Puerto de la Cruz ist kein Retortenbadeort, sondern der älteste Ferienort der Kanaren, an die grüne Nordküste Teneriffas geschmiegt. Während der trockene Süden mit goldenem Importsand wirbt, zeigt der Norden ein anderes Gesicht: Wo die Passatwolken am Pico del Teide hängen bleiben, gedeihen Bananenstauden und Strelitzien fast bis ans Meer, und schwarzer Lavastrand stößt auf koloniale Holzbalkone. Die Stadt wuchs aus einem Hafen, über den im 18. und 19. Jahrhundert Wein und Bananen verschifft wurden – früh kamen auch europäische Reisende, die das milde Klima zur Genesung suchten. Diese lange Tradition prägt den Casco Histórico: Um die Plaza del Charco, wo seit Jahrhunderten mächtige Lorbeerfeigen Schatten spenden, reihen sich Herrenhäuser mit kunstvollen kanarischen Holzbalkonen, kleine Kirchen und der alte Fischerhafen. Im benachbarten Viertel La Ranilla, einst Heimat der Fischer, sitzt man heute in schmalen Gassen und isst frischen Fisch. Weil die Naturstrände an der oft rauen Nordküste begrenzt sind, schuf der lanzarotenische Künstler César Manrique mit dem Lago Martiánez eine geniale Antwort: eine Anlage aus Meerwasserbecken, schwarzen Lavasteinen und tropischer Bepflanzung, die das Baden auch bei hohem Wellengang ermöglicht und längst zum Wahrzeichen geworden ist. Wenige Schritte entfernt liegt der dunkle Stadtstrand Playa Jardín, ebenfalls von Manrique mitgestaltet und von subtropischen Gärten gesäumt. Doch Puerto de la Cruz ist mehr als Baden. Im benachbarten Orotava-Tal breiten sich Weingüter und der historische Botanische Garten aus, einer der ältesten Europas. Von hier führen Wege in den Lorbeerwald des Anaga-Gebirges und hinauf zum Teide-Nationalpark. So verbindet der Ort Baden, Wandern und Kultur so selbstverständlich wie kaum ein zweiter im Atlantik.





