Wer Padua wirklich verstehen will, muss ins Ghetto. Das jüdische Viertel, das sich rund um die Via delle Piazze und die Via San Martino e Solferino erstreckt, gehört zu den ältesten seiner Art in Norditalien. Schon im 16. Jahrhundert wurde hier die jüdische Gemeinde Paduas angesiedelt – und obwohl die Mauern längst gefallen sind, lebt der Geist dieser Geschichte in jedem Winkel des Viertels weiter.
Die Gassen des Ghettos sind enger als anderswo in der Stadt, die Häuser höher, die Fassaden verwittert und voller Charakter. Wer hier am frühen Morgen entlangläuft, bevor die Touristen vom Prato della Valle herüberschlendern, erlebt ein Padua, das sich kaum verändert zu haben scheint: Wäsche hängt zwischen den Fensterläden, aus einer Bäckerei driftet der Duft von frischem Gebäck auf die Straße, und das Licht fällt schräg durch die schmalen Häuserschluchten.
Das Herzstück des Viertels ist die Synagoge in der Via delle Piazze, die zu den bedeutendsten jüdischen Sakralbauten der Region zählt. Wer das Innere besucht, taucht in eine Welt aus vergoldetem Holzschnitzwerk, alten Gebetsbüchern und einer stillen Würde ein, die sich kaum in Worte fassen lässt. Das angeschlossene Museo Ebraico di Padova erzählt die Geschichte der jüdischen Gemeinde mit persönlichen Gegenständen, Dokumenten und Kunstwerken – kompakt, aber eindringlich.
Jenseits der Geschichte ist das Ghetto heute ein lebendiges Stadtviertel mit kleinen Trattorien, Antiquitätenläden und unabhängigen Boutiquen. Die Piazza delle Erbe, einer der belebtesten Marktplätze Paduas, liegt nur wenige Schritte entfernt und bildet den natürlichen Übergang zwischen dem ruhigeren Ghetto und dem geschäftigen Zentrum. Abends füllen sich die kleinen Bars und Weinlokale im Viertel mit Studenten der nahe gelegenen Universität – einer der ältesten Europas – und Einheimischen, die hier ihren Aperitivo genießen.
Für Reisende, die mehr suchen als Sehenswürdigkeiten von der Postkarte, ist das Ghetto der vielleicht aufschlussreichste Teil Paduas: ein Ort, an dem Geschichte nicht hinter Glasscheiben konserviert wird, sondern im Alltag spürbar bleibt.

Hotel Majestic Toscanelli
Familiengeführtes Vier-Sterne-Boutique-Hotel an einer kleinen Piazza im alten Ghetto, klassisch eingerichtet und nah an Piazza delle Erbe und Duomo.