Nur eine halbe Stunde nördlich von Venedig liegt eine Stadt, die fast alles bietet, wofür man die Lagunenmetropole liebt – nur ohne deren Menschenmassen. Treviso wird vom Fluss Sile und den Kanälen des Cagnan durchzogen, deren Wasser durch die Altstadt fließt, sich an Mühlrädern bricht und ganze Häuserzeilen direkt am Ufer trägt. An der Pescheria, der kleinen Fischmarktinsel, spiegelt sich diese venezianische Verwandtschaft am deutlichsten: Hier wird seit Jahrhunderten Fisch auf einer von Wasser umflossenen Insel verkauft.
Das Zentrum spannt sich um die Piazza dei Signori mit dem mittelalterlichen Palazzo dei Trecento, dessen Backsteinfassade und offene Loggia das politische Herz der einstigen Stadtrepublik bildeten. Unter den Arkaden der umliegenden Gassen reiht sich Café an Bar, und über vielen Hausfassaden haben sich verblasste Fresken erhalten – Treviso galt einst als „urbs picta", die gemalte Stadt. Die noch weitgehend erhaltene Renaissance-Stadtmauer mit ihren Toren umschließt das historische Zentrum und lässt sich auf einem ruhigen Spaziergang am Wasser entlang erkunden.
Kulinarisch ist Treviso ein Schwergewicht. Hier wurde das Tiramisù erfunden, und der violett-weiße Radicchio Tardivo aus der Umgebung ist eine geschützte Spezialität, die im Winter Feinschmecker anzieht. Dazu kommt der Prosecco: Die berühmten Hügel von Conegliano und Valdobbiadene, heute UNESCO-Welterbe, beginnen wenige Kilometer nördlich der Stadt.
Wer Treviso besucht, kommt für ein langsameres, echteres Venetien – für einen Aperitivo am Kanal, für Märkte, auf denen noch Einheimische einkaufen, und für die Gewissheit, dass das große Venedig jederzeit nur eine kurze Zugfahrt entfernt ist.

Piazza dei Signori
Der zentrale Platz Trevisos seit dem Mittelalter, beherrscht vom backsteinernen Palazzo dei Trecento – Treffpunkt für Cafés, Arkaden und Aperitivo.
Palazzo dei Trecento aus dem 13. Jahrhundert





