Eine Stadt, gebaut aus dem Berg, auf dem sie steht von den Etruskern bis zum gotischen Dom – Orvieto und sein Fels sind nicht zu trennen
Orvieto wächst förmlich aus seinem Felsen. Der gesamte Stadthügel besteht aus Tuff, jenem weichen Vulkangestein, das sich leicht aushöhlen und zu Quadern schneiden lässt – und genau aus diesem Stein ist auch die Stadt darüber gebaut. Schon die Etrusker erkannten die strategische Lage des Plateaus: Hier lag Velzna, eine ihrer bedeutendsten Städte, ein religiöses Zentrum, dessen Nekropole am Fuß der Felswand bis heute mit eingemeißelten Familiennamen vom Reichtum der Bewohner erzählt. Wer durch die Gassen geht, läuft buchstäblich über zweieinhalbtausend Jahre Geschichte.
Das Mittelalter gab Orvieto sein Gesicht. Im 13. Jahrhundert war die Stadt freie Kommune und zugleich beliebter Zufluchtsort der Päpste, die der unruhigen Sommerluft Roms entkommen wollten – mehrere von ihnen residierten hier. Aus dieser Epoche stammt das größte Versprechen der Stadt: der Bau des Doms, begonnen 1290, eine gotische Kathedrale, an der über Jahrhunderte gearbeitet wurde. Ihre dreigliedrige Fassade aus Marmor, Mosaik und Bronze gilt als eines der prächtigsten Werke italienischer Gotik; im Inneren malte Luca Signorelli in der Cappella di San Brizio ein Jüngstes Gericht, das später Michelangelo studierte.
Doch Orvieto hat eine zweite Stadt, die kaum jemand auf den ersten Blick sieht. Über Jahrhunderte gruben die Bewohner Keller, Zisternen, Brunnen, Taubenschläge und Ölmühlen in den Tuff unter ihren Häusern – mehr als tausend Höhlen durchziehen den Felsen wie ein Schwamm. Ein Teil davon ist als Orvieto Underground zugänglich. Oben reift derweil in den Vulkanböden der berühmte Orvieto Classico, der trockene Weißwein, der schon in der Renaissance geschätzt wurde. travelperfect rät, nicht nur die goldene Fassade abzuhaken, sondern unter die Stadt zu steigen, eine Trattoria mit Wildschwein und Trüffel zu suchen und den Felsen einmal zu Fuß zu umrunden – der Blick über die umbrische Ebene gehört zu den schönsten der Region.
