Schon die Fassade des Doms San Martino erzählt eine Geschichte: Sie ist auffällig asymmetrisch, weil sich der rechte Bogen dem älteren, bereits bestehenden Glockenturm anpassen musste. Was wie ein Baufehler wirkt, ist tatsächlich ein Zeugnis pragmatischer mittelalterlicher Bauplanung. Die Fassade selbst zeigt feinste romanische Säulenarkaden – und kein Säulchen gleicht dem anderen, ein Detail, das den Reichtum lucchesischer Bauplastik vor Augen führt. Im Inneren verwahrt der Dom zwei Schätze von europäischem Rang. Der erste ist der Volto Santo, ein hölzernes Kruzifix, das der Legende nach von Nikodemus geschnitzt wurde und im Mittelalter Pilger aus ganz Europa nach Lucca zog. Das verehrte Bildwerk steht in einem eigenen achteckigen Tempietto und gehört zu den bedeutendsten Reliquien der Stadt. Der zweite Schatz ist das Marmorgrabmal der Ilaria del Carretto, das Jacopo della Quercia zu Beginn des 15. Jahrhunderts schuf. Die liegende Figur der jungen Frau, mit einem Hündchen zu ihren Füßen als Symbol der Treue, gilt als eines der anrührendsten Bildwerke Italiens und allein einen Besuch wert. Der Dom liegt im südöstlichen Domviertel der Altstadt, gleich neben der Chiesa di San Giovanni, in der allabendlich die Puccini-Konzerte stattfinden. Für den Zutritt zu Kirche, Sakristei und Museum ist ein Ticket erforderlich; oft gibt es Kombitickets für die verschiedenen Bereiche. Wer Lucca besucht, sollte sich Zeit für San Martino nehmen – die Verbindung aus romanischer Architektur, mittelalterlicher Frömmigkeit und Renaissance-Bildhauerei findet sich selten so dicht an einem Ort.
Eine romanische Kathedrale mit auffällig asymmetrischer Marmorfassade und feinen Säulenarkaden, von denen kein Säulchen dem anderen gleicht. Im Inneren begegnet man dem Volto Santo in seinem achteckigen Tempietto und dem Marmorgrabmal der Ilaria del Carretto. Sakristei und Museum verwahren weitere Kunstwerke. Für den Zutritt ist ein Ticket nötig, oft als Kombiangebot.
Der Dom San Martino geht auf das Mittelalter zurück; die romanische Fassade musste sich dem älteren Glockenturm anpassen, daher ihre Asymmetrie. Über die Jahrhunderte wurde der Bau erweitert und ausgestattet. Mit dem Volto Santo, der im Mittelalter europaweit Pilger anzog, und dem Grabmal der Ilaria del Carretto, das Jacopo della Quercia Anfang des 15. Jahrhunderts schuf, vereint der Dom mittelalterliche Frömmigkeit und Renaissance-Bildhauerei.
