Eine Stadt als Bild gewordene Idee vom Hof Federico da Montefeltros bis zu Raffaels Geburtshaus – Urbino und der Humanismus sind nicht zu trennen
Urbino verdankt sein Gesicht einem einzigen Mann: Federico da Montefeltro, Söldnerführer, Herzog und einer der gebildetsten Fürsten der Renaissance. Ab 1444 machte er sein Bergstädtchen in den Marken zu einem der hellsten Höfe Europas. Er baute den Palazzo Ducale, einen Palast, der keine Festung mehr sein wollte, sondern ein bewohnbares Kunstwerk – luftig, proportioniert, von zwei schlanken Türmen flankiert. Architekten wie Luciano Laurana und Francesco di Giorgio Martini formten ihn, und das Ergebnis gilt bis heute als Inbegriff der Renaissance-Architektur. In seiner Bibliothek lagen Handschriften, die mit denen des Vatikans wetteiferten.
An diesem Hof entstand die Idee der Idealstadt selbst. Baldassare Castiglione, der hier diente, machte Urbino in seinem 'Buch vom Hofmann' zum Muster höfischer Vollkommenheit für ganz Europa. Piero della Francesca malte seine rätselhafte 'Geißelung Christi' mit ihrer fast mathematischen Perspektive; in Federicos Studiolo täuschen hölzerne Intarsien Bücherregale, Instrumente und halb geöffnete Schranktüren vor – ein Trompe-l'œil, das die Lust dieser Epoche am Sehen und Denken in Holz festhält. Wer durch diese Räume geht, versteht, warum man Urbino die 'Stadt in Form eines Palasts' nennt.
Und dann ist da Raffael. 1483 wurde er hier als Sohn des Hofmalers Giovanni Santi geboren; sein Geburtshaus in der steilen Via Raffaello ist heute Museum. Auch Donato Bramante, der spätere Baumeister des neuen Petersdoms, stammte aus der Umgebung. Diese Dichte an Genie auf engstem Raum hat Urbino nie wieder erreicht – aber auch nie verloren: Die Università di Urbino, 1506 gegründet, füllt die Gassen mit Studierenden, und Carlo Bocchialinis und Giancarlo De Carlos Bauten zeigen, dass die Stadt das Denken über Architektur nie aufgegeben hat. travelperfect rät, Urbino nicht als Tagesstempel abzuhaken, sondern eine Nacht zu bleiben: Wenn die Busse fort sind, gehört der Backstein im Abendlicht den Studierenden – und einem selbst.
