Wer einmal die Piazza IV Novembre im Abendlicht erlebt hat, versteht, warum Perugia zu den faszinierendsten Städten Mittelitaliens zählt. Der Fontana Maggiore, jenes meisterhafte Brunnenensemble aus dem 13. Jahrhundert, taucht in einem warmen Goldton, während Studenten und Einheimische auf den Stufen des Doms sitzen und die Stunden vergehen lassen. Das Centro Storico ist kein Museum unter freiem Himmel, sondern ein lebendiger Organismus, der seit über zweitausend Jahren bewohnt wird.
Die Via Baglioni führt buchstäblich unter der Stadt hindurch: Entlang der Rocca Paolina, der päpstlichen Festung aus dem 16. Jahrhundert, spaziert man durch Schichten von Geschichte. Etruskische Mauern, mittelalterliche Gassen und Renaissancepaläste überlagern sich zu einem Stadtbild, das man in dieser Dichte selten findet. Der Palazzo dei Priori, eines der bedeutendsten gotischen Rathäuser Italiens, thront über dem Corso Vannucci, der Hauptachse des Viertels.
Das Centro Storico ist auch die Heimat der Università per Stranieri, was dem Viertel eine bemerkenswert internationale Atmosphäre verleiht. Neben Feinkostläden mit Trüffelprodukten und lokalem Sagrantino-Wein finden sich Buchhandlungen und Weinbars, in denen Professoren und Erasmus-Studierende zusammentreffen. Morgens riecht es nach frischem Cornetto, abends nach Gegrilltem aus den Trattorien rund um die Via dei Priori.
Die Nationalgalerie Umbriens im Palazzo dei Priori beherbergt Werke von Perugino und Pinturicchio. Wer sich für etruskisches Erbe interessiert, findet im Arco Etrusco, dem imposanten Stadttor aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., ein authentisches Zeugnis der Vorgeschichte der Stadt. Das Centro Storico ist damit für Kunstliebhaber, Geschichtsinteressierte und alle, die das echte Alltagsleben einer italienischen Universitätsstadt erleben möchten, eine außergewöhnliche Adresse.

Rocca Paolina
Versunkene Festung Papst Pauls III. von 1540, deren überbaute mittelalterliche Gassen heute frei zugänglich sind – mit Rolltreppen ins Zentrum.
Festung Papst Pauls III. von 1540 nach dem Salzkrieg