Hoch über der Serranía, dort wo der Fluss Guadalevín eine rund 100 Meter tiefe Schlucht in den Fels geschnitten hat, klammert sich Ronda an zwei Felsplateaus. Die berühmte Puente Nuevo, eine im 18. Jahrhundert erbaute Steinbrücke, näht die beiden Stadthälften über dem Abgrund El Tajo zusammen – wer an ihrem Geländer steht, schaut nicht auf eine Aussicht, sondern in einen Riss in der Erde. Ronda ist eines der Weißen Dörfer Andalusiens, das zur Stadt gewachsen ist. Die ältere Hälfte, La Ciudad, bewahrt das maurische Erbe mit engen Gassen, den Arabischen Bädern und Palästen wie dem Palacio de Mondragón. Auf der anderen Seite der Brücke liegt der jüngere Stadtteil El Mercadillo mit der Plaza de Toros, einer der ältesten und schönsten Stierkampfarenen Spaniens, deren kreisrunder Innenraum von einer doppelten Arkade umrahmt wird. Von den Aussichtspunkten an der Klippe, etwa der Alameda del Tajo, öffnet sich der Blick über das Bergland und die Felder ringsum. Wer hinabsteigt, kann die Puente Nuevo von unten sehen und versteht erst dort ihre wahre Höhe. Die Lage in der Serranía de Ronda macht die Stadt auch zum Tor in eine grüne, weniger bereiste Bergwelt mit Wanderwegen, Weinbergen und nahen Naturparks. Schriftsteller wie Ernest Hemingway und Rainer Maria Rilke ließen sich von Ronda fesseln. Abends, wenn die Tagesgäste abgereist sind, kehrt Ruhe ein, und man sitzt bei Tapas und einem Glas Wein aus der Region über einer der dramatischsten Lagen Spaniens.



