Wer durch das Stadttor San Pellegrino in Viterbos Centro Storico tritt, betritt eine andere Zeitrechnung. Die Gassen des Quartiere San Pellegrino – eines der am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Viertel Italiens – schlängeln sich zwischen ockergelben Tufffassaden hindurch, gesäumt von Außentreppen, kleinen Loggien und Brunnen, die seit Jahrhunderten unverändert scheinen. Es ist diese Stille, die überrascht: kein Massentourismus, keine überfüllten Souvenirläden, sondern das gedämpfte Gemurmel des Alltags hinter halbgeöffneten Holztüren.
Das Herzstück des Centro Storico ist die Piazza San Lorenzo mit dem Palazzo dei Papi, jenem imposanten Papstpalast aus dem 13. Jahrhundert, von dessen Loggia aus sieben Päpste gewählt wurden. Die Kathedrale San Lorenzo steht ihm zur Seite, ihre romanische Fassade schlicht und wuchtig zugleich. Von der Piazza aus öffnet sich der Blick über die Dächer Viterbos bis zu den Monti Cimini – ein Panorama, das man am frühen Abend, wenn das Licht warm und schräg über den Tuff fällt, kaum vergessen wird.
Das Viertel lädt nicht nur zur Besichtigung ein, sondern zum Durchwandern ohne Plan. Die Via San Pellegrino führt durch das gleichnamige Quartier, vorbei an mittelalterlichen Türmen, die einst Machtzeichen rivalisierender Adelsfamilien waren. Viterbos Innenstadt zählte im Mittelalter Dutzende solcher Türme; einige stehen noch heute, schmal und trotzig zwischen den Wohnhäusern. Der Fontana Grande auf der Piazza del Plebiscito, Viterbos größter und ältester Brunnen, ist ein weiterer Fixpunkt – hier treffen sich Einheimische zum Plausch, Schulkinder auf dem Nachhauseweg, Rentner mit der Tageszeitung.
Für Reisende, die sich auf die Suche nach dem echten Viterbo machen, ist das Centro Storico der richtige Ausgangspunkt. Die Nähe zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, kleinen Trattorien in Gewölbekellern und unabhängigen Boutiquen macht eine Übernachtung hier besonders lohnend. Wer in einem der historischen Palazzi oder kleinen Pensionen direkt im Viertel wohnt, erlebt die Stadt zu Zeiten, wenn die Tagestouristen längst abgereist sind – und genau dann entfaltet Viterbo seinen eigentlichen Charakter.

Museo Nazionale Etrusco Rocca Albornoz
Etruskisches Nationalmuseum in der Festung Rocca Albornoz in Viterbo mit Funden aus Acquarossa und San Giovenale.
Untergebracht in der Festung Rocca Albornoz von 1354