
◆ STADT · CHAMPAGNE
Épernay ist klein, doch unter seinen Straßen liegt ein zweites, größeres Épernay: ein Labyrinth aus mehr als hundert Kilometern Kreidekellern, in denen die berühmtesten Champagner der Welt heranreifen. Oben verläuft die Avenue de Champagne, eine breite Allee aus herrschaftlichen Stadtpalästen – Moët & Chandon, Perrier-Jouët, Pol Roger, Mercier und De Castellane reihen ihre Fassaden aneinander, ehrwürdig und ein wenig zurückhaltend, als wüssten sie, dass der eigentliche Reichtum unter der Erde lagert. Die UNESCO hat diese „teuerste Straße der Welt“ samt ihrer Keller zum Welterbe erklärt. Ringsum steigen die Grand-Cru-Hänge der Côte des Blancs und der Montagne de Reims an, und im Tal zieht die Marne vorbei. Wer Champagner versteht, beginnt hier – mit einer Kellerführung, einem Glas am Nachmittag und einem Spaziergang über die Avenue.

Épernays Aufstieg ist die Geschichte des Champagners selbst. Die weiche Kreide unter der Stadt, ein Erbe urzeitlicher Meere, lässt sich leicht aushöhlen und hält dabei konstante Kühle und Feuchtigkeit – ideale Bedingungen für die langsame zweite Gärung in der Flasche. Im 18. und 19. Jahrhundert gruben die Häuser hier ein gewaltiges unterirdisches Netz: Allein unter Moët & Chandon ziehen sich rund 28 Kilometer Galerien dahin, insgesamt sollen es unter der Stadt über hundert sein. Während oben die bescheidene Provinzstadt blieb, wuchs unten ein Vermögen heran, Flasche um Flasche.
Das Herz dieser Welt ist die Avenue de Champagne. Was wie eine ruhige Wohnstraße wirkt, ist in Wahrheit die Adresse der großen Maisons: Moët & Chandon mit dem Standbild des Mönchs Dom Pérignon davor, das elegante Perrier-Jouët, das familiengeführte Pol Roger – Winston Churchills Lieblingschampagner –, dazu Mercier und, am westlichen Ende, das neugotische De Castellane mit seinem Turm. 2015 nahm die UNESCO die „Coteaux, Maisons et Caves de Champagne“ ins Welterbe auf – die Hänge, die Häuser und eben diese Keller. Seither trägt die Allee ihren Ruf als „teuerste Straße der Welt“ mit gelassener Selbstverständlichkeit.
Doch Épernay ist mehr als eine Kulisse für Verkostungen. Rund um die Stadt beginnen sofort die Weinberge: nach Süden die Côte des Blancs, deren reine Chardonnay-Lagen Cramant, Avize und Le Mesnil-sur-Oger den Blanc de Blancs prägen, nach Norden die Montagne de Reims mit ihren Pinot-Noir-Dörfern und dem berühmten Aussichtspunkt von Hautvillers, wo Dom Pérignon wirkte. In der Stadt selbst lädt der samstägliche Markt, ein gediegener Spaziergang durch die Altstadt und ein Glas in einer der Champagner-Bars zum Verweilen. travelperfect rät, mindestens eine Nacht zu bleiben – nach der letzten Verkostung will niemand mehr ans Steuer.
01 · Auf einen Blick
Karte
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten

Das größte Champagnerhaus der Welt an der Avenue de Champagne – 28 km UNESCO-Welterbe-Kreidekeller und Verkostung.

Populäres Champagnerhaus mit Riesenfass und Fahrt durch 18 km Keller per kleiner Bahn – ideal für Familien.

Champagnerhaus mit 66 m hohem neugotischem Turm – 237 Stufen hinauf zur 360°-Aussicht über Stadt und Weinberge.

Frei zugängliches Standbild des legendären Mönchs vor Moët & Chandon – die Symbolfigur des Champagners.

Elegantes Stadttheater im Zentrum, benannt nach der 1880 in Épernay geborenen Schauspielerin Gabrielle Dorziat.
· Hotels

Fünf-Sterne-Haus in einer Belle-Époque-Villa der Familie Mercier direkt an der Avenue de Champagne.

Vier-Sterne-Stadthotel im Zentrum mit Champagner-Bar und Spa, zwischen Bahnhof und Avenue.

Charmantes Gästehaus in einem ehemaligen Chandon-Familienhaus mit Garten nahe dem Zentrum.

Familiäres Stadthotel im Zentrum mit eigenem Restaurant, in Gehweite zur Avenue.
· Restaurants

Behagliches Restaurant mit Kamin und Terrasse, bekannt für Gegrilltes über Holzfeuer.

Traditionelles Familienrestaurant im Zentrum mit Terroir-Küche und großer Champagner-Auswahl.

Champagner-Bar mit kleiner Küche und glasweiser Verkostung kleiner Winzer im Zentrum.
· Aktivitäten

Geführte Tour durch die 28 km langen UNESCO-Kreidekeller des größten Champagnerhauses, mit Verkostung.

Geführte Radtour von Épernay entlang der Marne und hinauf in die Rebhänge der Côte des Blancs.

Geführte Fahrt mit der kleinen Kellerbahn durch 18 km Mercier-Galerien, mit Audioguide und Verkostung.
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Die große Allee
Vom Standbild des Dom Pérignon vor Moët & Chandon führt der Spaziergang an den herrschaftlichen Stadtpalästen entlang – Perrier-Jouët, Pol Roger, Mercier – bis zum neugotischen Turm von De Castellane am westlichen Ende. Die meisten Häuser bieten Kellerführungen mit Verkostung; bei Mercier geht es sogar per kleiner Bahn durch das unterirdische Galerienetz. Vorab buchen lohnt sich, die Touren sind beliebt.
Weinberge ringsum
Direkt vor der Stadt beginnen die Grand-Cru-Hänge: nach Süden die Côte des Blancs mit den reinen Chardonnay-Lagen von Cramant, Avize und Le Mesnil-sur-Oger, nach Norden Hautvillers, wo Dom Pérignon im Kloster wirkte und wo der Aussichtspunkt über das Marnetal blickt. Eine geführte Tour oder eine Fahrt auf der Route Touristique du Champagne verbindet Winzerverkostungen mit weiten Rebenpanoramen.
Stadt & Tafel
Abseits der Avenue zeigt Épernay sein ruhigeres Gesicht: die Gassen der Altstadt, der samstägliche Markt, das Théâtre Gabrielle Dorziat und die schattigen Ufer der Marne. In den Champagner-Bars wie C.Comme lässt sich querbeet durch kleine Winzer probieren, und in den Bistros und Restaurants der Stadt begleitet zu fast jedem Gericht ein Glas der Region. Ein guter Tagesausklang nach den Kellern.
03 · Wann
Épernay liegt im nördlichen Frankreich, im gemäßigt-kontinentalen Klima der Champagne mit milden Sommern und kühlen, oft feuchten Wintern. Die schönste Zeit sind Frühling und Frühherbst: Dann stehen die Weinberge in Blüte oder in der Lese, die Keller sind geöffnet, und das Wetter ist mild genug für Spaziergänge über die Avenue. Der September bringt die geschäftige Weinlese, der Winter eine stille, aber teils eingeschränkte Saison.
04 · Häufige Fragen
Für die Avenue de Champagne, eine Kellerführung mit Verkostung und einen Bummel durch die Altstadt reicht ein voller Tag. Wer zwei oder drei Häuser besuchen, dazu in die Côte des Blancs oder nach Hautvillers fahren und das alles ohne Hektik genießen möchte, plant besser zwei Tage und eine Übernachtung ein – schon weil man nach dem Verkosten nicht mehr fahren sollte.
Sehr gut mit der Bahn: Vom Pariser Bahnhof Gare de l'Est fahren direkte Züge in rund 1,5 Stunden nach Épernay, von Reims sind es nur etwa 25 Minuten. Der Bahnhof liegt wenige Gehminuten von der Avenue de Champagne entfernt, sodass sich die Häuser bequem zu Fuß erreichen lassen. Für die Weinberge empfiehlt sich dann eine geführte Tour.
Ja, das ist sehr zu empfehlen. Die großen Häuser wie Moët & Chandon, Mercier und De Castellane arbeiten mit festen Führungszeiten und sind, besonders in der Hauptsaison und an Wochenenden, oft ausgebucht. Wer vorab online reserviert, sichert sich den Wunschtermin und meist auch die gewünschte Verkostungsstufe.
Beide ergänzen sich. Reims punktet mit der Krönungskathedrale und großen Häusern wie Veuve Clicquot und Taittinger, Épernay ist die intimere, ganz dem Champagner gewidmete Stadt mit der berühmten Avenue de Champagne und ihren Kellern. Da beide nur 25 Minuten per Bahn auseinanderliegen, lohnt es sich, beide zu verbinden.
Unbedingt. Nach Süden beginnt die Côte des Blancs mit den reinen Chardonnay-Grand-Crus von Cramant, Avize und Le Mesnil-sur-Oger, nach Norden liegt Hautvillers, wo Dom Pérignon wirkte und der Aussichtspunkt über das Marnetal blickt. Eine Tour zu den Winzern zeigt die andere, bäuerliche Seite des Champagners jenseits der großen Markenhäuser.
05 · In der Nähe
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