
◆ STADT · EMILIA-ROMAGNA
Ferrara ist die Stadt, in der die Renaissance nicht als Museum, sondern als Stadtplan überlebt hat. Hinter neun Kilometern begehbarer Backsteinmauern liegt das Erbe der Este: das wassergrabumringte Castello Estense mitten im Zentrum, die Diamantfassade des Palazzo dei Diamanti und die schnurgeraden Achsen der Addizione Erculea, mit der Biagio Rossetti ab 1492 eine der ersten geplanten Städte Europas zeichnete. Dazwischen klappern Fahrräder über Kopfsteinpflaster – Ferrara gilt als Italiens Fahrradstadt schlechthin –, in den Trattorien duftet es nach Cappellacci di zucca, und in der Via delle Volte hängt das Mittelalter noch unter den Bögen.

Ferrara war nie römisch – die Stadt entstand im Frühmittelalter an einem Arm des Po und wurde unter den Este zu einem der glanzvollsten Höfe Europas. Von 1264 bis 1598 regierte die Familie, holte Maler wie Cosmè Tura, Francesco del Cossa und Ercole de' Roberti an den Hof – die sogenannte Officina ferrarese –, dazu Dichter wie Ariosto und Tasso. Lucrezia Borgia heiratete 1502 den späteren Herzog Alfonso I. d'Este und hielt hier bis zu ihrem Tod Hof. Das Castello Estense, 1385 als Festung gegen die eigene aufständische Bevölkerung begonnen, wuchs in dieser Zeit zur Residenz mit hängenden Gärten und freskierten Sälen.
Der eigentliche Coup gelang Herzog Ercole I., als er die Stadt ab 1492 nach Norden verdoppeln ließ. Sein Architekt Biagio Rossetti entwarf mit der Addizione Erculea keine gewachsene, sondern eine gedachte Stadt: gerade Achsen, kalkulierte Blickfluchten, Paläste als Eckpunkte – Stadtplanung als Renaissance-Kunstwerk. Die UNESCO erklärte Ferrara dafür 1995 zum Welterbe. Als die Este die Stadt 1598 an den Kirchenstaat verloren, fiel Ferrara in einen langen Dornröschenschlaf – dem die Altstadt ihre heutige Geschlossenheit verdankt.
Heute gehört die Stadt den Radfahrern: Auf den flachen Straßen hinter der neun Kilometer langen Mauer fährt buchstäblich jede Generation Rad, vom Schulkind bis zur Signora mit Einkaufskorb. Man rollt zur Piazza, isst Cappellacci di zucca in einer Trattoria, bricht ein Stück Coppia ferrarese und folgt abends der Via delle Volte unter ihren Bögen. Im Frühjahr zieht der Palio durch die Stadt, der zu den ältesten Italiens zählt, Ende August verwandelt das Buskers Festival die Gassen in eine einzige Bühne – und Giorgio Bassanis Romane über die Finzi-Contini liegen wie ein leiser Schatten über den schönen Gärten.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
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· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Este-Renaissance
Vom Wassergraben des Castello Estense über den schnurgeraden Corso Ercole I d'Este bis zur Diamantfassade des Palazzo dei Diamanti – die Achse der Addizione Erculea ist begehbare Stadtbaugeschichte. Den Abschluss macht der Palazzo Schifanoia im Südosten, dessen Salone dei Mesi zu den großen Freskenzyklen der Frührenaissance zählt.
Im Sattel
Kaum eine italienische Stadt ist so aufs Fahrrad gebaut: flach, kompakt, mit wenig Autoverkehr in der Altstadt. Die Kür ist die Runde auf und entlang der neun Kilometer Renaissance-Stadtmauer, vorbei an der Porta degli Angeli. Wer mehr will, folgt dem Destra-Po-Radweg hinaus Richtung Po-Delta – flussabwärts bis zur Adria.
Jüdisches Ferrara
In den Gassen um die Via Mazzini und die Via Vignatagliata lag jahrhundertelang das jüdische Ferrara, ab 1627 als abgeriegeltes Ghetto. Das Nationalmuseum MEIS erzählt heute die Geschichte des italienischen Judentums, und Giorgio Bassanis Roman über die Gärten der Finzi-Contini hat dieser Stadt ein literarisches Denkmal gesetzt.
Zu Tisch
Ferraras Küche ist süß-herzhaft und eigensinnig wie ihre Geschichte: Cappellacci di zucca mit Kürbisfüllung, die deftige Salama da sugo auf Kartoffelpüree, Pasticcio di maccheroni in der Mürbeteighülle und das gedrehte Brot Coppia ferrarese. Zum Abschluss ein Stück Pampepato mit Schokolade und Gewürzen – ein Erbe der Hofkonditoren.
03 · Wann
Ferrara liegt mitten in der Po-Ebene, und das prägt das Klima stärker als die Nähe zur Adria: Die Sommer sind heiß und schwül, die Winter neblig und feucht-kalt. Frühling und Frühherbst sind die Zeit der Stadt – dann lassen sich Mauerring, Piazza und Palazzi bei mildem Licht erkunden, am besten vom Fahrradsattel aus.
04 · Häufige Fragen
Ein voller Tag reicht für Castello Estense, Dom, Via delle Volte und einen Bummel durch die Addizione Erculea. Wer den Palazzo Schifanoia, das MEIS und eine Radtour auf der Stadtmauer mitnehmen will, bleibt besser zwei Tage. Ferrara eignet sich auch hervorragend als Etappe zwischen Bologna und Venedig – beide liegen an derselben Bahnlinie.
Am einfachsten per Zug: Von Bologna fahren Regional- und Schnellzüge in etwa 30 bis 50 Minuten, von Venedig dauert es rund eineinhalb Stunden. Der nächste Flughafen ist Bologna (BLQ), etwa 50 Kilometer entfernt. Vom Bahnhof Ferrara läufst du rund 20 Minuten ins Zentrum oder nimmst Stadtbus oder Leihrad.
Die UNESCO würdigte Ferrara 1995 als 'Stadt der Renaissance': Mit der Addizione Erculea ließ Herzog Ercole I. d'Este die Stadt ab 1492 nach Plänen von Biagio Rossetti planmäßig verdoppeln – ein Meilenstein der europäischen Stadtplanung. Später wurde die Auszeichnung um das Po-Delta und die Sommerresidenzen der Este erweitert.
Die Klassiker sind Cappellacci di zucca (Teigtaschen mit Kürbisfüllung, oft mit Butter und Salbei oder Ragù), die deftige Salama da sugo mit Kartoffelpüree und der Pasticcio di maccheroni in Mürbeteig. Dazu gehört die Coppia ferrarese, das gedrehte Brot der Stadt, und zum Abschluss Pampepato, ein gewürzter Schokoladenkuchen.
Unbedingt – die rund neun Kilometer lange Renaissance-Mauer ist fast vollständig erhalten und als baumbestandener Grünring angelegt. Auf den Wällen kannst du die Stadt komplett umrunden, zu Fuß oder mit dem Rad, mit Blicken über Dächer auf der einen und Felder der Po-Ebene auf der anderen Seite. Schönster Abschnitt: der Norden rund um die Porta degli Angeli.
Ja – Ferrara gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte Italiens. Die Altstadt ist flach, kompakt und weitgehend verkehrsberuhigt, und das Rad gehört hier für alle Generationen zum Alltag. Leihräder gibt es am Bahnhof und bei Verleihern im Zentrum; viele Hotels stellen ihren Gästen Räder zur Verfügung.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Ferrara.
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