Die Backsteinkirche San Nicolò, begonnen im 13. Jahrhundert für den Dominikanerorden, überragt mit ihrem hohen Chor das südwestliche Altstadtviertel von Treviso. Ihr mächtiger gotischer Bau gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten der Stadt und beeindruckt schon von außen durch seine schlichte, monumentale Backsteinarchitektur. Im Inneren tragen runde Pfeiler Heiligenfresken von Tomaso da Modena, einem der wichtigsten Maler des 14. Jahrhunderts in Norditalien. Seine ausdrucksstarken Figuren machen die Kirche zu einem Hauptort mittelalterlicher Malerei in Treviso. Der eigentliche Schatz aber befindet sich nebenan: Im Kapitelsaal des angrenzenden Seminars malte Tomaso da Modena 1352 vierzig gelehrte Dominikaner bei ihrer Arbeit. Unter diesen Gelehrtenporträts findet sich eine kunsthistorische Besonderheit: Kardinal Hugo von Saint-Cher ist mit einer Brille dargestellt – ein Detail, das als früheste Darstellung einer Brille in der europäischen Kunst gilt. Schon dieses eine Bild macht den Besuch des Kapitelsaals lohnenswert und verbindet die religiöse Kunst mit einem überraschenden Stück Wissens- und Alltagsgeschichte. Die Chiesa di San Nicolò ist frei zugänglich und liegt abseits der großen Besucherströme, was den Besuch besonders ruhig und konzentriert macht. Für Freunde mittelalterlicher Malerei und gotischer Architektur ist sie ein Pflichtbesuch in Treviso. Wer die Fresken und den Kapitelsaal in Ruhe ansehen möchte, sollte etwas Zeit einplanen und auf angemessene Kleidung achten, wie es in Kirchen üblich ist. Die genauen Öffnungszeiten des Kapitelsaals erfragt man am besten vor Ort.
Die hohe Backsteinfassade kommt von außen besonders zur Geltung.






























