Arles liegt dort, wo sich die Rhône vor dem weiten Delta der Camargue teilt – und genau hier scheinen sich die Epochen übereinanderzulegen wie nirgends sonst in der Provence. Das römische Erbe ist allgegenwärtig: Das Amphitheater (Arènes d'Arles) aus dem 1. Jahrhundert fasst noch heute Tausende Zuschauer und wird für Stierkämpfe und Konzerte genutzt. Gleich daneben liegen das antike Theater, die unterirdischen Galerien der Cryptoportiques und am Stadtrand die Alyscamps, eine alte Gräberallee, die schon Dante und van Gogh inspirierte. Der romanische Kreuzgang und das Portal von Saint-Trophime gehören zum UNESCO-Welterbe der Stadt. Untrennbar ist Arles mit Vincent van Gogh verbunden. In nur rund fünfzehn Monaten malte er hier über 300 Werke und fand jenes flirrende Gelb, das man bis heute mit der Stadt verbindet – die Caféterrasse am Place du Forum, die Brücke, die Felder ringsum. Originale hängen zwar kaum in Arles selbst, aber die Fondation Vincent van Gogh widmet ihm Ausstellungen, und ein Rundgang führt zu den Orten seiner Motive. Über das antike und das Van-Gogh-Arles hat sich eine dritte, zeitgenössische Schicht gelegt: die Fondation LUMA mit Frank Gehrys schimmerndem, verdreht aufragendem Turm auf einem ehemaligen Bahngelände. Arles ist außerdem die Hauptstadt der Fotografie – die Rencontres d'Arles im Sommer zählen zu den wichtigsten Fotofestivals der Welt. Vor den Toren beginnt die Camargue, jene flache Schwemmlandschaft aus Salzwiesen, Lagunen und Reisfeldern, in der rosa Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere zu Hause sind. Arles ist das natürliche Tor in diese eigenwillige Welt – und bleibt selbst eine der vielschichtigsten Kleinstädte Frankreichs.




