Wer Mantua zum ersten Mal erblickt, erlebt einen Moment echter Überraschung: Die Stadt erhebt sich fast inselartig aus der Poebene, umgeben von den drei Mincio-Seen Lago Superiore, Lago di Mezzo und Lago Inferiore, die im Morgenlicht silbern schimmern. Kein touristischer Rummel, keine überfüllten Gassen – stattdessen eine Stadt, die ihre Geschichte trägt wie ein gut geschneidertes Gewand: selbstbewusst und ohne Aufwand.
Der Palazzo Ducale dominiert die Nordseite der Altstadt mit einer schieren Masse von über 500 Räumen, Höfen und Gärten. Wer die Camera degli Sposi betritt, steht vor einem der bedeutendsten Freskenzyklen der Frührenaissance: Andrea Mantegnas illusionistisches Meisterwerk von 1474 öffnet die Decke zum Himmel und lässt Höflinge, Pferde und Landschaften so lebensnah erscheinen, dass man unwillkürlich nach oben schaut. Wenige Schritte weiter, auf der Piazza Sordello, sitzt man vor dem Dom und beobachtet, wie Einheimische die Mittagspause für einen Espresso nutzen.
Am südlichen Ende der Altstadt thront der Palazzo Te, ein Sommerpalast der Gonzaga-Familie, der Giulio Romanos manieristischen Fresken mit eleganter Architektur verbindet. Der Sala dei Giganti ist ein Raum, der Kindern und Erwachsenen gleichermaßen den Atem verschlägt: Rundum stürzen gemalte Felsblöcke auf den Betrachter ein, die Decke scheint einzubrechen.
Das alltägliche Mantua zeigt sich auf dem Markt rund um die Piazza delle Erbe, wo Händler morgens Kürbis, Parmigiano und lokale Würste feilbieten. Die Küche der Stadt ist untrennbar mit dem Risotto alla pilota verbunden – ein festes, mit Salamella gewürztes Reisgericht. Wer tiefer eintauchen will, bestellt Tortelli di zucca: mit Kürbis, Amaretti und Mostarda gefüllte Pasta, die süß und herzhaft zugleich schmeckt.
Mantua ist auch eine Literaturstadt. Virgil wurde hier geboren, und sein Denkmal auf der Piazza Virgiliana erinnert daran. Jedes Jahr im September verwandelt sich die Stadt beim Festivaletteratura in einen internationalen Treffpunkt für Buchliebhaber. Das Flair dieser Tage – Bücherstände unter Arkaden, Gespräche auf Brücken über dem Mincio – macht deutlich, warum die UNESCO Mantua 2008 zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Rotonda di San Lorenzo
Romanischer Backstein-Rundbau aus dem 11. Jahrhundert an der Piazza delle Erbe, nach dem Vorbild der Grabeskirche von Jerusalem.
Älteste erhaltene Kirche Mantuas aus dem späten 11. Jahrhundert






