Wer Bologna wirklich verstehen will, verlässt irgendwann die überfüllten Gassen rund um die Piazza Maggiore und biegt in Richtung Saragozza ab. Das Viertel beginnt dort, wo die mittelalterliche Stadt langsam in eine grüne, bürgerliche Wohnwelt übergeht – mit breiten Alleen, gediegenen Palazzi aus dem 19. Jahrhundert und einer Gelassenheit, die man in anderen Teilen Bolognas vergeblich sucht.
Das unbestrittene Herzstück ist der längste Säulengang der Welt: Die Portici di San Luca erstrecken sich über fast vier Kilometer vom Stadttor Porta Saragozza hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca auf dem Colle della Guardia. 666 Bögen, errichtet zwischen 1674 und 1793, schützen Pilger und Spaziergänger gleichermaßen vor Sonne und Regen. Der Aufstieg selbst ist ein Erlebnis: Zu Beginn noch von Cafés und Läden gesäumt, wird es mit jedem Höhenmeter stiller, bis schließlich nur noch das eigene Atmen und der Wind in den Bäumen zu hören sind. Oben angekommen, öffnet sich ein Panorama über die Emilia-Romagna, das die Mühe mehr als rechtfertigt.
Saragozza ist aber weit mehr als ein Pilgerpfad. Das Viertel rund um die Via Saragozza und die Piazza di Porta Saragozza ist ein lebendiger Kiez, in dem Studenten der nahen Universität neben alteingesessenen Familien wohnen. Kleine Trattorie, unabhängige Buchhandlungen und Weinbars wechseln sich mit Gemüsehändlern ab, die morgens ihre Kisten auf den Gehsteig stellen. Hier kaufen Bolognesen ein, nicht Touristen – ein Umstand, der sich in der Qualität und Ehrlichkeit der Küche unmittelbar widerspiegelt.
Architektonisch lohnt auch ein Blick auf die Kirche Santa Maria della Misericordia sowie auf die eleganten Villen entlang der Via Castiglione, die am südlichen Rand des Viertels beginnt. Wer abends ausgeht, findet in Saragozza eine entspannte Alternative zur Universitätsnacht: Die Bars füllen sich gegen 19 Uhr zum Aperitivo, bleiben aber selten laut – ein Abend mit Spritz und Mortadella-Happen auf einer Terrasse unter den Portici ist symptomatisch für das Lebensgefühl des Viertels.
Für Reisende, die Bologna nicht nur konsumieren, sondern erleben wollen, ist Saragozza die richtige Wahl: nah am Zentrum, aber mit einer Eigenständigkeit, die das Viertel unverwechselbar macht.

Santuario Madonna di San Luca
Barocke Wallfahrtskirche auf dem Colle della Guardia, erreichbar über den 666 Bögen langen Portico di San Luca – seit 2021 UNESCO-Welterbe.
Barocke Rotunde von Carlo Francesco Dotti aus dem 18. Jahrhundert