
◆ STADT · LATIUM
Viterbo ist die Stadt, in der das Mittelalter nicht ausgestellt, sondern bewohnt wird. Im 13. Jahrhundert residierten hier die Päpste – und das Wort Konklave wurde in ihrem Palast geprägt, als die Viterbesi 1268 die zerstrittenen Kardinäle kurzerhand einschlossen und schließlich sogar das Dach abdeckten. Unterhalb der Loggia des Palazzo dei Papi duckt sich San Pellegrino, eines der besterhaltenen mittelalterlichen Quartiere Europas: dunkler Peperino-Stein, Außentreppen, Schwibbögen, dazwischen Antiquitätenläden und Werkstätten. Und vor den Mauern dampft es – die Schwefelquellen des Bullicame, die schon Dante in der Göttlichen Komödie erwähnte, speisen bis heute das Monumentalbecken der Terme dei Papi.

Mitte des 13. Jahrhunderts war Viterbo für gut zwei Jahrzehnte der Mittelpunkt der Christenheit: Die Kurie verlegte ihren Sitz aus dem unruhigen Rom in die befestigte Stadt am Fuß der Monti Cimini, und auf dem Colle del Duomo entstand der Palazzo dei Papi mit seiner filigranen Loggia. Hier spielte sich die Episode ab, die Viterbo in die Geschichtsbücher brachte: Nach dem Tod Clemens' IV. konnten sich die Kardinäle ab 1268 fast drei Jahre lang auf keinen Nachfolger einigen. Die Viterbesi schlossen sie daraufhin im Palast ein – cum clave, mit dem Schlüssel –, kürzten die Verpflegung und ließen schließlich das Dach des Saals abtragen. 1271 wurde Gregor X. gewählt, und das Konklave war erfunden.
Dass Viterbo mehr ist als diese eine Anekdote, zeigt ein Gang durch die Mauern: Das Quartier San Pellegrino südlich des Doms gilt als eines der besterhaltenen mittelalterlichen Viertel Europas – Häuser aus dunklem Peperino, Außentreppen, die profferli, Türme und Schwibbögen, kaum eine Linie seit dem 13. Jahrhundert verändert. An der Piazza del Plebiscito tagt die Stadtverwaltung im freskengeschmückten Palazzo dei Priori, und über die vielen mittelalterlichen Brunnen wie die Fontana Grande hat sich Viterbo den Beinamen Stadt der schönen Brunnen verdient. Jeden 3. September kippt die Stadt in den Ausnahmezustand: Dann tragen rund hundert Facchini die Macchina di Santa Rosa, einen rund 30 Meter hohen, tonnenschweren Lichterturm, im Laufschritt durch die dunklen Gassen – die UNESCO führt den Brauch als immaterielles Kulturerbe.
Vor der Porta Faul beginnt die dritte Schicht der Stadt: das Thermalfeld, das schon Etrusker und Römer nutzten. Aus der Bullicame-Quelle tritt das Wasser mit rund 58 Grad aus dem Boden – Dante verewigte sie im Inferno –, und die Terme dei Papi machen daraus ein Bad mit monumentalem Außenbecken. Überhaupt ist Viterbo das Tor zur Tuscia, dem etruskisch geprägten Norden Latiums: Im Museum der Rocca Albornoz lagern Funde aus Acquarossa und San Giovenale, in Bagnaia wartet der manieristische Wassergarten der Villa Lante, und auf den Tellern landen Acquacotta, handgerollte Lombrichelli und die Haselnüsse der Monti Cimini – begleitet von einem Est! Est!! Est!!! aus dem nahen Montefiascone.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Päpste & Konklave
Der Hügel von San Lorenzo ist Viterbos große Bühne: der Palazzo dei Papi mit seiner durchbrochenen Loggia, der Saal des längsten Konklaves der Geschichte, daneben die romanische Kathedrale mit Kosmatenboden und das Museo Colle del Duomo. Ein Kombiticket verbindet die drei Stationen – und von der Loggia blickt man über das grüne Tal der Valle Faul.
Mittelalter zum Anfassen
Durch das Quartier San Pellegrino führt der dichteste Mittelalter-Spaziergang Italiens: Außentreppen aus Peperino, Schwibbögen, Wohntürme und Antiquitätenläden, kaum eine Linie seit dem 13. Jahrhundert verändert. Am Rand wartet die gotische Fontana Grande, der älteste der vielen Brunnen, denen Viterbo seinen Beinamen verdankt.
Dampf & Schwefel
Westlich der Stadt tritt das Wasser der Bullicame-Quelle mit rund 58 Grad aus dem Boden – schon Dante hat sie im Inferno verewigt. Die Terme dei Papi machen daraus ein Bad mit rund 2.000 Quadratmeter großem Monumentalbecken und natürlicher Dampfgrotte; wer es ursprünglicher mag, sucht die frei zugänglichen Becken im Thermalfeld.
Gärten & Etrusker
Viterbo ist das Tor zur Tuscia: In Bagnaia steigt der manieristische Wassergarten der Villa Lante die Terrassen hinab, im nahen Bomarzo grinsen die steinernen Ungeheuer des Sacro Bosco, und am Lago di Bolsena, dem größten Vulkansee Europas, reift der Est! Est!! Est!!! von Montefiascone. Das Etruskermuseum in der Rocca Albornoz liefert den historischen Unterbau.
03 · Wann
Viterbo liegt auf gut 300 Metern zwischen den Monti Cimini und dem Thermalfeld – das Klima ist mediterran mit kontinentalem Einschlag: heiße, trockene Sommer, milde Übergangszeiten und kühle, feuchte Winter, in denen die Thermalbecken am schönsten dampfen.
04 · Häufige Fragen
Am einfachsten mit dem Regionalzug: Ab Roma Ostiense oder Roma Trastevere fahren Züge in etwa 1,5 bis 2 Stunden zu den Bahnhöfen Viterbo Porta Romana und Porta Fiorentina, beide in Gehweite der Altstadt. Mit dem Auto folgt man der Via Cassia Richtung Norden, ebenfalls rund 1,5 Stunden. Viterbo funktioniert damit auch als Tagesausflug ab Rom – schöner ist eine Übernachtung, wenn abends die Gassen leer werden.
Als Stadt der Päpste: Im 13. Jahrhundert residierte die Kurie hier, im Palazzo dei Papi fand von 1268 bis 1271 die längste Papstwahl der Geschichte statt – die Geburtsstunde des Konklaves. Dazu kommen das mittelalterliche Quartier San Pellegrino, die Thermalquellen vor den Mauern, die vielen gotischen Brunnen und das Fest der Macchina di Santa Rosa, das die UNESCO als immaterielles Kulturerbe führt.
Für Altstadt, Papstpalast und San Pellegrino reicht ein konzentrierter Tag. Wer die Terme dei Papi, die Villa Lante in Bagnaia oder den Park der Ungeheuer in Bomarzo mitnehmen will, plant zwei bis drei Tage – Viterbo eignet sich zudem gut als ruhiges Basislager für die ganze Tuscia bis zum Lago di Bolsena.
Ein rund 30 Meter hoher, beleuchteter Turm zu Ehren der Stadtheiligen Rosa, den rund hundert Träger – die Facchini – am Abend des 3. September im Laufschritt durch die dunklen Gassen bis zum Santuario di Santa Rosa tragen. Der Transport ist Teil des UNESCO-Kulturerbes der großen italienischen Schulterlast-Prozessionen; die Konstruktion wird alle paar Jahre neu entworfen. Wer das Fest erleben will, bucht Unterkünfte Monate im Voraus.
Ja. Im Thermalfeld westlich der Stadt gibt es frei zugängliche heiße Becken wie das Bagnaccio, die vor allem von Einheimischen genutzt werden – einfach, ohne Infrastruktur und gerade deshalb beliebt. Komfortabler sind die Terme dei Papi mit ihrem großen Monumentalbecken, Dampfgrotte und Anwendungen gegen Eintritt.
Unbedingt. Der manieristische Garten aus dem 16. Jahrhundert mit seiner Wasserkette, den Brunnen und zwei symmetrischen Gartenpalästen gilt als eines der vollkommensten Gartenkunstwerke Italiens. Bagnaia ist ein Ortsteil von Viterbo und mit Stadtbus oder Taxi in wenigen Minuten erreichbar – ideal als halber Tag in Kombination mit dem nahen Bomarzo.
05 · In der Nähe
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