Wer Rom kennt und glaubt, Latium damit erschöpft zu haben, dem entgeht eine der faszinierendsten Städte Mittelitaliens. Viterbo liegt etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt, eingebettet in die hügelige Vulkanlandschaft der Cimini-Berge, und bewahrt eine mittelalterliche Stadtstruktur, die in dieser Geschlossenheit selten zu finden ist. Die schwarzen Basaltsteinmauern, die das historische Zentrum umgeben, sind kein museales Dekor — sie sind der Alltag der Viterbesi, die hier einkaufen, streiten und ihren Kaffee trinken.
Das Herzstück der Altstadt ist das Quartiere San Pellegrino, eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Viertel Italiens. Schmale Gassen winden sich zwischen Türmen und Außentreppen hindurch, sogenannten Profferli, die direkt von der Straße in die Obergeschosse führen. Am frühen Morgen, wenn das Licht schräg durch die engen Gassen fällt und die Händler ihre Stände aufbauen, spürt man, dass diese Stadt nicht für Touristen inszeniert ist. Sie lebt einfach.
Der Palazzo dei Papi, ein monumentaler Papstpalast aus dem 13. Jahrhundert mit einer offenen gotischen Loggia, dominiert die Piazza San Lorenzo und erzählt von der Zeit, als Viterbo zwischen 1257 und 1281 Residenz der Päpste war. Im Inneren befindet sich die Sala del Conclave, wo das längste Konklave der Kirchengeschichte stattfand — 33 Monate lang wurde hier gerungen, bis Gregor X. gewählt wurde. Die Kathedrale San Lorenzo direkt daneben vervollständigt dieses außergewöhnliche Ensemble.
Außerhalb der Mauern locken die Terme dei Papi, ein weitläufiges Thermalbad mit Schwefelbecken, das auf natürlichen heißen Quellen basiert, die bereits die Römer nutzten. Wer es rustikaler mag, findet in den freien Quellen von Bagnaccio eine ursprünglichere Alternative — Becken unter freiem Himmel, ohne Eintritt, dafür mit echtem Lokalnebel. Diese Thermaltradition ist kein Wellnesstrend, sondern Teil der viterbischen Identität.
Die Umgebung Viterbos bietet weitere Entdeckungen: Der Bosco Sacro di Bomarzo, auch Parco dei Mostri genannt, ist ein Renaissance-Skulpturenpark voller rätselhafter Steinmonster, der Kunsthistoriker seit Jahrhunderten beschäftigt. Der Lago di Bolsena, nur 20 Kilometer entfernt, ist der größte vulkanische See Europas und lädt im Sommer zum Schwimmen ein. Viterbo ist also kein Tagesziel, sondern ein Ausgangspunkt für eine ganze Region.

Santuario di Santa Rosa
Das Santuario di Santa Rosa in Viterbo bewahrt den Leichnam der Stadtheiligen und ist Mittelpunkt des UNESCO-Brauchs der Macchina di Santa Rosa.
Verwahrt den unversehrt erhaltenen Leichnam der Stadtheiligen Santa Rosa





