
◆ STADT · SIZILIEN
Ragusa ist die Stadt mit zwei Gesichtern: Nach dem großen Erdbeben von 1693 baute der Adel das alte Ibla auf seinem mittelalterlichen Grundriss wieder auf, während das Bürgertum oben auf dem Plateau ein neues, schachbrettartiges Ragusa errichtete. Dazwischen liegen Schluchten und rund 340 Stufen, die an der Kirche Santa Maria delle Scale den berühmtesten Blick des sizilianischen Südostens freigeben: das Dächermeer von Ragusa Ibla, überragt von der Kuppel des Duomo di San Giorgio. Heute gehört die Doppelstadt zum UNESCO-Welterbe des Val di Noto, kocht mit zwei der besten Adressen der Insel und diente jahrzehntelang als Kulisse des Commissario Montalbano – und unten am Meer wartet Marina di Ragusa mit Sandstrand und langer Sommerpromenade.

Am 11. Januar 1693 zerstörte eines der schwersten Erdbeben der italienischen Geschichte den Südosten Siziliens – und Ragusa gab darauf gleich zwei Antworten. Der alte Adel baute seine Stadt auf dem mittelalterlichen Felssporn wieder auf: eng, verwinkelt, um die neue Prachtkirche San Giorgio gruppiert – das heutige Ragusa Ibla. Das aufstrebende Bürgertum zog hingegen auf das Plateau nebenan und entwarf dort ein rationales Schachbrett breiter Straßen um die eigene Hauptkirche San Giovanni Battista: Ragusa Superiore. Zwei Städte, zwei Stolze, jahrhundertelang sogar zwei getrennte Gemeinden, die erst 1926 wieder vereint wurden – verbunden und getrennt durch Treppenwege mit rund 340 Stufen.
Ringsum erstrecken sich die Monti Iblei, eine Hochebene aus Kalkstein, gegliedert von endlosen Trockenmauern, Johannisbrotbäumen und alten Masserien. Aus dieser Landschaft kommt, was in Ragusa auf den Tisch kommt: der Ragusano DOP, ein Caciocavallo-Käse von Kühen der Iblei, die Scaccia ragusana – hauchdünn gefaltetes Teigbrot mit Tomate und Käse – und das Olivenöl der Hügel. Dass ausgerechnet die stille Provinzhauptstadt zu einem gastronomischen Ziel wurde, liegt an zwei Adressen in Ibla: Ciccio Sultanos Ristorante Duomo und das Restaurant der Locanda Don Serafino haben Ragusa auf die Landkarte der Feinschmecker gesetzt, das nahe Modica liefert dazu seine berühmte kalt gerührte Schokolade.
Weltbekannt wurden die honigfarbenen Gassen schließlich durch das Fernsehen: Ragusa Ibla spielt seit Ende der 1990er-Jahre die Hauptkulisse der Montalbano-Verfilmungen, vom Barockplatz vor San Giorgio bis zur Trattoria des Commissario. Wer der Serie folgt, fährt weiter nach Scicli und Punta Secca ans Meer oder zum Castello di Donnafugata im Umland. Und wer einfach nur reist, nutzt Ragusa als ideale Basis für das Val di Noto: Modica liegt eine Viertelstunde entfernt, Noto und Syrakus sind Tagesausflüge – und abends gehören die Treppen von Ibla wieder den Schwalben und dem warmen Licht.
01 · Auf einen Blick
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Barock & Welterbe
Der klassische Weg durch Ragusa Ibla: von der Freitreppe des Duomo di San Giorgio über die Piazza Duomo mit ihren Palazzi und dem Circolo di Conversazione bis zum Giardino Ibleo am östlichen Sporn. Unterwegs lohnen das gotische Portale di San Giorgio – Rest der 1693 zerstörten Vorgängerkirche – und die grotesken Balkonfiguren der Barockpaläste.
Zwischen den Städten
Ober- und Unterstadt verbindet einer der schönsten Spazierwege Siziliens: Von der Kathedrale in Ragusa Superiore geht es zur Terrasse an Santa Maria delle Scale – mit dem Postkartenblick auf das Dächermeer von Ibla – und dann rund 340 Stufen hinab, vorbei an Kirchen, Bögen und immer neuen Ausblicken. Am schönsten am späten Nachmittag, wenn der Kalkstein golden glüht.
Commissario Montalbano
Ragusa Ibla spielt seit Jahrzehnten die Kulisse der Montalbano-Serie: die Piazza Duomo, die Trattoria des Commissario, dazu Scicli mit dem Kommissariat und Punta Secca mit Montalbanos Haus direkt am Strand. Geführte Drehorte-Touren verbinden die Schauplätze – und nebenbei das schönste Barock-Hinterland der Insel.
Vom Berg ans Meer
Knapp 30 Minuten trennen die Barockstadt vom Mittelmeer: In Marina di Ragusa warten ein breiter Sandstrand, der Lungomare Andrea Doria und ein Yachthafen, von dem im Sommer Bootstörns starten. Östlich mündet der Irminio in einem stillen Naturreservat ins Meer, westlich liegt Punta Secca mit seinem Leuchtturm.
03 · Wann
Ragusa liegt auf rund 500 Metern in den Monti Iblei – das macht die Stadt spürbar milder als die sizilianische Küste. Frühling und Herbst sind ideal für Barock-Spaziergänge und Ausflüge ins Val di Noto; im Hochsommer verlagert sich das Leben an den Strand von Marina di Ragusa, während die Abende auf dem Hügel angenehm bleiben.
04 · Häufige Fragen
Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) sind ideal: mild genug für die Treppenwege zwischen Ober- und Unterstadt, mit klarem Licht auf dem honigfarbenen Kalkstein. Der Hochsommer wird tagsüber heiß, bleibt aber dank der Höhenlage von rund 500 Metern abends angenehm – viele kombinieren dann Strandtage in Marina di Ragusa mit Abenden in Ibla.
Für Atmosphäre: Ibla. Die Boutique-Hotels in den Barockpalazzi liegen mitten im Welterbe, morgens und abends gehören dir die Gassen fast allein. Ragusa Superiore ist alltagsnäher und praktischer – hier liegen Bahnhof, Busse und Geschäfte, und die Preise sind meist günstiger. Wer mit dem Auto reist, sollte beachten, dass Ibla weitgehend verkehrsberuhigt ist und am Rand geparkt wird.
Der nächste Flughafen ist Comiso (CIY), nur etwa 15 Kilometer entfernt, mit saisonalen Verbindungen. Die größere Auswahl bietet Catania-Fontanarossa (CTA), rund 100 Kilometer nördlich; von dort fahren Direktbusse in etwa zwei Stunden nach Ragusa. Die Bahnverbindungen im Südosten sind langsam – für Ausflüge nach Modica, Scicli oder an die Küste ist ein Mietwagen die beste Wahl.
Für die Doppelstadt selbst reichen ein bis zwei Tage: ein Tag für Ibla mit Duomo, Piazza Duomo und Giardino Ibleo, ein halber für die Oberstadt und die Aussichtsterrassen. Richtig lohnend wird Ragusa als Basis für das Val di Noto: Modica liegt 15 Minuten entfernt, Scicli, Noto, das Castello di Donnafugata und die Strände sind Tagesausflüge – dann werden aus zwei Tagen schnell vier oder fünf.
Viele Schlüsselszenen entstanden in Ragusa Ibla – unter anderem rund um die Piazza Duomo, und die Trattoria La Rusticana diente als Montalbanos Stammlokal „San Calogero“. Das Kommissariat von Vigàta steht in Wirklichkeit in Scicli, Montalbanos Haus am Strand in Punta Secca bei Marina di Ragusa; es ist heute ein kleines B&B. Geführte Drehorte-Touren verbinden die Schauplätze an einem Tag.
Die Scaccia ragusana – hauchdünn gefaltetes Teigbrot, klassisch mit Tomate und Caciocavallo – ist das Wahrzeichen der Stadt, dazu kommen der würzige Ragusano DOP von den Hochweiden der Iblei, Ravioli mit Ricotta und gutes Olivenöl. Für besondere Abende haben Ciccio Sultanos Ristorante Duomo und das Restaurant der Locanda Don Serafino Ragusa zur Feinschmecker-Adresse gemacht – und Schokolade holt man im nahen Modica.
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