
◆ STADT · EMILIA-ROMAGNA
Bologna trägt drei Beinamen, und alle drei stimmen bis heute: la dotta, die Gelehrte, wegen der ältesten Universität Europas von 1088; la grassa, die Fette, wegen Tortellini, Mortadella und Ragù; la rossa, die Rote, wegen der ziegelroten Dächer und Türme. Rund 40 Kilometer Arkaden – seit 2021 UNESCO-Welterbe – überdachen die Altstadt wie ein steinernes Wohnzimmer, in dem man bei jedem Wetter trockenen Fußes von der Piazza Maggiore zu den beiden schiefen Geschlechtertürmen flaniert. Wer abends durch das Quadrilatero zieht, wo sich Salumerie, Fischhändler und Weinbars in mittelalterlichen Gassen drängen, versteht schnell: Bologna ist die vielleicht italienischste aller italienischen Großstädte – und die am meisten unterschätzte.

Bologna ist die Stadt, in der das europäische Universitätswesen erfunden wurde. Seit 1088 wird hier gelehrt – Dante, Petrarca und Kopernikus saßen in den Hörsälen, und im Archiginnasio mit seinem hölzernen Anatomischen Theater kann man bis heute besichtigen, wie sich die Wissenschaft einst ihren Weg bahnte. Die Universität prägt die Stadt bis in die Gegenwart: Zehntausende Studierende halten die Osterien voll, die Mieten diskutabel und das Durchschnittsalter in der Via Zamboni niedrig. Bologna fühlt sich deshalb jünger an als seine 2.000 Jahre – eine Stadt, die nie zum Museum erstarrt ist.
Das zweite Fundament ist der Appetit. Bologna liegt im Herzen der Food Valley zwischen Parma und Modena, und seine Küche ist Weltkulturerbe der Herzen: Tortellini in brodo, von Hand um den kleinen Finger gedreht, Tagliatelle al ragù – das Gericht, das die Welt fälschlich „Spaghetti Bolognese“ nennt –, dazu Mortadella, Crescentine und Lambrusco. Im Quadrilatero, dem mittelalterlichen Marktviertel hinter der Piazza Maggiore, stapeln sich Parmigiano-Laibe in den Schaufenstern der Salumerie, während nebenan in der Osteria del Sole seit 1465 Wein ausgeschenkt wird – Essen bringt man selbst mit.
Und dann sind da die Arkaden: rund 40 Kilometer Bogengänge allein im Zentrum, seit 2021 UNESCO-Welterbe. Sie entstanden im Mittelalter, als die Stadt für ihre Studenten Wohnraum über den Gehwegen schuf, und machen Bologna zur Stadt der kurzen Wege bei jedem Wetter. Die Königsdisziplin ist der Portico di San Luca: 666 Bögen ziehen sich von der Porta Saragozza fast vier Kilometer den Colle della Guardia hinauf zur Wallfahrtskirche Madonna di San Luca – ein Spaziergang, den Bologneser als Sonntagsritual, Gelübde oder Trainingsstrecke begehen, mit weitem Blick über die rote Stadt als Belohnung.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel






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02 · Was tun
La Rossa
Vom weiten Rund der Piazza Maggiore mit der unvollendeten Fassade von San Petronio über Giambolognas Neptunbrunnen zu den Due Torri an der Piazza di Porta Ravegnana: Im Mittelalter ragten in Bologna an die hundert Geschlechtertürme auf, geblieben sind die zwei berühmtesten – der 97 Meter hohe Asinelli und die stark geneigte Garisenda, die schon Dante in der Göttlichen Komödie erwähnte.
La Grassa
Hinter der Piazza Maggiore drängen sich in den Marktgassen des Quadrilatero Salumerie, Käsehändler und Fischstände wie seit dem Mittelalter. Hier probierst du Mortadella und 36 Monate gereiften Parmigiano, isst frische Tortellini im Mercato di Mezzo und trinkst Pignoletto an Tischen, an denen seit 1465 in der Osteria del Sole ausgeschenkt wird. Der beste Einstieg in Italiens Hauptstadt des Essens.
Unter Arkaden
Der längste Arkadengang der Welt beginnt an der Porta Saragozza: 666 Bögen ziehen sich fast vier Kilometer den Colle della Guardia hinauf zur barocken Wallfahrtskirche Madonna di San Luca. Bologneser gehen ihn als Sonntagsritual oder Trainingsstrecke; oben warten der Blick über die rote Stadt und an klaren Tagen der Apennin. Zurück geht es zu Fuß oder mit dem San-Luca-Express-Bähnchen.
La Dotta
Im Archiginnasio, dem alten Hauptgebäude der Universität, bedecken zehntausende Studentenwappen die Wände, und im hölzernen Anatomischen Theater von 1637 wurden einst Leichen seziert, während ein Priester wachte. Weiter führt die Route durch die Via Zamboni zu Palazzo Poggi, Teatro Comunale und in die Pinacoteca Nazionale mit Werken von Giotto, Raffael und den Carracci.
03 · Wann
Bologna liegt am Südrand der Po-Ebene, und das Klima ist kontinentaler, als viele Italien-Reisende erwarten: schwülheiße Sommer, neblige, kalte Winter – und dazwischen zwei goldene Übergangszeiten, in denen die Stadt am besten schmeckt. Die Arkaden sind dabei ein eingebauter Wetterschutz: Sie spenden im Juli Schatten und halten im November den Regen ab.
04 · Häufige Fragen
Zwei volle Tage reichen für Piazza Maggiore, Due Torri, Quadrilatero, Archiginnasio und einen Aufstieg nach San Luca. Mit drei bis vier Tagen kannst du zusätzlich die Museen vertiefen und Tagesausflüge in die Food Valley einplanen – Modena, Parma und Ravenna liegen alle unter einer Zugstunde entfernt. Bologna eignet sich hervorragend als Basis für die ganze Emilia-Romagna.
April bis Juni und September bis Oktober: mild, lebendig, mit vollem Markt- und Trattorienbetrieb. Der Hochsommer wird in der Po-Ebene schwül und über 30 °C heiß, und im August schließen viele Osterien für die Ferien. Der Winter ist kalt und oft neblig, hat aber seinen eigenen Reiz – kaum Touristen und die beste Jahreszeit für Tortellini in brodo.
Der Flughafen Guglielmo Marconi (BLQ) liegt nur rund 6 km nordwestlich des Zentrums. Die Einschienenbahn Marconi Express fährt in gut 7 Minuten direkt zum Hauptbahnhof Bologna Centrale; von dort bist du zu Fuß in einer Viertelstunde auf der Piazza Maggiore. Alternativ kostet ein Taxi ins Zentrum meist einen niedrigen zweistelligen Eurobetrag.
Der 97 Meter hohe Asinelli war jahrzehntelang über 498 Stufen begehbar. Seit Ende 2023 ist der Bereich um die Türme jedoch wegen Stabilisierungsarbeiten an der stark geneigten Garisenda gesperrt, die Besteigung ausgesetzt. Informier dich vor der Reise auf den offiziellen Seiten der Stadt über den aktuellen Stand – die Türme selbst bleiben von außen ohnehin das eindrucksvollste Fotomotiv der Stadt.
Tortellini in brodo (in Kapaun- oder Fleischbrühe, nie mit Sahne), Tagliatelle al ragù – das Original dessen, was die Welt „Spaghetti Bolognese“ nennt, die es hier aber nicht gibt –, dazu Mortadella, Lasagne verdi und Crescentine mit Salumi. Als Begleitung: ein perlender Pignoletto aus den Colli Bolognesi oder Lambrusco. Süßer Abschluss: Torta di riso oder ein Eis aus einer der vielen Gelaterien.
Unbedingt – Bologna Centrale ist der wichtigste Bahnknoten Italiens. Modena (Balsamico, Ferrari-Museen) erreichst du in rund 20 Minuten, Parma und Ravenna mit seinen byzantinischen Mosaiken in unter einer Stunde, Florenz per Hochgeschwindigkeitszug in etwa 40 Minuten. Kaum eine italienische Stadt verbindet so viel Tagesausflugs-Potenzial mit so gutem Abendessen nach der Rückkehr.
05 · In der Nähe
Sag uns, worauf du Lust hast — wir entwerfen deine Tage in Bologna, vom Tortellini-Kurs bis zum Sonnenuntergang über San Luca.
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