Zwischen den weißen Kalkböden der Bahía de Cádiz liegt eine Stadt, die ihren Ruhm in drei Sinnen trägt: im Duft alter Solera-Fässer, im Stampfen der Flamenco-Absätze in den Tabancos von Santiago und im stolzen Schritt der Kartäuserpferde. Jerez de la Frontera ist andalusisches Lebensgefühl in Reinform, ohne den Touristenstrom von Sevilla — ein Ort, an dem Tradition kein Museum, sondern gelebter Alltag ist. Der Name Jerez ist weltweit zum Synonym für Sherry geworden: Der berühmte Likörwein darf nur hier, im Dreieck zwischen Jerez, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María, reifen. In den großen Bodegas wie Tío Pepe lagern Tausende Fässer im jahrhundertealten Solera-System, bei dem junger Wein dem alten beigemischt wird. Wer eine Bodega besucht, lernt die ganze Bandbreite kennen, vom trocken-spröden Fino über den nussigen Amontillado bis zum dunklen, süßen Pedro Ximénez. Jerez ist außerdem eine der Wiegen des Flamenco. Im Viertel Santiago, einem der ältesten Stadtteile mit starker Gitano-Tradition, hört man den Cante in den Tabancos, urigen Weinausschänken, in denen Gesang, Gitarre und Tanz zusammenfinden. Jedes Frühjahr füllt das Festival de Jerez die Stadt mit Tanz aus aller Welt. Die dritte Säule sind die Pferde. In der Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre, der königlichen Reitschule, führen die andalusischen Pferde ihre choreografierten Vorführungen auf, eine Art tanzendes Ballett zu Pferd. Dazu kommen Sehenswürdigkeiten wie der maurische Alcázar mit seinen Gärten und Bädern, die Kathedrale über dem alten Sherry-Viertel und die belebten Plätze der Altstadt. Im Mai feiert die Stadt die prachtvolle Feria del Caballo, das Pferdefest, bei dem sich Tracht, Wein und Reitkunst zu einem einzigen Fest verbinden.




