Santa Maria della Scala liegt direkt gegenüber der Domtreppe an der Piazza del Duomo und gehört zu den ältesten und größten Hospitalbauten Europas. Über mehr als tausend Jahre versorgte das Haus die Pilger der Via Francigena auf ihrem Weg nach Rom, pflegte Kranke und nahm Findelkinder auf. Heute ist aus dem riesigen Komplex ein Museumszentrum auf mehreren unterirdischen und oberirdischen Ebenen geworden.
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Der bekannteste Raum ist der Pellegrinaio, der alte Pilgersaal. Seine Fresken aus dem 15. Jahrhundert schildern den Alltag des Hospitals erstaunlich weltlich und detailreich: die Aufnahme und Pflege der Kranken, die Versorgung der Findelkinder, das Almosengeben. Es sind seltene Bilddokumente, die nicht religiöse Themen, sondern das soziale Leben des Mittelalters zeigen.
Unter dem Hauptgeschoss zieht sich der Komplex in mehreren Etagen in den Hügel hinein. In den Kellergewölben ist das Archäologische Nationalmuseum untergebracht, daneben gibt es Kapellen, Gänge und wechselnde Ausstellungen. Ein weiteres Glanzstück sind die Originalreliefs von Jacopo della Quercias Fonte Gaia, dem berühmten Brunnen der Piazza del Campo: Die heute auf dem Platz stehenden Skulpturen sind Kopien, die Originale werden hier geschützt aufbewahrt.
Wer Siena über die großen Hauptattraktionen hinaus verstehen will, findet in Santa Maria della Scala die andere Seite der Stadt – nicht Macht und Pracht, sondern Fürsorge, Pilgerwesen und Alltag. Der Rundgang ist umfangreich; man sollte ausreichend Zeit einplanen, um sich in den verschachtelten Ebenen nicht zu verlieren. Dank der zentralen Lage lässt sich der Besuch leicht mit Dom, Battistero und der Pinacoteca an einem Tag verbinden.