
◆ STADT · KANAREN
San Sebastián de La Gomera ist mehr als nur der Ort, an dem die Fähre aus Los Cristianos festmacht und die Insel beginnt. Die Inselhauptstadt liegt in einer geschützten Talmündung an der Ostküste, dort wo der Barranco de la Villa das schwarze Kies seines Bachbetts ins Meer schiebt. Über den ockerfarbenen Häusern wacht der gedrungene Torre del Conde, das älteste erhaltene Bauwerk der Kanaren, und in den engen Gassen der Calle Real hängt noch immer der Geruch von geröstetem Mais und Almogrote. Wer hier nur umsteigt, übersieht eine kleine Stadt mit großer Vergangenheit: Von diesem Hafen aus stach 1492 ein gewisser Genuese Richtung Westen in See.

Im Sommer 1492 ankerten drei kleine Karavellen in der Bucht von San Sebastián. Christoph Kolumbus, damals noch ein unbekannter Träumer mit einem royalen Auftrag, ließ hier Proviant, Wasser und Vorräte an Bord bringen, bevor er die Segel in den offenen Atlantik setzte. Am Pozo de la Aguada, dem Brunnen im Innenhof des alten Zollhauses, sollen seine Männer die Fässer gefüllt haben – mit dem Wasser, das die Worte trägt: Con esta agua se bautizó América, mit diesem Wasser wurde Amerika getauft. Ob es stimmt oder Legende ist, in San Sebastián glaubt man fest daran, und die Casa de Colón mit ihren präkolumbianischen Sammlungen hält die Erinnerung wach.
Die Geschichte der Stadt ist älter und blutiger als der Kolumbus-Mythos. Der Torre del Conde, ein quadratischer Wehrturm von 1447, ließ Graf Hernán Peraza der Ältere errichten, um die Herrschaft der Eroberer gegen die Ureinwohner zu sichern. In seinen Mauern soll Beatriz de Bobadilla während des Aufstands der Gomeros Zuflucht gesucht haben – jene rätselhafte Adlige, die der Legende nach auch Kolumbus empfing. Heute steht der Turm friedlich in einem Park am Hafen, ein gedrungener Zeuge aus rotem Stein, der mehr von Macht als von Schönheit erzählt.
Doch San Sebastián ist nicht nur Museum. Es ist die Schwelle zu einer Insel, die keine Massentourismus-Betonküste kennt, sondern Lorbeerwälder, schwindelerregende Schluchten und ein Pfeifsprache-Erbe, das die Unesco schützt. Die Stadt selbst lebt in ihrem eigenen, unaufgeregten Rhythmus: morgens der Trubel am Fährhafen, mittags Siesta-Stille in der Calle Real, abends das gedämpfte Stimmengewirr auf der Plaza de las Américas unter den Lorbeerbäumen. Wer La Gomera verstehen will, beginnt hier – und kehrt am Ende fast immer noch einmal zurück.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Auf den Spuren von 1492
Vom Fähranleger führt der historische Rundgang in wenigen Minuten ins Herz der Stadt. Erste Station ist der Torre del Conde, dann geht es zur Casa de Colón, wo eine kleine Sammlung präkolumbianischer Kunst an die Atlantiküberquerung erinnert. Im Innenhof des alten Zollhauses wartet der Pozo de la Aguada, der berühmte Brunnen. Letzter Halt: die Iglesia de la Asunción, in der Kolumbus der Überlieferung nach vor dem Auslaufen betete.
Markt, Gassen & Geschmack
Die Calle Real, von den Einheimischen Calle del Medio genannt, ist die Lebensader der Altstadt: kleine Läden, Bars und Restaurants reihen sich aneinander. Probieren Sie Almogrote, die kräftige Paste aus gereiftem Ziegenkäse, und ein Glas Miel de Palma, den dunklen Palmensirup, der als Königin der gomerischen Küche gilt. Am Ende lockt die schattige Plaza de las Américas zum Verweilen unter Lorbeerbäumen.
Baden zwischen den Felsen
Direkt neben dem Hafen liegt die Playa de San Sebastián, der dunkle Stadtstrand. Nordöstlich davon erreicht man durch einen kurzen Tunnel die Playa de la Cueva, rund 250 Meter feiner schwarzer Sand, von Wellenbrechern vor der Atlantikdünung geschützt. Ein ruhiger Ort zum Schwimmen mit Blick zurück auf die Stadt und, bei klarer Sicht, hinüber zum Teide auf Teneriffa.
03 · Wann
San Sebastián liegt im trockenen, sonnigen Süden La Gomeras und ist das ganze Jahr über mild. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei rund 20 Grad, große Schwankungen gibt es nicht. Der Unterschied zwischen den Jahreszeiten liegt eher in der Meerestemperatur, im Licht und in den Festen als im Thermometer.
04 · Häufige Fragen
Per Fähre ab Los Cristianos im Süden Teneriffas. Fred Olsen (mit Benchijigua und Bonanza Express) sowie Naviera Armas (mit der Volcán de Taburiente) bedienen die Strecke bis zu sechsmal täglich, die Überfahrt dauert rund 50 Minuten. Vom Flughafen Teneriffa-Süd erreicht man Los Cristianos in etwa 20 bis 30 Minuten per Taxi oder günstig mit der Buslinie 40. La Gomera hat zwar einen kleinen Flughafen, doch die meisten Reisenden kommen über die Fähre.
Ja. Viele Besucher fahren nur durch, doch die Altstadt rund um die Calle Real, der Torre del Conde, die Casa de Colón und die geschützte Playa de la Cueva geben einen entspannten Stadtaufenthalt her. Zudem ist San Sebastián der ideale Ausgangspunkt, um die übrige Insel zu erkunden, etwa den Nationalpark Garajonay oder die spektakulären Schluchten.
Der Torre del Conde von 1447, das älteste erhaltene Bauwerk der Kanarischen Inseln, steht ganz oben. Dazu kommen die Casa de Colón (Kolumbus-Haus) mit präkolumbianischer Kunst, der Brunnen Pozo de la Aguada, die Iglesia de la Asunción und die kleine Ermita de San Sebastián. Alles liegt fußläufig im kompakten historischen Zentrum.
Almogrote, eine würzige Paste aus gereiftem gomerischen Ziegenkäse mit Knoblauch, Öl und Paprika, ist das Wahrzeichen der Inselküche. Dazu gehört die Miel de Palma, der dunkle Palmensirup aus dem Saft der Kanarischen Dattelpalme, der über Desserts und Käse gereicht wird. Beides bekommt man in den Restaurants und Läden der Calle Real.
Der Silbo Gomero ist eine Pfeifsprache, mit der die Bewohner früher über die tiefen Schluchten der Insel hinweg kommunizierten. Sie ist von der Unesco als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt und wird heute an allen Schulen La Gomeras unterrichtet. In San Sebastián und auf Inselausflügen lassen sich gelegentlich Vorführungen erleben.
Die Bajada de la Virgen de Guadalupe ist das größte Fest der Insel und findet nur alle fünf Jahre statt, in Jahren mit der Endziffer 3 oder 8. Im Oktober wird die Inselpatronin auf dem Seeweg von ihrem Heiligtum in Puntallana nach San Sebastián gebracht, begleitet von zahlreichen geschmückten Booten. Die nächste lustrale Bajada ist für Oktober 2028 zu erwarten.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in San Sebastián de La Gomera.
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