Wer Siena wirklich verstehen will, beginnt im Terzo di Città. Dieses südwestliche Stadtdrittel ist das älteste der drei Terzi, in die Siena seit dem Mittelalter aufgeteilt ist, und trägt seinen Namen nicht ohne Grund: Hier residierte einst die städtische Oberschicht, hier entstanden die mächtigsten Kirchen, und hier thront bis heute der Dom Santa Maria Assunta – eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Italiens – über den Dächern der Stadt.
Der Charakter des Viertels ist schwer in einem Wort zu fassen. Tagsüber strömen Besucher durch die Via di Città, eine der Hauptachsen des Terzo, vorbei an Palazzo Chigi-Saracini und den Schaufenstern kleiner Kunsthandwerksbetriebe. Doch wer ein paar Schritte in die Seitengassen abbiegt – etwa in die Via del Capitano oder hinunter zur Porta San Marco – findet sich plötzlich in einem stillen Siena wieder, das sich kaum verändert zu haben scheint. Ockergelbe Fassaden, schmiedeeiserne Laternen, Katzen auf Fensterbänken.
Das Herz des Terzo di Città schlägt rund um die Piazza del Duomo. Der Dom selbst, mit seinem schwarz-weißen Marmorstreifenmuster, ist von außen wie von innen ein Erlebnis für sich – besonders der Fußboden aus 56 Intarsienpaneelen, der nur in bestimmten Wochen vollständig sichtbar ist. Direkt daneben lädt das Museo dell'Opera del Duomo dazu ein, die ursprünglich geplante, nie vollendete Erweiterung des Doms zu erahnen: Die sogenannte Facciatone, die unvollendete Außenmauer, bietet einen der ungewöhnlichsten Panoramablicke auf die Altstadt.
Im Terzo di Città konzentriert sich auch Sienas Kulturleben auf engstem Raum. Die Pinacoteca Nazionale im Palazzo Buonsignori zeigt eine der wichtigsten Sammlungen sienesischer Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts – mit Werken von Duccio di Buoninsegna und Simone Martini. Wer nach dem Museumsbesuch Hunger bekommt, findet in den umliegenden Gassen Trattorien, die ihre Menüs noch nach Saison und Marktangebot ausrichten, nicht nach Tourismussaison.
Für Reisende, die nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern ein Viertel mit echter städtischer Identität erleben wollen, ist das Terzo di Città die richtige Wahl. Hier übernachten, bedeutet: morgens früh den Dom ohne Menschenmassen zu erleben, abends die Gassen für sich zu haben.
Giovanni Paciarelli (Public domain) · WikimediaDom von Siena
Der Dom Santa Maria Assunta zählt zu den prachtvollsten Kirchen Italiens – mit schwarz-weißem Marmor, Intarsienboden und Werken von Pisano, Donatello und Michelangelo.
Schwarz-weiß gestreifter Marmor in den Farben der Stadt



