
◆ STADT · LOMBARDEI
Mantua liegt wie eine Insel in der Po-Ebene: Drei Seen, im 12. Jahrhundert aus dem Mincio gestaut, umschließen eine Altstadt, die vier Jahrhunderte Gonzaga-Herrschaft zu einem dichten Renaissance-Ensemble verdichtet haben. Im Palazzo Ducale malte Andrea Mantegna die Camera degli Sposi, am Südrand ließ Federico II. von Giulio Romano den Palazzo Te als manieristisches Lustschloss errichten, und dazwischen duftet es in den Gassen nach Tortelli di zucca und Sbrisolona. Zusammen mit Sabbioneta gehört Mantua seit 2008 zum UNESCO-Welterbe – und bleibt doch eine stille, fast unentdeckte Schönheit zwischen Mailand und Venedig.

Von 1328 bis 1707 regierten die Gonzaga diese Stadt – erst als Stadtherren, ab 1433 als Markgrafen, ab 1530 als Herzöge. Was als Familienherrschaft begann, wurde zu einem der ehrgeizigsten Mäzenatentümer Europas: Ludovico Gonzaga holte 1460 Andrea Mantegna als Hofmaler an den Mincio, der in der Camera degli Sposi des Castello di San Giorgio die Familie seines Auftraggebers so lebensnah verewigte, dass die Wände bis heute wie ein geöffnetes Fenster ins 15. Jahrhundert wirken. Isabella d'Este machte Mantua um 1500 zum intellektuellen Salon Italiens, und Federico II. ließ sich von Giulio Romano den Palazzo Te bauen – ein Lustschloss, das die Regeln der Renaissance lustvoll bricht.
Die Stadt selbst ist eine Insel. Ende des 12. Jahrhunderts legte der Ingenieur Alberto Pitentino den Mincio in Seen um Mantua – drei sind geblieben: Lago Superiore, Lago di Mezzo und Lago Inferiore rahmen die Altstadt bis heute. Vom Ponte San Giorgio aus zeigt sich die berühmteste Ansicht: Kuppeln, Türme und das Castello, die im Abendlicht über dem Wasser zu schweben scheinen. Im Hochsommer blühen auf dem Lago Superiore Lotusblumen, die hier in den 1920er Jahren angesiedelt wurden – ein unerwartet exotisches Schauspiel mitten in der Po-Ebene.
Und dann der Tisch: Mantuas Küche gehört zu den eigenständigsten Italiens – Tortelli di zucca mit Amaretti und Mostarda, Risotto alla pilota mit Salamelle, Luccio in salsa aus den eigenen Gewässern und zum Espresso ein Stück bröselnde Sbrisolona, dazu ein perlender Lambrusco mantovano. Anfang September verwandelt das Festivaletteratura die Plätze in ein einziges Lesefest, 2016 war Mantua Italiens Kulturhauptstadt – und trotzdem bleibt die Stadt angenehm unaufgeregt. Wer abends über die Piazza Sordello geht, hat sie oft fast für sich allein.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




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02 · Was tun
Gonzaga & Mantegna
Die Residenz der Gonzaga ist eine Stadt in der Stadt: Höfe, Gärten, Galerien und das Castello di San Giorgio mit Mantegnas Camera degli Sposi, deren Zeitfenster man unbedingt vorab bucht. Davor liegt die Piazza Sordello mit Duomo und den Palästen der besiegten Bonacolsi – der ideale Auftakt für jeden Mantua-Tag.
Manierismus am Stadtrand
Ein halbstündiger Spaziergang nach Süden führt zu Giulio Romanos Lustschloss: In der Sala dei Giganti stürzt der Olymp illusionistisch über den Besuchern ein, nebenan tafeln Götter in der Sala di Amore e Psiche. Auf dem Weg lohnen das Backsteinhaus, das sich Andrea Mantegna selbst entwarf, und Albertis Tempio di San Sebastiano.
Mantua auf dem Teller
Mantuas Küche ist ein eigenes Kapitel der italienischen Gastronomie: süßlich gefüllte Tortelli di zucca mit Amaretti und Mostarda, Risotto alla pilota mit Salamelle, Hecht in Kapernsauce – und zum Abschluss die bröselige Mandel-Sbrisolona. Dazu schenken die Osterien perlenden Lambrusco mantovano aus, oft seit Generationen in Familienhand.
Stadt am Wasser
Vom Lungolago dei Gonzaga legen Ausflugsschiffe zu Rundfahrten über die Seen ab, im Juli und August blühen auf dem Lago Superiore tausende Lotusblumen. Wer mehr will, satteln das Rad: Der flache Mincio-Radweg führt in rund 43 Kilometern durch den Parco del Mincio bis nach Peschiera am Gardasee.
03 · Wann
Mantua liegt mitten in der Po-Ebene, und das prägt das Klima: milde, klare Übergangsjahreszeiten, ein heißer und oft schwüler Hochsommer und Winter, in denen der Nebel die Seen verschluckt. Frühling und Frühherbst sind ideal – und wer Anfang September kommt, erlebt mit dem Festivaletteratura die Stadt in ihrem lebendigsten Moment.
04 · Häufige Fragen
Für Palazzo Ducale, Palazzo Te und die Altstadt reichen ein bis zwei volle Tage. Wer zusätzlich eine Bootstour über die Seen machen, am Mincio radeln oder das UNESCO-Schwesterstädtchen Sabbioneta besuchen möchte, plant besser zwei bis drei Tage ein. Mantua eignet sich auch hervorragend als Zwischenstopp zwischen Gardasee, Verona und Bologna.
Ja, unbedingt. Mantegnas berühmtes Freskenzimmer im Castello di San Giorgio ist nur mit zeitgebundenen Tickets und in begrenzter Besucherzahl zugänglich. An Wochenenden, Feiertagen und während des Festivaletteratura sind die Slots oft Tage im Voraus vergriffen – am besten direkt nach der Reiseplanung online reservieren.
Am einfachsten mit dem Zug: Regionalzüge verbinden Mantova mit Verona in rund 45–50 Minuten, mit Mailand in etwa zwei Stunden und mit Modena in rund einer Stunde. Der nächstgelegene Flughafen ist Verona (VRN), etwa 40 Kilometer entfernt. Der Bahnhof liegt nur 10–15 Gehminuten von der Piazza delle Erbe.
Die Tortelli di zucca – Kürbisravioli mit Amaretti und Mostarda, süßlich und würzig zugleich –, dazu Risotto alla pilota mit Salamelle-Wurst, Agnoli in Brühe und Luccio in salsa, Hecht in Kapern-Sardellen-Sauce. Zum Espresso gehört ein Stück Sbrisolona, der bröselige Mandelkuchen, und ins Glas ein gekühlter Lambrusco mantovano.
April bis Juni und September bis Oktober: mild, klar und ideal für Stadt und Radwege. Der Hochsommer wird in der Po-Ebene heiß und schwül – dafür blühen dann die Lotusfelder auf dem Lago Superiore. Im Winter liegt oft Nebel über den Seen, was die Stadt leise und stimmungsvoll, aber auch grau macht.
Ja – vom Wasser aus versteht man Mantua am besten: Die Skyline mit Kuppeln, Türmen und Castello schiebt sich wie eine Theaterkulisse über den See. Rundfahrten starten am Lungolago dei Gonzaga und dauern meist ein bis zwei Stunden; im Juli und August führen sie durch die blühenden Lotusfelder des Lago Superiore.
05 · In der Nähe
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