Vom Fischerdorf zur Sommerfrische der Belle Époque zwei rivalisierende Ortsteile, ein napoleonischer Name und ein Vertrag, der Geschichte schrieb
Santa Margherita bestand über Jahrhunderte aus zwei Dörfern, die einander herzlich misstrauten: Pescino unten am Wasser, wo die Fischer wohnten, und Corte um die Kirche auf der Anhöhe. Erst die napoleonische Verwaltung vereinte beide kurzerhand zu einer Gemeinde – zwischenzeitlich unter dem Namen Porto Napoleone –, ehe der Ort im 19. Jahrhundert seinen heutigen Namen erhielt. Geblieben sind die typisch ligurischen Fassaden, deren Gesimse, Säulen und Fensterläden oft nur aufgemalt sind: trompe-l'œil als Volkskunst, die ganze Straßenzüge in Bühnenbilder verwandelt.
Mit der Eisenbahn kamen Ende des 19. Jahrhunderts die Wintergäste aus England, Deutschland und Russland – und mit ihnen die Grandhotels. An der Via Pagana und entlang der Promenade entstanden Häuser wie das Imperiale Palace Hotel und das Grand Hotel Miramare, mit Stuckfassaden, Palmengärten und Meersicht. In den Salons des Imperiale wurde 1922 der Vertrag von Rapallo zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrussland unterzeichnet – die große Politik logierte damals selbstverständlich an der Riviera.
Heute lebt Santa Margherita von einer seltenen Balance: Es ist mondän, aber kein Museum. Im Hafen löschen die Fischerboote ihren Fang – allen voran die roten Gamberi, für die der Ort in ganz Italien berühmt ist –, an der Piazza Caprera trinken Einheimische ihren Espresso neben Seglern aus aller Welt, und abends füllen sich die Trattorien in den Gassen. travelperfect empfiehlt den Ort als Basis für den ganzen Tigullio-Golf: Portofino, San Fruttuoso und selbst die Cinque Terre liegen per Boot oder Bahn in Reichweite – zu deutlich entspannteren Preisen als in der berühmten Nachbarbucht.
