Wer San Lorenzo zum ersten Mal betritt, spürt sofort, dass hier Geschichte nicht museal konserviert, sondern gelebt wird. Das Viertel erstreckt sich rund um die Piazza San Lorenzo, wo der romanische Dom und der imposante Palazzo dei Papi seit Jahrhunderten die Silhouette der Stadt prägen. Schon im frühen Mittelalter war dieser Hügel das religiöse und politische Zentrum Viterbos – und diese Bedeutung lässt sich noch heute an jedem Stein ablesen.
Der Dom San Lorenzo selbst, dessen Ursprünge ins 11. Jahrhundert zurückreichen, öffnet seinen Innenraum zu einem ruhigen Staunen: Das schlichte Langhaus, die Krypta und der freistehende Campanile setzen sich bewusst von der barocken Üppigkeit anderer Kathedralen ab. Direkt daneben erhebt sich die Loggia des Palazzo dei Papi, jene gotische Freitreppe, von der aus im 13. Jahrhundert mehrere Päpste gewählt wurden – ein Ort, an dem man unweigerlich innehält und die Kulisse auf sich wirken lässt.
Die engen Gassen, die vom Platz abzweigen, folgen dem mittelalterlichen Stadtgrundriss und führen an restaurierten Turmhäusern, kleinen Werkstätten und versteckten Innenhöfen vorbei. Hier hat sich eine eigene Ruhe erhalten, die in starkem Kontrast zur geschäftigen Via Cavour steht. Morgens, wenn das Licht schräg über die Tuffsteinfassaden fällt, gehört das Viertel fast ausschließlich den Einheimischen – Handwerkern, die ihre Läden aufschließen, älteren Männern auf den Stufen der Kirche.
Für Reisende, die mehr suchen als einen kurzen Blickkontakt mit der Vergangenheit, ist San Lorenzo der ideale Ausgangspunkt: Die Piazza ist in wenigen Gehminuten vom Zentrum Viterbos erreichbar, und von hier aus lassen sich die anderen historischen Viertel der Stadt – darunter das Quartiere San Pellegrino – bequem zu Fuß erkunden. Hotels in San Lorenzo und in unmittelbarer Nähe bieten eine authentische Basis, von der aus sich das mittelalterliche Viterbo in aller Tiefe erschließt.

Palazzo dei Papi
Der Palazzo dei Papi auf dem Colle del Duomo in Viterbo war Sitz der Päpste und Schauplatz des längsten Konklaves der Geschichte.
Sitz der Päpste nach dem Umzug der Kurie im 13. Jahrhundert