
◆ STADT · KANAREN
La Gomera ist die zweitkleinste der Kanaren und ihr eigensinnigstes Refugium: eine fast kreisrunde Vulkaninsel, von tiefen Schluchten wie ein Kuchen in Stücke geschnitten, in deren Zentrum sich ein uralter Nebelwald über die Bergrücken legt. Hier wandert man morgens durch tropfenden Lorbeerwald und sitzt nachmittags an einem schwarzen Strand im Valle Gran Rey, wo seit den späten Sechzigern eine alternative Gemeinde ihren eigenen Takt pflegt. Dazwischen liegen Terrassendörfer, Palmenhaine und eine Pfeifsprache, die noch über die Täler hallt.

La Gomera hat keinen großen Flughafen und keine Bettenburgen an endlosen Promenaden, und genau das hat die Insel zu dem gemacht, was sie ist. Wer herkommt, muss umsteigen: Von Teneriffa-Süd geht es zum Hafen Los Cristianos, von dort in rund fünfzig Minuten mit der Fähre nach San Sebastián de La Gomera, der kleinen Hauptstadt, in der Kolumbus 1492 ein letztes Mal Wasser fasste, bevor er nach Westen aufbrach. Dieser kleine Umweg ist die erste Lektion der Insel: Hier wird Ankommen wieder zu einer Reise.
Das Herzstück liegt oben, im Nationalpark Garajonay. Auf den Höhen um den 1.487 Meter hohen Alto de Garajonay stauen sich die Passatwolken und nähren einen Lorbeerwald, die Laurisilva, wie er einst weite Teile des Mittelmeerraums bedeckte und heute fast nur noch auf den Makaronesischen Inseln überlebt. 1986 erklärte die UNESCO diesen immergrünen Nebelwald zum Weltnaturerbe. Man geht hier durch Farne, bärtige Flechten und das stetige Tropfen der Wolken, die sich in den Blättern verfangen, und versteht, warum die Gomeros ihren Wald für lebendig halten.
Doch La Gomera ist nicht nur Natur, sondern auch eine eigene Kultur des Ausharrens und Anpassens. Hirten verständigten sich über die unwegsamen Schluchten hinweg mit dem Silbo Gomero, einer gepfiffenen Form des Spanischen, die Worte in Tonhöhen übersetzt und kilometerweit trägt; 2009 wurde sie immaterielles Weltkulturerbe und wird heute wieder an den Schulen unterrichtet. In der Küche schmeckt man dieselbe Genügsamkeit: Almogrote aus hartem Ziegenkäse, der süße Palmhonig aus dem Saft der Kanarenpalmen, das herzhafte Brunnenkresse-Eintöpfchen potaje de berros. Eine Insel, die aus wenig viel zu machen weiß.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel






· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Wandern & Natur
Vom Besucherzentrum Juego de Bolas oder vom Pass El Contadero führen markierte Pfade in den Nebelwald: zum verträumten Weiler El Cedro mit seinem Bach, hinauf zum Gipfelplateau des Alto de Garajonay mit Rundblick über die Wolken und vorbei am Roque de Agando, dem zackigen Vulkanschlot, der zum Wahrzeichen der Insel wurde. Wer mehr will, folgt dem Fernwanderweg GR 131 quer über den Höhenkamm.
Aussteiger & Strand
Im Südwesten öffnet sich das von Terrassen gerahmte Königstal zum Meer. In La Calera kleben die weißen Häuser am Hang, in Vueltas legen die Boote an, und an La Playa und der Playa del Inglés trifft sich abends bei Sonnenuntergang und Trommeln die alternative Gemeinde, die hier seit den späten 1960ern ihr Refugium gefunden hat. Von Vueltas starten die Touren aufs Meer.
Meer & Wale
Die Meerenge zwischen La Gomera und Teneriffa wurde als erste Region Europas zur Whale Heritage Site erklärt. Vor der Westküste leben Grindwale ganzjährig, dazu Große Tümmler, Fleckendelfine und im Frühjahr durchziehende Bartenwale. Verantwortungsvolle Anbieter aus Valle Gran Rey fahren in kleinen Gruppen hinaus, mit Rücksicht auf die Tiere statt auf den schnellen Schnappschuss.
Dörfer & Kultur
Im feuchteren Norden reihen sich die schönsten Orte der Insel: Agulo, mit Kuppelkirche und Blumengassen vor der Kulisse des Teide, gilt vielen als das hübscheste Dorf Gomeras. Hermigua und Vallehermoso liegen in tief eingeschnittenen Tälern voller Bananen- und Palmengärten. Hier kostet man Almogrote, Palmhonig und Gomerón und hört, wenn man Glück hat, den Silbo über die Schlucht pfeifen.
03 · Wann
Die Insel kennt zwei Klimazonen: den feuchteren, kühleren Norden, an dem sich die Passatwolken abregnen und den Lorbeerwald nähren, und den warmen, trockenen Süden um Valle Gran Rey. Ganzjährig mild, fühlt sie sich je nach Jahreszeit doch sehr unterschiedlich an.
04 · Häufige Fragen
La Gomera hat nur einen kleinen Regionalflughafen ohne internationale Linien. Der übliche Weg führt über Teneriffa-Süd: vom Flughafen zum Hafen Los Cristianos und von dort mit der Fähre (Fred Olsen oder Naviera Armas) in rund 50 Minuten nach San Sebastián de La Gomera. Von dort geht es per Mietwagen oder Linienbus weiter ins Valle Gran Rey oder in den grünen Norden.
Garajonay ist das bewaldete Herz der Insel rund um den höchsten Gipfel Alto de Garajonay (1.487 m). Er schützt einen der weltweit größten zusammenhängenden Lorbeerwälder, die Laurisilva, einen immergrünen Nebelwald, der einst weit verbreitet war und heute fast nur noch auf den Makaronesischen Inseln überlebt. Seit 1986 zählt er zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist von zahlreichen markierten Wegen durchzogen.
Der Silbo Gomero ist eine gepfiffene Variante des Spanischen, mit der sich Hirten früher über die tiefen Schluchten hinweg verständigten, weil die Pfiffe kilometerweit tragen. Er übersetzt Vokale und Konsonanten in Tonhöhen. 2009 nahm die UNESCO ihn ins immaterielle Weltkulturerbe auf; heute wird er wieder an den Inselschulen unterrichtet und in Restaurants und bei Vorführungen demonstriert.
La Gomera ist in erster Linie eine Wander- und Naturinsel, hat aber durchaus Strände, vor allem im wärmeren Süden um Valle Gran Rey und Playa de Santiago. Es sind meist schwarze Lava- und Kieselstrände, keine breiten hellen Sandbuchten wie auf Fuerteventura. Wer Baden mit Wandern verbinden will, reist am besten im Sommer oder Frühherbst.
Seit den späten 1960er Jahren zog das abgeschiedene Valle Gran Rey junge Reisende und Pazifisten an, die ein einfaches, alternatives Leben suchten; in den 1970ern und 80ern wurde das Tal zu einem der letzten Hippie-Refugien Europas. Diese Kultur ist bis heute spürbar, etwa bei den Trommel-Treffen am Strand zum Sonnenuntergang, und prägt vor allem unter deutschsprachigen Reisenden den Ruf der Insel.
Unbedingt Almogrote, eine würzige Paste aus hartem Ziegenkäse, Paprika, Knoblauch und Öl; dazu den Palmhonig (Miel de palma) aus dem Saft der Kanarenpalme, von denen es auf Gomera besonders viele gibt. Klassiker sind außerdem Gofio, papas arrugadas mit Mojo und der herzhafte Brunnenkresse-Eintopf potaje de berros. Als Digestif gilt der Gomerón aus Palmhonig und Branntwein.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in La Gomera.
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