
◆ STADT · VENETIEN
Padua wird oft im Schatten Venedigs übersehen – ein Glück für alle, die kommen. Hier malte Giotto um 1305 die Scrovegni-Kapelle aus und veränderte damit die europäische Malerei; hier lehrte Galileo Galilei 18 Jahre lang an einer der ältesten Universitäten der Welt; hier liegt der heilige Antonius begraben, zu dem jährlich Pilger aus aller Welt reisen. Dazwischen liegt eine quicklebendige Studentenstadt: Märkte unter dem Palazzo della Ragione, Spritz auf der Piazza delle Erbe – der Aperol wurde 1919 in Padua erfunden –, Arkadengänge, der älteste botanische Garten der Welt und mit dem Prato della Valle einer der größten Stadtplätze Europas. Venedig ist nur eine halbe Bahnstunde entfernt, doch Padua verdient eigene Tage.

Paduas Weltgeltung beginnt mit einem Auftrag: Um 1305 ließ der Bankier Enrico Scrovegni eine Kapelle neben den Resten der römischen Arena ausmalen – von Giotto. Was der Florentiner dort schuf, gilt als Wendepunkt der europäischen Kunst: Menschen mit Gewicht, Gefühl und Raum statt goldener Flächen. Die Scrovegni-Kapelle ist heute das Herz von ‚Padova Urbs picta', acht Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts, die seit 2021 gemeinsam UNESCO-Welterbe sind – vom Baptisterium des Doms bis zu den Sälen des Palazzo della Ragione.
Die zweite Säule der Stadt ist die Universität, gegründet 1222 und damit eine der ältesten der Welt. In ihrem Stammsitz, dem Palazzo Bo, steht das hölzerne Anatomische Theater von 1595, das älteste erhaltene seiner Art; Galileo Galilei lehrte hier von 1592 bis 1610, und 1678 promovierte mit Elena Lucrezia Cornaro Piscopia in Padua die erste Frau der Welt. Zur Universität gehört auch der Orto Botanico von 1545, der älteste botanische Garten der Welt an seinem ursprünglichen Ort – ergänzt um moderne Gewächshäuser, die ihn zur lebenden Klimakunde machen.
Und dann ist da das Padua der Pilger und der Studenten, das auf denselben Plätzen stattfindet. Zur Basilica di Sant'Antonio mit Donatellos Bronzealtar und dem Reiterstandbild des Gattamelata strömen Gläubige aus aller Welt, besonders um den 13. Juni. Wenige Schritte weiter öffnet sich der Prato della Valle, eine grüne Ellipse mit Wassergraben und 78 Statuen. Abends gehört die Stadt dann dem Aperitivo: Auf der Piazza delle Erbe und in den Gassen des alten Ghettos wird der Spritz getrunken, der hier zu Hause ist – Padua ist die Geburtsstadt des Aperol.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Urbs picta
Der Welterbe-Parcours der Freskenstadt: zuerst die Scrovegni-Kapelle, deren Besuch in klimatisierten Zeitfenstern getaktet ist, dann das Baptisterium des Doms mit Giusto de' Menabuois Kuppelhimmel und der gewaltige Salone des Palazzo della Ragione mit seinem astrologischen Bilderzyklus. Wer mehr will, hängt die Eremitani-Kirche mit den Resten von Mantegnas Ovetari-Kapelle an.
Pilgerstadt
Vom Reiterstandbild des Gattamelata – Donatellos Bronze von 1453 – über die Kuppeln der Basilica di Sant'Antonio mit Hochaltar und Grabkapelle des Heiligen bis zum Prato della Valle, auf dem sich Pilger, Familien und Jogger den weiten Platz teilen. Den Abschluss macht der Orto Botanico gleich nebenan, seit 1545 Lehrgarten der Universität.
Universitätsstadt
Im Palazzo Bo führt der Rundgang zum hölzernen Anatomischen Theater von 1595 und zum Katheder, von dem aus Galilei lehrte. Danach Kaffee im Caffè Pedrocchi, dem neoklassizistischen ‚Café ohne Türen' von 1831, in dem Studenten im grünen Saal traditionell ohne Konsumzwang sitzen dürfen. Abends mischt man sich unter die Studenten auf der Piazza dei Signori.
Aperitivo & Märkte
Padua ist die Geburtsstadt des Aperol (1919) und eine der großen Spritz-Städte Italiens. Der Tag beginnt auf den Märkten von Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta unter dem Palazzo della Ragione, in dessen Erdgeschoss seit Jahrhunderten Salumerie und Käsehändler sitzen. Abends zieht die Stadt in die engen Gassen des alten Ghettos – Weinbars, Cicchetti und gekochte Folpetti.
03 · Wann
Padua liegt mitten in der venetischen Tiefebene und hat ein klassisches Po-Ebenen-Klima: warme bis schwüle Sommer, neblige, feuchtkalte Winter und zwei wunderbare Übergangszeiten. Da die Hauptattraktionen Innenräume und kompakte Altstadtwege sind, ist die Stadt fast ganzjährig gut bereisbar – am schönsten aber, wenn das Leben auf den Plätzen stattfindet.
04 · Häufige Fragen
Ja, unbedingt. Der Besuch ist streng getaktet: Besucher durchlaufen erst eine Klimaschleuse, dann ist die Zeit in der Kapelle auf ein kurzes Zeitfenster begrenzt, und die Gruppen sind klein. In der Hauptsaison sind Termine oft Tage bis Wochen im Voraus vergriffen – am besten direkt nach der Reiseplanung online über die offiziellen Kanäle der Stadt buchen.
Für die großen Highlights – Scrovegni-Kapelle, Basilica del Santo, Palazzo della Ragione, Palazzo Bo und Prato della Valle – reichen ein bis zwei volle Tage. Wer den Orto Botanico, das Ghetto, die Märkte und einen Ausflug in die Euganeischen Hügel oder eine Brenta-Schifffahrt mitnehmen will, bleibt besser zwei bis drei Nächte. Als reiner Tagesausflug von Venedig ist Padua machbar, aber eng.
Ja – Regionalzüge brauchen ab Venezia Santa Lucia nur etwa 25–30 Minuten, Hochgeschwindigkeitszüge noch weniger, und der Bahnhof liegt 15 Gehminuten von der Scrovegni-Kapelle entfernt. Umgekehrt ist Padua auch eine clevere, deutlich günstigere Basis für Venedig-Besuche. Wichtig: Das Scrovegni-Zeitfenster zuerst buchen und den Tag darum herum planen.
Einen Spritz – Padua ist die Geburtsstadt des Aperol (1919), und der Aperitivo auf der Piazza delle Erbe ist ein Ritual. Dazu venetische Klassiker: Bigoli-Nudeln mit Entenragù, Baccalà alla vicentina, gekochte Folpetti (kleine Octopusse) an den Marktständen und Cicchetti in den Weinbars des Ghettos. Süßer Abschluss: ein Stück Torta Pazientina oder Gelato auf dem Prato della Valle.
Der Flughafen Venedig Marco Polo (VCE) liegt rund 50 km entfernt. Am bequemsten sind die direkten Airport-Busse nach Padua (ca. 1 Std.); alternativ fährt man mit dem Bus zum Bahnhof Venezia Mestre und von dort in 15–20 Minuten mit dem Zug weiter. Ein Taxi ist deutlich teurer und lohnt sich meist nur für Gruppen.
So heißt das UNESCO-Welterbe, das Padua 2021 zugesprochen wurde: acht Gebäudekomplexe mit Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts, darunter Giottos Scrovegni-Kapelle, das Baptisterium des Doms, der Palazzo della Ragione und die Eremitani-Kirche. Zusammen dokumentieren sie, wie sich die moderne europäische Malerei in Padua entwickelte – viele Stationen liegen nur wenige Gehminuten auseinander.
05 · In der Nähe
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