Stadt · Frankreich

Annecy

Am Ende fast jeder Altstadtgasse steht Wasser – erst der Thiou in seinem Kanalbett, zwei Brücken weiter der türkise Lac d'Annecy mit den Savoyer Bergen dahinter.

4 Stadtviertel
Überblick

Annecy auf einen Blick

Beste Reisezeit
Von Juni bis September ist Annecy am lebendigsten: warmes Wetter zum Baden, Bootfahren und Radeln am See. Der Frühling bringt blühende Ufer und angenehme Temperaturen für Wanderungen, der Herbst goldenes Licht und weniger Andrang. Im Winter ist die Altstadt ruhig und stimmungsvoll, und die nahen Skigebiete der Savoyer Alpen sind schnell erreichbar.
Mobilität vor Ort
Die Altstadt und das Seeufer von Annecy sind kompakt und bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden; das Auto lässt sich am Stadtrand abstellen.
Nahverkehr
Stadtbusse verbinden die Viertel mit dem Zentrum; rund um den See verkehren im Sommer Boote als zusätzliche Verbindung.
Vom Flughafen
Vom Flughafen Genf erreicht man Annecy in rund 45 Minuten mit dem Auto oder per Bus-/Bahnverbindung.
Über Annecy

Reisen nach Annecy

Annecy liegt am Nordzipfel eines 14,5 Kilometer langen Alpensees, auf 447 Metern Höhe, und hat zwei Gesichter, die sich in fünf Gehminuten abwechseln. Das eine ist die Vieille Ville: Arkadengassen aus dem Mittelalter, Pastellfassaden mit Blumenkästen, dazwischen die Kanäle des Thiou, der als Abfluss des Sees mitten durch die Stadt schießt und um 1900 noch Mühlen und Fabriken antrieb. Den Kanälen, den kleinen Brücken darüber und den Farben an den Fassaden verdankt Annecy seinen Beinamen Venedig der Alpen. Auf einer Insel darin liegt das Palais de l'Île, ein schiffsförmiger Bau aus dem 12. Jahrhundert, der Münze, Gerichtshaus und Gefängnis war und heute Museum ist. Über den Dächern steht das Château d'Annecy, die Burg der Genfer Grafen, seit den 1950ern im Besitz der Stadt. Das andere Gesicht beginnt am Kanalende: die Jardins de l'Europe mit ihren Mammutbäumen, dahinter der schmiedeeiserne Pont des Amours über den Canal du Vassé und die weite Uferwiese Le Pâquier, an deren Rand der See anfängt, dessen Wasser seit dem Bau eines Ringkanals in den 1960er-Jahren als eines der saubersten Europas gilt. Rundherum steigen die Berge steil auf – der Semnoz im Süden, Mont Veyrier und La Tournette im Osten, dazu der Col de la Forclaz, von dem Gleitschirme über den See segeln. Dazu Reblochon aus dem nahen Thônes-Tal, Seefisch auf der Karte und ein Uferradweg auf alter Bahntrasse.

Reiseführer

Annecy von A bis Z

Aktualisiert August 2026

In Annecy wiederholt fast jeder Besucher denselben Moment. Du läufst durch eine schmale Arkadengasse, über einen der Thiou-Kanäle, denen die Stadt ihren Beinamen Venedig der Alpen verdankt, biegst um die letzte Ecke, und plötzlich hört die Stadt auf. Vor dir liegt eine Wiese, dahinter Wasser in einem Türkis, das eher nach Karibik als nach Alpen aussieht, und dahinter steigen Berge fast senkrecht aus dem See. Annecy ist keine Stadt am See – es ist eine Stadt, die in einen See ausläuft, und genau das erklärt, warum hier im Juli sowohl Badehandtücher als auch Wanderstöcke auf demselben Bürgersteig liegen.

Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Annecy

Die Altstadt passt in ein Rechteck von wenigen hundert Metern – das meiste erreichst du zu Fuß in unter zehn Minuten, der Rest liegt am Hang darüber.

Das Palais de l'Île ist der Bau, den jeder mitbringt und kaum jemand einordnet. Er steht seit dem 12. Jahrhundert auf einer Felsinsel im Thiou, teilt den Fluss wie ein steinerner Schiffsbug und war im Lauf der Jahrhunderte fast alles: Wohnsitz der Herren de l'Isle, Münzstätte der Genfer Grafen, Gerichtshaus, Verwaltungssitz und über lange Zeit Gefängnis, zuletzt noch während des Zweiten Weltkriegs. Seit 1900 steht er unter Denkmalschutz, heute beherbergt er ein Museum zur Stadt- und Baugeschichte, in dem du die alten Zellen tatsächlich betreten kannst. Das bekannte Foto entsteht nicht drinnen, sondern von den Quais und Brücken rundherum – am ruhigsten früh am Morgen, bevor die ersten Gruppen den schmalen Pont Perrière besetzen.

Rund vierzig Höhenmeter darüber liegt das Château d'Annecy, zu dem eine kurze, gepflasterte Rampe aus der Altstadt hinaufführt. Der älteste Teil, die massige Tour de la Reine, stammt aus dem 12. Jahrhundert; ringsum wuchs bis ins 16. Jahrhundert die Residenz der Grafen von Genf und später der Herzöge von Genevois-Nemours. Danach verfiel die Anlage, diente im 19. Jahrhundert als Kaserne und wurde erst 1953 von der Stadt gekauft und schrittweise restauriert. Heute ist sie Museum, mit savoyischer Regionalgeschichte, Gegenwartskunst und einer Abteilung, die sich den Alpenseen selbst widmet. Wer wenig Zeit hat, geht wenigstens in den Innenhof und an die Brüstung – von dort siehst du, wie eng sich die Altstadt zwischen Fels und Wasser klemmt.

Kirchen hat Annecy für seine Größe auffällig viele, und das hat einen Grund: Nach der Reformation wurde die Stadt zum Bischofssitz des ins Exil gedrängten Genfer Bistums. Die Cathédrale Saint-Pierre entstand 1535 als Franziskanerkapelle und ist erst seit 1822 Kathedrale; in ihrem Chor sang der junge Jean-Jacques Rousseau, der als Musikschüler einige Zeit in Annecy verbrachte. Ein paar Schritte weiter steht die Église Saint-Maurice, eine schlichte Dominikanerkirche des 15. Jahrhunderts mit einem gemalten Grabbild an der Wand, das jeden zweiten Besucher stehen bleiben lässt. Und direkt am Thiou, gegenüber dem Palais de l'Île, liegt die Église Saint-François-de-Sales mit ihrer barocken Fassade.

Die vierte Adresse liegt oberhalb der Stadt und wird von Tagesgästen regelmäßig ausgelassen. Die Basilique de la Visitation wurde in den 1920er-Jahren am Hang des Crêt du Maure errichtet und birgt die Gräber des heiligen Franz von Sales und der heiligen Johanna Franziska von Chantal, die im 17. Jahrhundert von Annecy aus den Orden der Heimsuchung gründeten. Interessanter als das Innere ist für die meisten die Terrasse davor: Von hier siehst du Altstadt, Pâquier und See in einem Bild, ohne Eintritt und ohne Gedränge. Zu Fuß aus dem Zentrum brauchst du bergauf etwa eine halbe Stunde, es geht durchgehend an Wohnstraßen entlang.

Sehenswürdigkeiten in Annecy

Alle 7 Sehenswürdigkeiten
See & Baden

Baden im Lac d'Annecy und die Strände rund um den See

Der See ist keine Kulisse, sondern der Hauptgrund für die Reise – und im Hochsommer warm genug, dass man ihn stundenweise nicht mehr verlässt.

Der Lac d'Annecy misst rund 14,5 Kilometer in der Länge, gut 27 Quadratkilometer in der Fläche und liegt auf 447 Metern Höhe; im Mittel ist er gut 40, an der tiefsten Stelle rund 80 Meter tief. Gespeist wird er von Bergbächen und einer Quelle am Seegrund, abgeführt durch den Thiou, der nach wenigen Kilometern in den Fier mündet. Seinen Ruf als einer der saubersten Seen Europas verdankt er einer Entscheidung aus der Nachkriegszeit: Ab den 1960er-Jahren legten die Uferkommunen einen Ringkanal an, der die Abwässer rund um den See sammelt und aus dem Einzugsgebiet herausführt, statt sie einzuleiten. Das war damals ein Pionierprojekt und ist bis heute der Grund, warum du in diesem See bedenkenlos schwimmst.

Stadtnah sind zwei Adressen zu nennen. Die Plage d'Albigny am Nordostufer in Annecy-le-Vieux ist der größte Stadtstrand, eine breite Liegewiese unter alten Bäumen mit flachem Einstieg – Fahrrad oder ein Fußmarsch von gut zwanzig Minuten ab dem Pâquier reichen hin. Südlich des Zentrums liegen die Marquisats, wo sich Badeplätze und ein Schwimmbadgelände am Ufer aneinanderreihen. Beide sind im Sommer voll, und zwar richtig. Wer Platz will, nimmt Rad oder Schiff und fährt weiter: Sévrier und Saint-Jorioz am Westufer, Menthon-Saint-Bernard und Talloires am Ostufer, und ganz im Süden Doussard mit dem flachsten, am schnellsten aufgewärmten Wasser des Sees.

Zur Wassertemperatur: Im Juni ist der See noch frisch, ab Anfang Juli klettert er meist in den Bereich von 22 bis 24 Grad und hält das bis in den September. Am Südende bei Doussard und in den flachen Buchten wird es früher warm als am tiefen Nordostufer. Bewachte Badestellen gibt es nur in der Saison und nur zu bestimmten Zeiten – außerhalb schwimmst du auf eigene Verantwortung, und das ist bei einem Alpensee kein Formalsatz: Das Wasser ist auch im August nach wenigen Metern Tiefe deutlich kühler, und in der Seemitte herrscht Bootsverkehr. Das Naturschutzgebiet am Bout du Lac im Süden hat eigene Regeln, dort gilt Rücksicht vor Badespaß.

Aufs Wasser kommst du auf drei Arten. Die Ausflugsschiffe der Seereederei legen am Stadthafen bei den Jardins de l'Europe ab, fahren als Rundfahrt über den See oder als Linienverkehr die Uferorte Duingt, Talloires, Menthon-Saint-Bernard und Doussard an – die eleganteste Tagesplanung ist, mit dem Schiff hinauszufahren, ein Stück am Ufer zu wandern und mit dem nächsten Boot zurückzukommen. Daneben vermieten mehrere Anbieter am Hafen Tretboote und kleine Elektroboote, für die du keinen Führerschein brauchst. Und schließlich Stand-up-Paddling: Auf dem oft spiegelglatten Wasser der frühen Morgenstunden ist das die schönste Art, Annecy vom See aus zu sehen.

Aktivitäten & Touren in Annecy

Rundgang & Tagesplan

Annecy an einem Tag – vom Palais de l'Île ans Seeufer

Vom westlichen Altstadtrand bis zum Ende des Pâquier ist es gut ein Kilometer, ein Tag reicht also – wenn du früh anfängst.

Beginne in der Altstadt, bevor die Busse ankommen. Von der Porte Sainte-Claire läufst du unter den Arkaden der Rue Sainte-Claire nach Osten, mit einem Abstecher in die Rue Perrière auf der anderen Kanalseite, wo die Häuser dicht über dem Wasser stehen. In der Mitte dieses Wegs teilt das Palais de l'Île den Thiou; nimm dir zwanzig Minuten für den Innenraum, bevor die Warteschlange entsteht. An Markttagen – traditionell Dienstag, Freitag und Sonntag am Vormittag – kehrt sich die Reihenfolge um: Dann gehörst du zuerst den Ständen mit Reblochon, Tomme und Charcuterie, und die Museen kommen danach.

Danach hinauf. Die gepflasterte Rampe zum Château d'Annecy ist kurz, aber steil; oben lohnt der Innenhof auch dann, wenn du das Museum auslässt. Wer noch Luft hat, hängt den Aufstieg zur Basilique de la Visitation an und bekommt von deren Terrasse die Übersicht über die gesamte Route dieses Tages. Zurück in der Altstadt führt der Weg an der Cathédrale Saint-Pierre und der Église Saint-Maurice vorbei zum Kanalende, wo die Stadt aufhört und der Pont des Amours über den Canal du Vassé setzt – die Stelle, an der Annecy vom Stadt- in den Seemodus schaltet.

Der Nachmittag gehört dem Wasser. Erst durch die Jardins de l'Europe mit ihren Mammutbäumen bis an die Spitze des Parks, mit Blick auf die kleine, dem Vogelschutz vorbehaltene Île des Cygnes im Canal du Vassé, dann über den Pont des Amours und quer über das Pâquier, wo im Sommer halb Annecy auf der Wiese liegt. Vom Hafen daneben legen die Ausflugsschiffe ab; eine Rundfahrt dauert etwa eine Stunde und sortiert die Landschaft noch einmal von unten. Wer lieber selbst in Bewegung bleibt, leiht ein Rad und fährt die ersten Kilometer der Uferroute nach Süden bis Sévrier oder Saint-Jorioz und mit dem Schiff zurück. Für den späten Nachmittag ist die Plage d'Albigny die naheliegende Abkühlung.

Zwei Tage sind die ehrlichere Empfehlung. Der zweite Tag geht in die Höhe: entweder mit dem Bus oder Auto hinauf auf den Semnoz mit Blick bis zum Mont Blanc, oder ans Ostufer nach Talloires mit dem Naturschutzgebiet Roc de Chère und dem Aufstieg zur Cascade d'Angon. Wer den dritten Tag hat, fährt die komplette Runde um den See mit dem Rad oder besucht die Gorges du Fier westlich der Stadt. Und für den Abend gilt in jeder Variante dasselbe: In der Hochsaison ohne Reservierung in ein gutes Altstadtlokal zu spazieren, funktioniert selten.

Wo was liegt

Annecy auf der Karte

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Stadtviertel

Annecys Viertel von der Vieille Ville bis Annecy-le-Vieux

Die Stadt sortiert sich entlang einer einzigen Linie – vom Kanal über den Park und die Uferwiese bis an den offenen See.

Vieille Ville
Vieille Ville

Die Vieille Ville ist der historische Kern und für den Aufenthalt das naheliegende Zentrum. Zwischen Porte Sainte-Claire, Thiou und Château drängen sich Arkadengassen, Kirchen, Käseläden und die meisten Restaurants der Stadt auf engem Raum; Autos haben hier wenig verloren, und die Wege sind so kurz, dass sich Planung erübrigt. Der Preis dafür ist Lautstärke – an Sommerabenden und an Markttagen ist die Altstadt ein durchgehender Strom. Wer hier übernachtet, sollte nach einem Zimmer zum Hof fragen und einkalkulieren, dass die Anfahrt mit dem Auto bis vor die Tür in vielen Gassen nicht möglich ist.

Östlich davon, wo die Bebauung endet, liegen die Bords du Lac – der Streifen aus Jardins de l'Europe, Stadthafen und Pont des Amours, in dem sich die Stadt auf das Wasser hin öffnet. Es ist kein Wohnviertel im eigentlichen Sinn, sondern Annecys Aufenthaltsraum: Hier legen die Schiffe ab, hier stehen die Tretboote, hier sitzt man abends auf den Bänken unter den alten Bäumen. Direkt daran schließt Le Pâquier an, die große Uferwiese, die als grüner Keil zwischen Stadt und Bergen liegt. Sie ist Picknickplatz, Laufstrecke und Festgelände in einem, und an klaren Tagen der Ort mit dem besten Bergblick auf Augenhöhe mit dem Wasser.

Nordöstlich des Pâquier beginnt Annecy-le-Vieux, bis 2017 eine eigenständige Gemeinde und heute ein wohlhabender Wohnbezirk aus Villen, alten Bauernhäusern und einem romanischen Kirchturm. Für Reisende zählt vor allem der Seezugang: Die Plage d'Albigny ist der größte stadtnahe Strand, die Uferpromenade dorthin lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad in einer knappen halben Stunde ab Zentrum zurücklegen. Wer Ruhe und Platz höher gewichtet als die Nähe zur Altstadt, wohnt hier deutlich entspannter – mit dem Nachteil, dass abends der Rückweg ansteht.

Bleibt der Teil, den Reiseführer selten erwähnen. Zwischen Bahnhof, Rue Royale und dem Hôtel de Ville liegt das Annecy des 19. Jahrhunderts mit breiten Straßen, Kaufhäusern und den großen Tiefgaragen – unspektakulär, aber praktisch, weil hier Ankunft und Parken stattfinden. Südlich davon zieht sich die Uferstraße der Marquisats am Wasser entlang zu Badeplätzen und Sportanlagen. Und am Hang darüber, an der Straße zur Basilique und weiter zum Semnoz, stehen einzelne Hotels mit Panoramalage, für die du allerdings ein Auto oder gute Waden brauchst.

Übernachten

Hotels in Annecy und die passende Lage für deinen Aufenthalt

Annecy ist klein und die Nachfrage ist es nicht – im Sommer entscheidet weniger die Kategorie als der Buchungszeitpunkt.

Ganz oben steht das Imperial Palace, ein Grandhotel aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, das mit eigenem Park und Seezugang am Nordostufer liegt und Casino sowie ein großes Spa im Haus hat. Die zweite Adresse dieser Klasse ist Les Trésoms Lake & Spa Resort, ein Art-déco-Bau am bewaldeten Hang über dem See, mit Pool, MontSpa und einem ambitionierten Restaurant – wer dort wohnt, hat den besten Blick der Stadt und braucht für den Weg in die Altstadt entweder das Auto oder zwanzig Minuten bergab und deutlich mehr bergauf. Beide Häuser sind über die Sommermonate und rund um die großen Festivaltermine früh ausgebucht.

Praktischer sind die Häuser am Rand der Altstadt. Das Splendid Hôtel Annecy steht am Quai Eustache Chappuis, also unmittelbar zwischen Kanal, Jardins de l'Europe und Altstadtgassen – kürzer kann man in Annecy kaum wohnen. Das Hôtel Le Pélican liegt am Übergang zwischen Zentrum und Uferwiese und hat einen Außenpool, was im Juli kein Luxus, sondern eine ernstzunehmende Ausstattung ist. Le Pré Carré ist die ruhigere Variante im Geschäftsviertel, mit Spa und wenigen Gehminuten bis zum Thiou. Und wer mitten in den Kanälen aufwachen will, nimmt das kleine Hôtel du Palais de l'Isle an der Rue Perrière, direkt an der Postkartenkulisse.

Die Preisfrage entscheidet sich in Annecy über den Kalender. Im Juni füllt das internationale Animationsfilm-Festival die Stadt mit Fachbesuchern aus aller Welt und einem Vielfachen an Publikum, Juli und August sind Badehochsaison, und am ersten Augustwochenende zieht die Fête du Lac mit ihrem Feuerwerk über dem Wasser zusätzlich Menschen an. In diesen Zeiträumen sind Zimmer im Zentrum Monate vorher weg und kosten ein Vielfaches. Umgekehrt bekommst du im Mai, Anfang Juni oder im Oktober dieselben Häuser zu normalen Raten – und die Stadt hat dann ohnehin die angenehmere Betriebstemperatur.

Eine Alternative, die viele übersehen: die Uferorte. Sévrier, Saint-Jorioz und Duingt am Westufer sowie Veyrier-du-Lac, Menthon-Saint-Bernard und Talloires am Ostufer liegen alle innerhalb weniger Kilometer, haben eigene Strände und sind per Bus, Rad oder Schiff mit der Stadt verbunden. Dort wohnst du ruhiger, oft günstiger und direkt am Wasser, während Annecy Tagesziel bleibt. Wer mit dem Auto anreist, sollte in jedem Fall vor der Buchung klären, ob das Hotel einen eigenen Stellplatz hat – in der Altstadt ist das die Ausnahme, und die öffentlichen Tiefgaragen summieren sich über mehrere Nächte spürbar.

Hotels in Annecy

Alle 6 Hotels
Essen & Trinken

Restaurants in Annecy und was Savoyen auf den Teller bringt

Käse und Seefisch sind die zwei Pole der Küche hier – und die Jahreszeit entscheidet, welcher davon der richtige ist.

Annecy hat für eine Stadt dieser Größe eine ungewöhnlich dichte Spitzengastronomie. Le Clos des Sens in Annecy-le-Vieux ist das bekannteste Haus der Stadt und kocht auf höchstem Michelin-Niveau, seit Laurent Petit die Küche kompromisslos auf den See und sein Umland ausgerichtet hat: Fisch aus dem Lac d'Annecy, Gemüse, Kräuter, fermentierte Produkte – Fleisch spielt kaum eine Rolle. La Ciboulette ist das Sternehaus im ruhigen Hof Cour du Pré Carré mitten im Zentrum, klassischer und deutlich unaufgeregter. Beide Häuser haben wenige Tische; wer dort essen will, reserviert Wochen im Voraus, nicht Tage.

Die andere Seite ist der Käse, und dafür steht Le Fréti. Seit 1974 serviert das Haus unter den Arkaden der Rue Sainte-Claire Fondue, Raclette und Tartiflette in einem Obergeschoss über dem eigenen Käseladen, und es ist genau die Art Institution, die von Einheimischen und Besuchern gleichermaßen belegt wird. Ein Hinweis, der dir den Abend rettet: Fondue und Tartiflette sind Winteressen. Bei 30 Grad im August ist ein Käsetopf eine Entscheidung gegen den restlichen Abend – bestell dann lieber Fisch. Für den unkomplizierten Alltag gibt es das Bistro du Pâquier nahe der Uferwiese, mit Marktküche und einem Preisniveau, das in der Altstadt selten geworden ist. Und wer den Blick zum Essen dazu will, fährt hinauf zum Le Belvédère über Annecy-le-Vieux, dessen Terrasse hoch über dem See liegt.

Regional heißt hier zuerst Reblochon, der aus dem rund zwanzig Kilometer östlich gelegenen Thônes-Tal stammt und die Basis der Tartiflette bildet, dazu Tomme de Savoie, Beaufort und Abondance. Vom See kommen Felchen und Saibling auf die Karte, dazu Barschfilets, die häufig als filets de perche angeboten werden – frag im Zweifel nach der Herkunft, denn nicht alles, was so heißt, stammt aus dem Lac d'Annecy. Getrunken wird savoyisch: Roussette, Apremont oder Chignin-Bergeron als Weiße, Mondeuse als kräftiger Roter. Als Mitbringsel taugen die Roseaux du lac, schilfhalmförmige Zuckerstangen mit Likörfüllung, die es in mehreren Konditoreien der Altstadt gibt.

Zwei praktische Punkte. Erstens die Reservierung: In Frankreich wird spät gegessen, in der Regel ab 19:30 Uhr, und in der Hochsaison sind die guten Adressen in der Altstadt an jedem Abend ausgebucht. Wer nach 20 Uhr ohne Tisch losläuft, landet in der Kategorie Touristenmenü mit Blick auf den Kanal – nicht schlimm, aber eben nicht der Grund für die Reise. Zweitens die Terrassen am Wasser: Die Lage entlang des Thiou kostet Aufschlag und liefert nicht automatisch die bessere Küche. Ein Tisch zwei Gassen weiter innen ist häufig die klügere Wahl, und der Blick auf den Kanal lässt sich hinterher beim Spaziergang gratis mitnehmen.

Restaurants in Annecy

Berge & Aussicht

Wandern über dem Lac d'Annecy vom Semnoz bis zur Tournette

Rund um den See stehen die Hänge so steil, dass du für den großen Überblick keine lange Anfahrt brauchst, sondern nur Höhenmeter.

Lac d'Annecy
Lac d'Annecy

Der Hausberg ist der Semnoz, ein langgezogener bewaldeter Rücken südwestlich der Stadt, dessen höchster Punkt, der Crêt de Châtillon, knapp unter 1.700 Metern liegt. Eine Straße führt bis fast nach oben, im Sommer verkehren zeitweise Busse ab Annecy, und von den Almwiesen am Gipfel siehst du an klaren Tagen den gesamten See auf der einen und die Kette des Mont Blanc auf der anderen Seite. Wer laufen will, steigt von den Marquisats oder vom Crêt du Maure durch den Wald auf – ein ernsthafter Anstieg von mehr als tausend Höhenmetern. Im Winter ist der Semnoz ein kleines Familienskigebiet mit Loipen, keine zwanzig Fahrminuten vom Stadtzentrum entfernt.

Auf der Gegenseite steht der Mont Veyrier mit dem Mont Baron, ein Felsrücken von gut 1.200 Metern, der direkt über Annecy-le-Vieux aufragt. Der Aufstieg beginnt am Stadtrand und führt in etwa zwei Stunden durch Wald und über gesicherte Passagen auf die Kante – von oben blickst du senkrecht auf die Stadt, den Hafen und die gesamte Länge des Sees. Es ist die beste Halbtagestour für Leute, die kein Auto haben. Etwas weiter östlich liegt der Roc de Chère über Talloires, ein bewaldeter Felsvorsprung unter Naturschutz, dessen Rundweg kaum Höhenmeter kostet und trotzdem an mehreren Stellen den Blick über das Wasser freigibt.

Der Klassiker für konditionsstarke Wanderer ist La Tournette mit 2.351 Metern, der markante Zackenberg über dem Ostufer. Der übliche Weg startet am Chalet de l'Aulp oberhalb von Montmin, verlangt über tausend Höhenmeter und endet an einem seilversicherten Aufschwung samt Leitern zum Gipfelblock – nichts für Schwindelanfällige, aber technisch machbar für trittsichere Wanderer mit gutem Schuhwerk. Plane einen ganzen Tag ein, starte früh und prüfe vorher die Verhältnisse: Bis weit ins Frühjahr liegen in den oberen Rinnen Schneereste, und im Hochsommer sind Gewitter am Nachmittag die Regel, nicht die Ausnahme.

Und dann ist da der Col de la Forclaz auf rund 1.150 Metern über Montmin, einer der bekanntesten Gleitschirmstartplätze Europas. Von der Aussichtsterrasse am Pass siehst du an guten Tagen ein Dutzend Schirme gleichzeitig über dem See kreisen; gelandet wird unten am Südostufer bei Doussard. Tandemflüge bieten mehrere Schulen an, gebucht wird vorab und geflogen wird nach Wetterlage – ein fester Termin ist hier eine Absichtserklärung, keine Garantie. Wer nur zuschauen will, fährt hinauf, isst etwas auf der Passhöhe und nimmt den kurzen Wanderweg zur Kante, an der die Schirme abheben.

Radfahren

Mit dem Rad um den Lac d'Annecy auf der alten Bahntrasse

Die Runde um den See ist die bekannteste Familienradtour der französischen Alpen, und der schönste Teil davon ist praktisch eben.

Pont des Amours
Pont des Amours

Grundlage ist eine stillgelegte Bahnstrecke, die ab Annecy am Westufer entlang nach Süden führte. Auf ihrer Trasse verläuft heute eine asphaltierte, autofreie Voie Verte, die vom Stadthafen über Sévrier, Saint-Jorioz und Duingt bis ans Südende des Sees und darüber hinaus reicht – gut dreißig Kilometer ohne nennenswerte Steigung, immer wieder mit direktem Blick aufs Wasser. Das ist der Grund, warum diese Tour auch mit Kindern, ungeübten Beinen oder einem gemieteten Stadtrad funktioniert. Wer nur ein Stück fahren will, nimmt die ersten acht bis zehn Kilometer bis Saint-Jorioz und kehrt dort um oder steigt aufs Schiff.

Die komplette Seeumrundung liegt bei etwa vierzig Kilometern. Der entscheidende Unterschied liegt am Ostufer: Dort gibt es keine durchgehende Bahntrasse, sondern Abschnitte auf der Uferstraße und auf Radstreifen, teils mit Verkehr, teils mit kurzen Anstiegen zwischen Talloires und Veyrier-du-Lac. Fahrbar ist das für alle, die sich im Straßenverkehr wohlfühlen; für Familien mit kleinen Kindern ist die Westseite die entspanntere Wahl. Rechne für die ganze Runde mit drei bis vier Stunden reiner Fahrzeit, plus Pausen – und plane sie im Uhrzeigersinn, dann liegt die anspruchsvolle Ostseite am Anfang.

Praktisches: Leihräder, E-Bikes und Anhänger bekommst du an mehreren Stellen im Zentrum und am Hafen, in der Hochsaison lohnt die Vorabreservierung. Starte früh – ab dem späten Vormittag teilen sich auf der Voie Verte Radfahrer, Inlineskater, Läufer und Spaziergänger dieselbe Fläche, an heißen Wochenenden im August wird es streckenweise eng. Unterwegs liegen Badestellen fast durchgehend am Weg, ein Handtuch gehört also ins Gepäck. Und wenn die Kraft nachlässt, ist die Kombination aus Rad und Ausflugsschiff die Rettung: Die meisten Schiffe nehmen Fahrräder mit, allerdings in begrenzter Zahl.

Feste & Veranstaltungen

Feste in Annecy vom Animationsfilm-Festival bis zur Fête du Lac

Zweimal im Jahr wechselt Annecy den Aggregatzustand – einmal für den Animationsfilm, einmal für ein Feuerwerk über dem Wasser.

Palais de l'Île
Palais de l'Île

Das Festival International du Film d'Animation läuft seit 1960 und ist der wichtigste Branchentermin für Animationsfilm weltweit. Eine Juniwoche lang gehört die Stadt den Studios, Schulen und Verleihern: Zentrum ist das Kulturzentrum Bonlieu am Pâquier, parallel läuft mit dem Mifa ein eigener Fachmarkt, und neben den Fachvorführungen gibt es öffentliche Vorstellungen, deren Tickets im Vorverkauf schnell weg sind. Für Reisende, die zufällig in dieser Woche kommen, heißt das vor allem: Hotels sind Monate vorher ausgebucht, die Altstadt ist abends voll, und in den Cafés wird über Storyboards geredet.

Die Fête du Lac am ersten Augustwochenende ist das Gegenstück – kein Fachpublikum, sondern die ganze Region. Über der Bucht vor dem Pâquier läuft am Abend eine große Feuerwerks- und Lichtinszenierung zu Musik, die als eine der aufwendigsten Europas gilt und deren Bilder sich im Wasser spiegeln. Sitzplätze auf den Tribünen am Ufer sind kostenpflichtig und früh vergeben; vom übrigen Seeufer und von den Hängen darüber schaust du kostenlos zu, musst dafür aber Stunden vorher da sein. Die Zufahrten rund um den See sind an diesem Abend dicht, plane die Rückfahrt entsprechend oder bleib gleich in der Stadt.

Dazwischen liegen die kleineren Termine, die den Jahreslauf hier ausmachen. Im Oktober kommt beim Retour des Alpages das Vieh von den Almen zurück und zieht geschmückt durch die Straßen, begleitet von Trachtengruppen, Handwerk und Ständen mit Käse aus den umliegenden Tälern – das savoyischste Wochenende des Jahres. Im Spätwinter kehrt der venezianische Karneval den Beinamen der Stadt nach außen: Maskierte in Kostümen des 18. Jahrhunderts posieren an den Kanälen und auf den Brücken, was mehr Fotografen als Zuschauer anzieht. Und im Dezember steht ein Weihnachtsmarkt in den Gassen der Altstadt, mit Bergkäse, Glühwein und beleuchteten Arkaden.

Praktisch heißt das: Wirf vor der Buchung einen Blick auf den Veranstaltungskalender der Stadt, egal in welche Richtung deine Präferenz geht. Wer den Trubel sucht, plant um einen dieser Termine herum, bucht früh und nimmt die höheren Raten in Kauf. Wer Annecy in seinem Normalzustand erleben will – freie Terrassen, Kanäle ohne Gedränge, ein Zimmer zum vernünftigen Preis –, legt die Reise bewusst daneben, in eine gewöhnliche Woche im Mai, Ende Juni oder September. Die genauen Daten wechseln jedes Jahr leicht, verlassen solltest du dich also nur auf die offiziellen Ankündigungen.

Anreise & vor Ort

Anreise nach Annecy aus Deutschland und Parken in der Stadt

Genf liegt rund vierzig Kilometer entfernt – das macht Annecy zu einem der am einfachsten erreichbaren Alpenseen für Reisende aus Deutschland.

Mit dem Auto führt der kürzeste Weg aus Süddeutschland über die Schweiz Richtung Bern und Genf und von dort auf der Autobahn nach Süden; aus Stuttgart sind es je nach Route gut fünfhundert Kilometer, aus München deutlich mehr. Zwei Kostenpunkte solltest du vorher einplanen: Für die Schweizer Autobahnen brauchst du eine Vignette, in Frankreich fallen streckenabhängige Mautgebühren an. Wer die Schweiz umfahren will, nimmt die Route über Basel und Mülhausen durch die Franche-Comté und weiter über Bourg-en-Bresse, was länger dauert. Im Sommer staut sich der Verkehr regelmäßig auf der Seeringstraße am Westufer, plane die letzten Kilometer nicht auf die Minute.

Ohne Auto ist Genf der Schlüssel. Der Flughafen Genf liegt rund vierzig Kilometer nördlich, die Fahrt dauert mit dem Auto knapp eine Stunde; Bus- und Bahnverbindungen zwischen Genf und Annecy bestehen mehrmals täglich, die Fahrzeiten unterscheiden sich je nach Verbindung erheblich. Annecy hat einen eigenen Bahnhof mitten in der Stadt, angebunden über Aix-les-Bains und Chambéry sowie über Lyon; aus Paris fahren direkte TGV-Züge in etwa dreieinhalb bis vier Stunden. Für Reisende aus Deutschland ist die Umsteigeverbindung über Basel und Genf oder über Lyon die übliche Variante – prüfe die aktuellen Fahrpläne, das Angebot schwankt saisonal.

In der Stadt selbst brauchst du kein Fahrzeug. Vom Bahnhof bis zum Palais de l'Île läufst du gut zehn Minuten, vom Zentrum bis ans Ende des Pâquier noch einmal so lange, und damit hast du praktisch alles abgedeckt. Für weitere Wege gibt es das städtische Busnetz, das auch Annecy-le-Vieux und die Uferorte am See bedient; die Linie zum Semnoz verkehrt nur saisonal. Fahrräder sind in Annecy allerdings das überlegene Verkehrsmittel: Die Uferwege sind durchgehend, flach und schneller als jedes Auto, das im Sommer nach einem Parkplatz sucht.

Womit wir beim heikelsten Thema wären. Die Altstadt ist weitgehend autofrei, und die Tiefgaragen im Zentrum – unter dem Hôtel de Ville, am Kulturzentrum Bonlieu und an der Sainte-Claire – sind an Sommerwochenenden früh voll. Wer länger bleibt, fährt besser einen Parkplatz am Stadtrand an und nimmt Bus oder Rad hinein, statt Runden im Zentrum zu drehen. Wichtig für Tagesgäste vom Auto aus: Die Uferstraßen rund um den See haben im Juli und August ihre eigenen Engpässe, in Talloires und Duingt sind die Parkflächen begrenzt. Vormittags kommst du überall unter, ab Mittag wird es zur Geduldsfrage.

Ausflüge in Savoyen

Ausflüge ab Annecy an den See und in die Savoyer Alpen

Von Annecy aus liegen Bergdörfer, Schluchten, ein zweiter Alpensee und der Mont Blanc alle im Radius eines halben Tages.

Die nächstliegenden Ziele stehen am eigenen Ufer. Talloires am Ostufer ist der eleganteste Ort am See, mit einer ehemaligen Benediktinerabtei, einem geschützten Hafenbecken und dem Naturschutzgebiet Roc de Chère vor der Tür; von dort führt ein Weg hinauf zur Cascade d'Angon durch eine enge Schlucht. Ein paar Kilometer nördlich thront das Château de Menthon-Saint-Bernard über dem Wasser, seit rund tausend Jahren im Besitz derselben Familie und in Teilen zu besichtigen. Am Westufer schiebt sich bei Duingt eine Halbinsel in den See, an deren Spitze eine private Burg steht, die zwar nicht zu betreten, aber vom Schiff aus das schönste Motiv des Sees ist.

Westlich der Stadt liegen die Gorges du Fier, eine schmale Klamm, durch die ein an die Felswand gehängter Holzsteg führt – zwanzig Fahrminuten von Annecy und an heißen Tagen angenehm kühl. Gleich daneben steht das mittelalterliche Château de Montrottier mit seinen Sammlungen. Östlich der Stadt beginnt das Tal von Thônes, die Heimat des Reblochon, mit Käsereien, Almen und dem Zugang zum Wandergebiet der Aravis-Kette; über Saint-Jean-de-Sixt erreichst du La Clusaz und Le Grand-Bornand, zwei Skiorte, die im Sommer als Wanderbasis funktionieren – dahinter führt der Col des Aravis weiter nach Savoyen hinüber.

Für den ganz großen Ausflug gibt es zwei Richtungen. Nach Osten sind es gut anderthalb Stunden nach Chamonix am Fuß des Mont Blanc, mit der Seilbahn zur Aiguille du Midi und der Zahnradbahn zum Mer de Glace – ein voller Tag, der sich nur bei klarer Sicht lohnt, also prüfe morgens die Bergwetterlage, bevor du losfährst. Nach Norden liegt Genf mit Seepromenade, Altstadt und Museen weniger als eine Stunde entfernt, mit dem Nebeneffekt, dass du dort in einem anderen Land und einer anderen Preisklasse unterwegs bist. Beides funktioniert als Tagesausflug, ohne das Hotel zu wechseln.

Bleiben die Nachbarn in Savoyen selbst. Aix-les-Bains am Lac du Bourget, dem größten natürlichen See ganz auf französischem Boden, ist in gut einer halben Stunde erreichbar und bietet Thermen, Belle-Époque-Architektur und die Klosteranlage Hautecombe am gegenüberliegenden Ufer. Chambéry, die alte Hauptstadt Savoyens, liegt etwas weiter südlich und hat mit dem Château des Ducs und den Arkadengassen ein städtisches Gegenprogramm. Und wer zwei Wochen unterwegs ist, hängt Lyon an, gut anderthalb Stunden entfernt und eine Großstadt, in der du beim Essen kaum etwas falsch machen kannst.

Stadtviertel

Die Stadtviertel von Annecy – und welches zu dir passt

Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Annecy mit Wetter und Wassertemperaturen

Annecy hat zwei Saisons mit klarem Profil – die Badesaison am See und die deutlich ruhigere Stadtsaison davor und danach.

Das Klima in Annecy ist gemäßigt mit alpinem Einschlag: kühle Winter mit Frost in den Nächten und gelegentlichem Schnee bis ans Ufer, ein spätes, wechselhaftes Frühjahr und warme Sommer, die in der Stadt durchaus über die 30-Grad-Marke gehen können. Weil der See auf 447 Metern liegt, braucht er länger zum Aufwärmen als flache Badeseen – vor Ende Juni ist Schwimmen eine Mutprobe, ab Anfang Juli angenehm. Entscheidender als das Thermometer ist der Veranstaltungskalender – das Animationsfilm-Festival im Juni und die Fête du Lac am ersten Augustwochenende schlagen stärker auf Preise und Andrang durch als jedes Wetter; welche Termine das im Einzelnen sind, steht im Abschnitt zu den Festen.

Das Wetterjahr

Die beste Reisezeit für Annecy sind Mai, Juni und September. Im Mai und frühen Juni hast du milde 19 bis 23 Grad, blühende Hänge und eine Altstadt, in der du noch spontan einen Tisch bekommst – nur der See ist dann für die meisten zu kalt. September ist der beste Kompromiss überhaupt: Das Wasser hat die Sommerwärme gespeichert, die Berge sind schneefrei, und die großen Menschenmengen sind weg. Juli und August liefern die zuverlässigsten Badetage, dafür Höchstpreise, volle Strände und Staus auf der Seeringstraße. Wer Ruhe sucht, meidet die Woche des Animationsfilm-Festivals im Juni und das erste Augustwochenende mit der Fête du Lac.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Annecy

Wie viele Tage sollte man für Annecy einplanen?
Ein Tag reicht für Altstadt, Palais de l'Île, Château und einen Nachmittag am Pâquier. Zwei Tage sind die bessere Wahl, weil dann eine Schifffahrt oder die Radtour am Westufer dazupasst. Bei drei Tagen kommst du zusätzlich in die Höhe – Semnoz, Mont Veyrier oder ein Ausflug nach Talloires und zum Col de la Forclaz.
Wo badet man in Annecy am besten?
Stadtnah an der Plage d'Albigny in Annecy-le-Vieux, einer breiten Liegewiese unter alten Bäumen mit flachem Einstieg, oder an den Marquisats südlich des Zentrums. Ruhiger und wärmer wird es weiter draußen in Sévrier, Saint-Jorioz, Menthon-Saint-Bernard und vor allem in Doussard am flachen Südende des Sees.
Wie warm wird der Lac d'Annecy im Sommer?
Ab Anfang Juli liegt die Oberflächentemperatur meist zwischen 22 und 24 Grad und hält sich bis in den September. Im Juni ist der See noch spürbar frisch, weil er auf 447 Metern Höhe liegt und lange zum Aufwärmen braucht. In flachen Buchten wie am Südende bei Doussard wird es deutlich früher warm als am tiefen Nordostufer.
Wie lange dauert die Radtour um den Lac d'Annecy?
Die komplette Runde misst rund vierzig Kilometer, dafür brauchst du je nach Tempo drei bis vier Stunden reine Fahrzeit. Das Westufer verläuft auf einer autofreien, praktisch ebenen Bahntrasse und ist auch mit Kindern machbar. Am Ostufer geht es abschnittweise auf Straßen und über kurze Anstiege – dort solltest du dich im Verkehr wohlfühlen.
Lohnt sich eine Bootsfahrt auf dem Lac d'Annecy?
Ja, und zwar aus zwei Gründen. Vom Wasser aus siehst du erst, wie steil die Berge in den See fallen und wo die Burgen von Duingt und Menthon-Saint-Bernard stehen. Und die Linienfahrten zu den Uferorten lassen sich klug kombinieren: mit dem Schiff hinaus, ein Stück am Ufer wandern, mit dem nächsten Boot zurück nach Annecy.
Wo parkt man in Annecy am besten?
In die weitgehend autofreie Altstadt fährst du gar nicht erst hinein. Im Zentrum stehen Tiefgaragen unter dem Hôtel de Ville, am Kulturzentrum Bonlieu und an der Sainte-Claire zur Verfügung, die an Sommerwochenenden früh voll sind. Wer länger bleibt, parkt am Stadtrand und nimmt Bus oder Leihrad – das spart Zeit und Nerven.
In welchem Viertel wohnt man in Annecy am besten?
Die Vieille Ville hat die kürzesten Wege und die meisten Restaurants, dafür Lärm bis spät und kaum Parkplätze. Am Rand des Zentrums, zwischen Kanal und Jardins de l'Europe, wohnst du zentral und trotzdem ruhiger. Annecy-le-Vieux bietet Platz und Seezugang, und die Uferorte wie Sévrier oder Talloires sind die entspannte Alternative direkt am Wasser.
Was isst man in Annecy typischerweise?
Savoyisch heißt zuerst Käse – Reblochon aus dem nahen Thônes-Tal, dazu Tomme de Savoie, Beaufort und Abondance, verarbeitet in Fondue, Raclette und Tartiflette. Das ist allerdings Winteressen. Im Sommer bestellst du besser Fisch aus dem See wie Felchen oder Saibling, dazu einen Weißen aus Savoyen, etwa Roussette oder Chignin-Bergeron.
Was macht das Animationsfilm-Festival mit der Stadt?
Es füllt sie. Annecy richtet seit 1960 das international wichtigste Festival für Animationsfilm aus, das im Juni mehrere zehntausend Fachbesucher und Publikum anzieht. Für Reisende heißt das: Hotels sind Monate vorher ausgebucht und teuer, die Altstadt ist voll, dafür läuft überall Programm. Wer Ruhe sucht, legt den Besuch bewusst daneben.
Ist Annecy mit Kindern eine gute Idee?
Sehr. Das Pâquier ist eine riesige Spiel- und Picknickwiese direkt am Wasser, die Strände haben flache Einstiege, und der Radweg am Westufer ist autofrei und ohne nennenswerte Steigung. Tretboote am Hafen, eine kurze Schifffahrt und der Aufstieg zum Château lassen sich in einen Tag packen, ohne dass jemand quengelt.
Kann man Annecy im Winter besuchen?
Ja, und es ist die unterschätzteste Jahreszeit hier. Die Altstadt ist leer, im Dezember steht ein Weihnachtsmarkt in den Gassen, und die Berge liegen im Schnee. Der Semnoz direkt über der Stadt ist ein kleines Familienskigebiet mit Loipen, La Clusaz und Le Grand-Bornand sind eine knappe Autostunde entfernt. Baden fällt aus, Aussicht nicht.
Wie kommt man ohne Auto nach Annecy?
Über Genf. Der Flughafen liegt rund vierzig Kilometer nördlich, Bus- und Bahnverbindungen in die Stadt bestehen mehrmals täglich. Annecy selbst hat einen Bahnhof mitten im Zentrum mit Anbindung über Chambéry, Aix-les-Bains und Lyon, aus Paris fahren direkte TGV-Züge. Aus Deutschland steigst du in der Regel in Basel, Genf oder Lyon um.
Wo hat man den besten Blick über Annecy und den See?
Kostenlos und ohne Ticket von der Terrasse der Basilique de la Visitation am Hang über der Stadt, zu Fuß in etwa einer halben Stunde bergauf erreichbar – der beste Überblick über Stadt und See auf einmal. Mehr Höhe bringt der Mont Veyrier über Annecy-le-Vieux, rund zwei Stunden Aufstieg ab Stadtrand. Und vom Semnoz siehst du an klaren Tagen den ganzen See und die Kette des Mont Blanc.
Wann ist die Altstadt von Annecy am leersten?
Früh am Morgen, ungefähr bis neun Uhr, und in den Randmonaten. Ab dem späten Vormittag füllen Tagesgäste und Busgruppen die Gassen rund um das Palais de l'Île, an Markttagen im Sommer kommst du kaum durch. Wer die Kanäle ohne Gedränge fotografieren will, steht auf – oder kommt im Mai, Oktober oder an einem Wintervormittag.
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