Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bozen
Der historische Kern misst kaum tausend Schritte in der Länge – alles Weitere liegt am Rand des Talkessels, zwölf Minuten mit der Seilbahn oder eine gute halbe Stunde zu Fuß an der Talfer entlang.
Der Waltherplatz gehört tagsüber den Caféterrassen, und in seiner Mitte steht seit 1889 das Denkmal für Walther von der Vogelweide aus weißem Laaser Marmor, das in der Zeit des Faschismus vom Platz geräumt wurde und erst Jahrzehnte später zurückkam. An der Südseite ragt der Dom Maria Himmelfahrt auf, ein gotischer Bau mit grün-gelb gemustertem Ziegeldach und einem 65 Meter hohen Sandsteinturm, dessen durchbrochene Spitze aussieht, als sei sie aus Draht gebogen. Nimm dir eine Minute für das Weintor, das alte Seitenportal, an dem früher der Weinmarkt abgehalten wurde: Im Stein sitzen Reben, Trauben und Szenen aus der Weinarbeit, an denen die meisten wortlos vorbeilaufen.
Zwei Schritte weiter beginnen die Bozner Lauben, die Handelsstraße, mit der die Stadt im späten 12. Jahrhundert überhaupt erst angelegt wurde. Gut dreihundert Meter überdachte Arkaden ziehen sich vom Musterplatz zum Obstmarkt, links und rechts stehen schmale, extrem tiefe Kaufmannshäuser – die Parzellen wurden nach Frontbreite vergeben, also baute man nach hinten. Wer einen der unscheinbaren Durchgänge nimmt, steht plötzlich in einem Innenhof mit Treppenturm und hölzernen Galerien, in dem vom Betrieb draußen nichts mehr ankommt. Am Ende der Arkaden öffnet sich der Obstmarkt: sechs Tage die Woche Stände mit Gemüse, Käse, Speck und Blumen, dazu der Neptunbrunnen aus dem 18. Jahrhundert, den in Bozen alle nur den Gabelwirt nennen.
Zwei Burgen gehören dazu, und beide liegen am Rand des Talkessels. Schloss Runkelstein wurde 1237 über der Talferschlucht errichtet und trägt den größten erhaltenen weltlichen Freskenzyklus des Mittelalters: Um 1400 ließen die Kaufmannsbrüder Vintler Turniere, Jagdszenen, Tänze und den Tristan-Roman an die Wände malen – keine Heiligenlegenden, sondern höfisches Leben, in Auftrag gegeben von Leuten, die selbst nicht adelig waren. Kaiser Franz Joseph schenkte die Anlage 1893 der Stadt. Du erreichst sie in gut einer halben Stunde zu Fuß an der Talfer entlang. Schloss Sigmundskron im Westen über dem Etschtal beherbergt seit 2006 das MMM Firmian, Reinhold Messners Museum über die Beziehung zwischen Mensch und Berg, und der Rundgang führt dabei über Wehrgänge und Treppen einer Anlage, die Herzog Sigmund der Münzreiche ab 1473 ausbauen ließ.
Bozens jüngere Schicht liegt westlich der Talfer und ist unbequem. Am Siegesplatz steht das Siegesdenkmal, 1926 bis 1928 nach Plänen von Marcello Piacentini als faschistischer Triumphbogen errichtet und über Jahrzehnte Streitobjekt zwischen den Sprachgruppen; seit 2014 ordnet eine Dokumentationsausstellung im Untergeschoss ein, wie und warum es entstand. Ein paar Hundert Meter weiter zieht sich am ehemaligen Parteihaus am Gerichtsplatz ein monumentales Relief von Hans Piffrader über die ganze Fassade – seit 2017 läuft ein Satz von Hannah Arendt in LED-Buchstaben quer darüber. Als Gegenprogramm steht direkt an der Talfer das Museion, ein gläserner Kubus für Gegenwartskunst, den zwei Fußgängerbrücken mit beiden Hälften der Stadt verbinden.














