
◆ STADT · LIGURIEN
Genua ist Italiens große Unbekannte: La Superba, die Stolze, einst Seerepublik auf Augenhöhe mit Venedig, heute eine Hafenmetropole mit rauem Charme und verstecktem Glanz. Hinter der Kaimauer öffnet sich eine der größten Altstädte Europas – ein Labyrinth aus caruggi, in dem Marmorportale neben Wäscheleinen hängen und Barockkirchen an Stockfisch-Tresen grenzen. An der Via Garibaldi reihen sich die Palazzi dei Rolli, seit 2006 UNESCO-Welterbe, während am Porto Antico Renzo Pianos Panoramalift Bigo über Italiens größtem Aquarium kreist. Dazwischen: Focaccia vom Blech, Pesto aus dem Marmormörser und der Blick von der Spianata Castelletto, der die ganze Stadt auf einmal erklärt.

Genua war über Jahrhunderte eine der mächtigsten Seerepubliken des Mittelmeers. Ihre Flotten kontrollierten Handelswege von der Levante bis zur Schwarzmeerküste, ihre Bankiers finanzierten Könige – die 1407 gegründete Banco di San Giorgio zählt zu den ältesten Banken der Geschichte. Hier wurde um 1451 Christoph Kolumbus geboren, hier befehligte Andrea Doria die Flotten Kaiser Karls V. Anders als Venedig stellte Genua seinen Reichtum nie zur Schau: Er verbirgt sich in Innenhöfen, Freskensälen und Hängegärten, die man von der Gasse aus nicht einmal erahnt.
Am deutlichsten wird das an den Strade Nuove, allen voran der Via Garibaldi: Im 16. Jahrhundert legte der Adel hier einen Straßenzug aus Stadtpalästen an, deren prächtigste in den rolli verzeichnet wurden – amtliche Listen jener Häuser, die Staatsgäste der Republik beherbergen mussten. Rubens vermaß und publizierte diese Palazzi als Vorbild für Europas Baumeister, Van Dyck porträtierte ihre Besitzer. Seit 2006 ist das Ensemble UNESCO-Welterbe, drei Paläste bilden heute die Museumsmeile der Musei di Strada Nuova.
Das heutige Genua lebt vom Kontrast: Unten in den caruggi dampfen die Sciamadde, in denen Farinata in Kupferpfannen aus dem Holzofen kommt, am Mercato Orientale türmen sich Basilikum, Oliven und Fisch, und am Porto Antico hat Renzo Piano – Sohn der Stadt – die alten Kais 1992 in eine Uferbühne mit Aquarium und Museen verwandelt. Östlich davon wird Genua dann Riviera: die Badebucht von Boccadasse, die Corso Italia am Meer, die Klippenwege von Nervi. travelperfect empfiehlt, die großen Paläste und das Aquarium vorab zu buchen – und mindestens einen Abend einfach durch die Gassen treiben zu lassen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel






· Sehenswürdigkeiten
· Hotels
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
UNESCO-Welterbe
Als Genuas Adel im 16. Jahrhundert die Via Garibaldi anlegte, entstand ein Straßenzug aus Stadtpalästen, deren prächtigste in den rolli verzeichnet wurden – Listen jener Häuser, die Staatsgäste der Republik beherbergen mussten. Heute öffnen die Musei di Strada Nuova drei davon als Museumsmeile mit Van Dyck, Veronese und Paganinis Geige; an den Rolli Days im Frühjahr und Herbst kommen Dutzende sonst verschlossene Höfe und Spiegelsäle dazu.
Caruggi & Cucina
Genua frühstückt Focaccia – gern in den Cappuccino getunkt – und isst mittags Farinata aus der Kupferpfanne einer Sciamadda. Dazwischen liegen Friggitorie mit frittiertem Fisch aus der Tüte, jahrhundertealte Botteghe und der Mercato Orientale mit Bergen von Basilikum und Oliven. Abends gehört die Piazza delle Erbe dem Aperitivo, und in den Trattorien landen Trofie al pesto und Pansoti mit Walnusssauce auf dem Tisch.
Hafen & Meer
Renzo Piano hat die alten Kais 1992 in Genuas Bühne am Wasser verwandelt: das Acquario di Genova, der rotierende Panoramalift Bigo, die gläserne Biosfera. An der Darsena erzählt das Galata Museo del Mare die Seefahrtsgeschichte der Stadt – samt begehbarem U-Boot im Hafenbecken. Wer weitergeht, erreicht die Lanterna, Genuas 77 Meter hohes Leuchtturm-Wahrzeichen mit Promenade entlang der alten Mauern.
Riviera in der Stadt
Östlich des Zentrums wird Genua zur Riviera: Die Corso Italia führt gut zwei Kilometer am Meer entlang bis zur Pastellbucht von Boccadasse, wo abends die halbe Stadt Gelato isst. Noch weiter östlich wartet Nervi mit der Passeggiata Anita Garibaldi – einem Klippenweg zwischen Wellen und Agaven – und den Parks alter Patriziervillen, in denen heute Kunstmuseen residieren.
03 · Wann
Genua liegt geschützt zwischen Apennin und Meer und hat ein mildes, maritimes Klima: Selbst im Winter fällt das Thermometer tagsüber selten unter 8 °C, im Sommer staut sich dafür die Feuchtigkeit zwischen den Hügeln. Frühling und Frühherbst sind ideal – und wer im Oktober oder November kommt, sollte wissen, dass Genua zu den regenreichsten Großstädten Italiens zählt: kurze, heftige Güsse, nach denen das Licht über dem Hafen umso klarer steht.
04 · Häufige Fragen
April bis Juni und September bis Oktober sind ideal: mild, klar und ohne die schwüle Hitze des Hochsommers. Der September verbindet warmes Meer mit ruhigerer Stadt. Ab Mitte Oktober beginnt die regenreichste Zeit des Jahres – dann lohnen Museen, Paläste und die Sciamadde der Altstadt umso mehr.
Zwei volle Tage reichen für Altstadt, Rolli-Paläste und Porto Antico. Mit Boccadasse, Nervi und einem Bootsausflug nach Portofino oder San Fruttuoso werden drei bis vier Tage daraus. Genua eignet sich außerdem hervorragend als Basis für die ganze ligurische Riviera.
Ja. Regionalzüge Richtung La Spezia halten in Monterosso al Mare, dem größten der fünf Dörfer – je nach Verbindung dauert die Fahrt etwa anderthalb Stunden. Wer früh startet, schafft zwei bis drei Dörfer an einem Tag und ist abends zurück in der Stadt.
Focaccia – die Genuesen tunken sie morgens in den Cappuccino –, Farinata aus dem Holzofen einer Sciamadda, Trofie oder Mandilli mit Pesto genovese, Pansoti mit Walnusssauce und Stockfisch nach ligurischer Art. Dazu ein Glas Vermentino oder Pigato von den Küstenhängen.
Ja, besonders mit Kindern: Es ist das größte Aquarium Italiens und zeigt Delfine, Haie und Mittelmeerlebensräume direkt am alten Hafen. Online-Tickets mit Zeitfenster ersparen die teils langen Schlangen, und auf dem Pier warten gleich noch Bigo-Aussichtslift und Biosfera.
Genua ist eine normale italienische Großstadt: Tagsüber sind die caruggi belebt und unbedenklich, abends bleibt man am besten auf den belebten Achsen rund um Via San Lorenzo, Piazza delle Erbe und Via Garibaldi. In einzelnen Gassen um die Via di Prè gilt nachts dieselbe Aufmerksamkeit wie in jeder Hafenstadt.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Genua.
Karte