Der Dom von Siena, Santa Maria Assunta, gehört zu den großen Kathedralen Italiens und ist das künstlerische Gegenstück zur weltlichen Macht des Palazzo Pubblico. Außen ist er über und über mit schwarz-weiß gestreiftem Marmor verkleidet – den Wappenfarben der Stadt –, gekrönt von einer reich skulptierten Fassade, die teils auf Giovanni Pisano zurückgeht. Das Innere überwältigt durch dieselbe Streifung und einen außergewöhnlichen Fußboden: 56 Marmor-Intarsienfelder, an denen Künstler über mehr als zwei Jahrhunderte arbeiteten und die biblische und allegorische Szenen zeigen. Der Boden ist nur wenige Wochen im Jahr – meist im Spätsommer und Frühherbst – vollständig aufgedeckt; in der übrigen Zeit sind Teile abgedeckt, um sie zu schützen. Die Liste der Kunstwerke liest sich wie ein Kanon der italienischen Bildhauerei und Malerei: Nicola Pisanos Marmorkanzel mit ihren dicht gedrängten Reliefs, Werke von Donatello und ein früher Marmoraltar mit Figuren des jungen Michelangelo. Ein Höhepunkt für sich ist die Piccolomini-Bibliothek, deren leuchtende Freskenzyklus von Pinturicchio das Leben von Papst Pius II. erzählt – ein Raum, dessen Farben fast unverblasst wirken. Vom benachbarten Facciatone, der Mauer des nie vollendeten gewaltigen Domneubaus, blickt man über die Dächer auf Stadt und Campo. Der Dombezirk umfasst mehrere Bauten, darunter Battistero und Museo dell'Opera; für den vollen Besuch lohnt ein Kombiticket. Da Eintritt erhoben wird und der Andrang groß ist, empfiehlt es sich, früh zu kommen und vorab zu prüfen, ob der Intarsienboden gerade aufgedeckt ist.
Ein überreich ausgestatteter gotischer Dom mit gestreiftem Marmor, kunstvollem Intarsienboden und Skulpturen von Pisano, Donatello und Michelangelo. Im Seitenraum die farbintensive Piccolomini-Bibliothek mit Pinturicchios Fresken. Vom benachbarten Facciatone lässt sich auf die Stadt blicken. In der Hochsaison muss man mit Andrang und Wartezeiten rechnen.
Der Dom entstand im 13. und 14. Jahrhundert. Mitten im Bau eines noch gewaltigeren Neubaus brach im 14. Jahrhundert die Pest aus und ließ das Projekt unvollendet – davon zeugt heute der Facciatone. Über Jahrhunderte arbeiteten zahlreiche Künstler am Intarsienboden, an Kanzel, Altären und der Piccolomini-Bibliothek.
