Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Marseille
Die Stadt sortiert sich um ein einziges Hafenbecken, und vom Kai aus erreichst du fast alles Wichtige zu Fuß oder in zwanzig Minuten mit Metro und Bus.
Fang oben an. Die Basilique Notre-Dame de la Garde sitzt auf einem Kalkfelsen rund 150 Meter über dem Meer, und von der Terrasse unter der vergoldeten Madonna – die Marseiller sagen nur la Bonne Mère – siehst du in einer einzigen Drehung den Vieux-Port, die Frioul-Inseln, die Corniche und dahinter die weißen Kanten der Calanques. Henri-Jacques Espérandieu baute sie ab 1853 im neobyzantinischen Stil über eine mittelalterliche Wallfahrtskapelle; innen liegen Streifen aus hellem und dunklem Stein übereinander, und an den Wänden hängen hunderte Ex-Votos von Fischern, Auswanderern und Soldaten – gemalte Sturmszenen, Marmortafeln mit Dankesformeln, Modellschiffe unter der Decke. Zu Fuß dauert der Anstieg vom Hafen etwa eine halbe Stunde und ist durchgehend steil. Wer die Beine für den Nachmittag braucht, nimmt den Stadtbus, der ab dem Vieux-Port hinauffährt.
Unten am Vieux-Port läuft der Alltag weiter, als wäre er nie unterbrochen worden. Am Quai des Belges verkaufen Fischer vormittags direkt aus Wannen, was in der Nacht ins Netz gegangen ist, und gleich daneben spiegelt die Ombrière von Norman Foster den ganzen Vorgang kopfüber in ihrer polierten Stahldecke. Das Dach kam 2013, als Marseille Kulturhauptstadt Europas war und die halbe Uferfront neu geordnet wurde; seither ist der Kopf des Beckens am Quai des Belges autofrei, auf den beiden langen Seitenkais wurde die Fahrbahn zugunsten breiter Fußgängerflächen zurückgenommen, und abends sitzt dort alles, was nichts weiter tun will, als aufs Wasser zu schauen. Von der Kopfseite zieht die Canebière schnurgerade landeinwärts, die Prachtstraße des 19. Jahrhunderts, und an der Hafeneinfahrt bewachen sich die Forts Saint-Jean und Saint-Nicolas gegenseitig – im 17. Jahrhundert errichtet, mit Geschützen, die auffällig oft in Richtung Stadt zeigten statt aufs Meer.
Am nördlichen Hafenausgang steht das Bauwerk, das Marseilles Bild endgültig gedreht hat. Das MuCEM von Rudy Ricciotti ist ein Kubus aus dunklem Faserbeton, dessen Außenhaut wie ein steinernes Netz vor der Glasfassade hängt und im Tagesverlauf wandernde Schattenmuster auf die Rampen wirft; drinnen geht es um die Kulturen Europas und des Mittelmeerraums, draußen führt ein schmaler Steg hinüber ins alte Fort Saint-Jean, dessen Gärten, Höfe und Wehrgänge frei zugänglich sind. Der Dachweg zwischen beiden ist die beste Viertelstunde am Wasser, die die Stadt zu vergeben hat. Von dort erreichst du in wenigen Minuten die Cathédrale de la Major mit ihren grün-weiß gestreiften Steinlagen und weiter oben im Panier die Vieille Charité, wo Pierre Puget im 17. Jahrhundert dreistöckige Arkaden um eine ovale Barockkapelle legte und heute zwei Museen untergebracht sind.
Vier Adressen liegen außerhalb der Kernrunde am Hafen und lohnen trotzdem den Weg. Das Palais Longchamp im Osten ist gebaute Wasserfreude von 1869, errichtet zur Feier des Durance-Wassers, das der Canal de Marseille endlich in die dürstende Stadt brachte – eine geschwungene Kolonnade, ein monumentaler Kaskadenbrunnen, links das Museum der Schönen Künste, rechts das Naturkundemuseum, dahinter ein Park. Im Süden am Boulevard Michelet steht Le Corbusiers Cité Radieuse von 1952, seit 2016 UNESCO-Welterbe: ein gut 160 Meter langer Wohnblock auf Betonstelzen, mit einer Ladenstraße im Inneren und einer begehbaren Dachterrasse samt Kunstraum. Nahe dem Südufer des Hafens liegt die Abbaye Saint-Victor, deren Krypten bis ins frühe Mittelalter zurückreichen, und hinter dem Centre Bourse hat man im Jardin des Vestiges die Kaimauern des antiken griechischen Hafens freigelegt.















