Wer Mantua kennt, kennt das Wasser. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel, umgeben von drei künstlichen Seen – dem Lago Superiore, dem Lago di Mezzo und dem Lago Inferiore –, die der Fluss Mincio im Mittelalter formte. Lungolaghi bezeichnet jenen Gürtel aus Uferwegen, Parks und Aussichtspunkten, der sich rund um diese Seen zieht und der Stadt eine Weite gibt, die man in norditalienischen Altstädten selten findet.
Der Charakter dieses Viertels ist ruhig, fast meditativ. Morgens liegt Nebel über dem Lago Superiore, Fischer stehen reglos im flachen Wasser, und die Silhouette des Palazzo Ducale spiegelt sich in der glatten Oberfläche. Wer früh aufsteht und die Uferpromenade entlangläuft, erlebt Mantua in einem Zustand, der wenig mit dem touristischen Trubel der Piazza Sordello zu tun hat. Es riecht nach Schilf und feuchter Erde, gelegentlich zieht ein Ruderboot vorbei.
Am Lago Inferiore öffnet sich der Blick zur anderen Seite: Hier ist das Wasser breiter, die Luft offener, und die Ponte San Giorgio verbindet das Stadtinnere mit dem Festland. Diese Brücke ist nicht nur ein Verkehrsweg, sondern einer der besten Aussichtspunkte auf die gesamte Stadtsilhouette – mit den Türmen von Sant'Andrea, dem Dom und dem Palazzo del Capitano im Hintergrund. Kein Teleobjektiv nötig, die Proportionen stimmen auch mit dem Smartphone.
Lungolaghi ist kein Viertel im klassischen Sinne mit dichten Wohnstraßen und Läden an jeder Ecke. Es ist eher eine Übergangszone: zwischen Stadt und Natur, zwischen Geschichte und Gegenwart. Entlang der Ufer finden sich Bootsverleihe, vereinzelte Bars mit Terrassen, Radwege und grüne Parkanlagen. Im Sommer kommen Familien zum Picknick an den Lago di Mezzo, Radfahrer nutzen die flachen Wege für Ausflüge ins Mincio-Tal. Im Herbst, wenn das Licht flacher wird und die Pappeln golden leuchten, gehört die Uferzone fast wieder den Einheimischen.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern eine Stadt in ihrer Gesamtheit erleben wollen, ist Lungolaghi der entscheidende Kontrapunkt zur dichten Altstadt. Hier versteht man, warum Mantua zum UNESCO-Welterbe zählt – nicht nur wegen der Paläste, sondern wegen der einzigartigen Verbindung aus Stadtbild und Landschaft.

Osteria dell'Oca
Bodenständige Osteria für mantuanische Hausküche mit Tortelli di zucca, Risotto alla pilota und Lambrusco aus dem Krug.