groß wurde sie aber unter den Este: Als Ferrara 1598 an den Kirchenstaat fiel, verlegte die Herzogsfamilie ihre Hauptstadt nach Modena und baute sie zur barocken Residenz aus. Ihr Palazzo Ducale, 1634 unter Francesco I. begonnen, gehört zu den größten Barockpalästen Italiens und beherbergt heute die Accademia Militare – besichtigen lässt er sich nur mit Führung, was den Blick in den Ehrenhof umso kostbarer macht. Die Kunstsammlung der Este hängt in der Galleria Estense: Velázquez' Porträt von Francesco I., Berninis Marmorbüste desselben Herzogs, ein Reisealtar von El Greco.
Das ältere, romanische Modena versammelt sich um die Piazza Grande. Den Dom begann Baumeister Lanfranco 1099, die Reliefs des Bildhauers Wiligelmo an der Fassade gelten als Schlüsselwerk der europäischen Romanik – zusammen mit der schiefen, rund 87 Meter hohen Ghirlandina und dem Platz selbst bildet er seit 1997 ein UNESCO-Welterbe. Wenige Schritte weiter beginnt der Bauch der Stadt: Im Mercato Albinelli von 1931 stapeln sich Parmigiano-Laibe und frische Tortellini, in den Trattorien um den Markt kommen mittags Tortellini in Brodo, Zampone und Lambrusco auf den Tisch, und in den Dachstühlen vieler Bürgerhäuser reifen Fassbatterien mit Aceto Balsamico Tradizionale DOP – auch über dem Palazzo Comunale, in der Acetaia des Rathauses.
Und dann sind da die Motoren und die Musik. Enzo Ferrari wurde 1898 in Modena geboren; sein Geburtshaus steht neben der futuristischen gelben Halle des Museo Enzo Ferrari, Maserati hat seinen Stammsitz bis heute in der Stadt, Pagani baut seine Hypercars im benachbarten San Cesario sul Panaro, und Maranello mit dem Museo Ferrari liegt eine knappe halbe Stunde südlich. Luciano Pavarotti, 1935 hier geboren, gab der Stadt ihre zweite Weltmarke: Das Opernhaus von 1841 trägt seit 2007 seinen Namen, sein Landhaus vor den Toren ist heute Museum. Wer Modena besucht, pendelt also zwischen Welterbe, Werkstatt und Bühne – meist zu Fuß und selten hungrig.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel





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02 · Was tun
Romanisches Modena
Früh am Morgen, wenn die Bars an der Piazza Grande die ersten Espressi ziehen, gehört das Welterbe-Ensemble fast dir allein: die Reliefs des Wiligelmo an der Domfassade, die Krypta mit dem Grab des Stadtheiligen Geminianus, dann der Aufstieg auf die leicht geneigte Ghirlandina, deren Glocken einst Tore und Feldarbeit takteten. Vom Turm liegt dir das Ziegelrot der Altstadt zu Füßen – bei klarer Luft bis zum Apennin.
Motor Valley
Kaum eine Region der Welt verdichtet Motorsport-Geschichte wie das Land um Modena. Den Auftakt macht das Museo Enzo Ferrari mit seiner gelben, wie eine Motorhaube geschwungenen Halle neben dem Geburtshaus des Commendatore; weiter geht es nach Maranello ins Museo Ferrari und zu Paganis Atelier in San Cesario sul Panaro. Wer mag, kombiniert die Museen mit einer geführten Tagestour ab Modena.
Schwarzes Gold
Echter Aceto Balsamico Tradizionale di Modena DOP reift mindestens zwölf, als Extravecchio 25 Jahre in absteigenden Fassbatterien – meist unter dem Dach, wo Sommerhitze und Winterkälte den Essig konzentrieren. Familien-Acetaie öffnen ihre Dachböden für Führungen mit Verkostung; danach lohnt der Mercato Albinelli für Parmigiano, frische Pasta und Lambrusco direkt vom Erzeuger.
Este-Erbe & Oper
Die zweite Klangfarbe der Stadt ist die Musik: Im Teatro Comunale, das seit 2007 Luciano Pavarottis Namen trägt, debütierte der Tenor 1961 – sein Landhaus vor den Toren ist heute ein bewegendes Museum. Dazu gehören die Galleria Estense mit Velázquez, El Greco und Bernini sowie der Ehrenhof des Palazzo Ducale, in dem heute Italiens Offiziersanwärter exerzieren.
03 · Wann
Modena liegt mitten in der Po-Ebene, und das Klima macht daraus keinen Hehl: milde, klare Übergangsjahreszeiten, ein schwül-heißer Hochsommer und ein Winter, der die Stadt gern in Nebel hüllt. Frühling und Frühherbst sind die verlässlichsten Reisefenster – dann lässt sich die Altstadt zu Fuß erkunden, die Terrassen sind geöffnet und die Acetaie empfangen Besucher in angenehmer Dachboden-Temperatur.
04 · Häufige Fragen
Für Altstadt, Dom, Ghirlandina, Galleria Estense und den Mercato Albinelli reichen ein bis zwei volle Tage. Wer eine Acetaia besuchen, nach Maranello zu Ferrari fahren oder das Pavarotti-Landhaus sehen möchte, plant besser zwei bis drei Tage – Modena ist zudem ein idealer Standort für Tagesausflüge nach Bologna und Parma.
Am einfachsten per Bahn: Regionalzüge verbinden Modena im Halbstundentakt mit Bologna (rund 25–30 Minuten) und Parma. Der nächste größere Flughafen ist Bologna (BLQ), rund 40 km entfernt – vom Terminal bringt dich der Marconi Express zum Hauptbahnhof Bologna, von dort geht es per Regionalzug weiter. Mit dem Auto liegt Modena direkt an der A1.
Das Museo Enzo Ferrari liegt direkt in Modena, wenige Gehminuten vom Bahnhof. Nach Maranello zum Museo Ferrari sind es rund 18 km – erreichbar per Linienbus ab Modena, mit dem Auto in etwa 25 Minuten oder bequem mit einer geführten Motor-Valley-Tour, die beide Museen und teils auch Paganis Atelier kombiniert. Ein Kombiticket für beide Ferrari-Museen ist erhältlich.
In einer Acetaia – einem Essig-Dachboden, in dem der Balsamico in absteigenden Fassbatterien reift. Mehrere Familienbetriebe in und um Modena bieten Führungen mit Verkostung an, auch die kommunale Acetaia im Dachstuhl des Palazzo Comunale lässt sich besichtigen. Wichtig beim Kauf: Nur der DOP-Balsamico in der bauchigen Einheitsflasche ist der echte Tradizionale, gereift mindestens 12 oder – als Extravecchio – 25 Jahre.
Praktisch nie. Die Reservierungsfenster der Drei-Sterne-Adresse von Massimo Bottura öffnen online Monate im Voraus und sind meist binnen Minuten vergeben. Wer leer ausgeht, weicht auf Botturas legerere Franceschetta58 aus oder isst sich durch Modenas exzellente Trattorien – kulinarisch verliert hier niemand.
Ja – der Regionalzug braucht nur rund eine halbe Stunde, und Dom, Piazza Grande, Markt und ein Trattoria-Mittagessen lassen sich gut an einem Tag verbinden. Wer allerdings eine Acetaia besuchen oder abends die Aperitivo-Stunde an der Piazza della Pomposa erleben will, bleibt besser über Nacht.
05 · In der Nähe
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