Wo im 2. Jahrhundert Gladiatoren kämpften, sitzt man heute beim Aperitivo. Die Piazza dell'Anfiteatro ist einer der ungewöhnlichsten Plätze Italiens, weil ihre Form kein Zufall ist: Die Häuser folgen exakt dem Oval des römischen Amphitheaters, dessen antike Mauern in einigen Erdgeschossen noch stecken. Über die Jahrhunderte wuchs die Bebauung in die Ruine hinein, bis das Rund nur noch als Geisterbild im Stadtgrundriss erkennbar war. Ihre heutige Form erhielt die Ellipse im 19. Jahrhundert. Der Architekt Lorenzo Nottolini ließ die Bebauung im Inneren des Ovals abräumen und legte den Platz frei, sodass die einstige Arena wieder als zusammenhängender Raum erlebbar wurde – nun nicht als Stätte des Kampfes, sondern als geschlossener Platz, gesäumt von den pastellfarbenen Fassaden der umliegenden Häuser. Durch vier niedrige Torbögen, die an die alten Zugänge der Arena erinnern, betritt man die Ellipse. Der Besuch lohnt zu jeder Tageszeit, am schönsten aber früh am Morgen, wenn die Cafés gerade die Stühle herausstellen und das Oval noch leer ist – dann wirkt die Geometrie des Platzes am klarsten. Tagsüber füllt sich der Raum mit Gästen, abends mit Aperitivo-Trinkern und dem Stimmengewirr der Lokale. Der Eintritt ist frei, denn die Piazza ist öffentlicher Stadtraum. Für viele ist sie der erste Ort, der die besondere Schichtung Luccas aus Antike, Mittelalter und 19. Jahrhundert begreifbar macht.
Früh am Morgen fotografieren, wenn der Platz leer ist






























