Wer durch das steinerne Tor von Porta del Borgo tritt, betritt eine Welt, die sich dem modernen Tempo konsequent widersetzt. Das Viertel bildet den ältesten Zugang zum mittelalterlichen Bergdorf Santo Stefano di Sessanio, das auf rund 1250 Metern Höhe im Gran-Sasso-Massiv liegt. Die engen Gassen aus grauem Kalkstein, die sich zwischen jahrhundertealten Häusern hindurchwinden, erzählen von einer Siedlungsgeschichte, die bis in die Römerzeit zurückreicht.
Das Besondere an Porta del Borgo liegt nicht in einzelnen Monumenten, sondern in der Gesamtwirkung: Jeder Schritt über das unebene Kopfsteinpflaster, jede Biegung um eine Hausecke eröffnet neue Blickachsen auf die umliegenden Abruzzen-Gipfel oder auf restaurierte Torbögen, die Jahrhunderte überdauert haben. Die Bebauung ist dicht, die Gassen schmal – hier und da fällt ein Lichtstrahl schräg auf eine verwitterte Fassade, an der noch Reste alter Fresken zu erkennen sind. Morgens, wenn der Nebel aus dem Tal aufsteigt, wirkt das Viertel wie aus der Zeit gefallen.
Das Viertel wurde in den vergangenen Jahren behutsam revitalisiert. Das Albergo-Diffuso-Konzept, für das Santo Stefano di Sessanio international bekannt ist, findet hier seinen Ausgangspunkt: Alte Wohnhäuser wurden zu Unterkünften umgebaut, ohne ihr historisches Erscheinungsbild zu verändern. Wer in Porta del Borgo übernachtet, schläft buchstäblich in einem Stück Mittelalter – mit Gewölbedecken, Originalmauerwerk und dem leisen Rauschen des Windes durch die Berglandschaft.
Für Kulturreisende, Fotografen und alle, die das authentische Abruzzen jenseits der Touristenrouten suchen, ist dieses Viertel ein außergewöhnlicher Ausgangspunkt. Von hier aus lassen sich der Torre Medicea, die Kirche Santa Maria delle Grazie und die Überreste der Stadtmauer zu Fuß erkunden – alles innerhalb weniger Gehminuten erreichbar.

Porta Medicea Santo Stefano
Das historische Eingangstor des Borgo mit dem steinernen Medici-Wappen.