Durch eine unscheinbare Tür neben dem Dom betritt man einen der kunsthistorisch wertvollsten Orte Südtirols: den Domkreuzgang. Romanische Ursprünge und gotische Gewölbe treffen hier aufeinander, doch berühmt ist der Kreuzgang vor allem für seine Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Arkade für Arkade breiten sie biblische Szenen aus – ein zusammenhängender Bilderzyklus, der zu den bedeutendsten des Alpenraums zählt. Weil die Bilder einst auch jenen die Heilsgeschichte erzählten, die nicht lesen konnten, spricht man von der „Bilderbibel des Mittelalters“. Unter anderem war Leonhard von Brixen an den Fresken beteiligt, einer der wichtigsten Maler der Region im 15. Jahrhundert. Die Dichte und der Erhaltungszustand der Malereien machen den Kreuzgang zu einem Ort, an dem mittelalterliche Bildkultur unmittelbar erfahrbar wird – Szene für Szene, Bogen für Bogen. Der Zugang ist frei, was angesichts der kunsthistorischen Bedeutung bemerkenswert ist. Am ruhigsten ist es früh am Morgen, wenn man die Arkaden fast für sich hat und die Fresken in Ruhe betrachten kann; tagsüber kommen mehr Besucher. Der Kreuzgang liegt direkt am Dom und lässt sich mühelos mit dessen Besuch und der angrenzenden Hofburg verbinden – zusammen bilden sie das geistliche Herz Brixens. Für Reisende mit Interesse an Geschichte und Kunst ist der Domkreuzgang einer der eindrucksvollsten und zugleich stillsten Orte der Stadt, der sich deutlich vom Trubel der Lauben abhebt.
Die Fresken ohne Blitz fotografieren, um die Malereien zu schonen.
