Stadt · Frankreich

Marseille

Zwischen dem Fischmarkt am Vieux-Port und den weißen Kalkwänden der Calanques liegen keine zwanzig Kilometer – Marseille ist Großstadtlärm und Küstenwanderung am selben Tag.

6 Stadtviertel8 Sehenswürdigkeiten5 Hotels
Überblick

Deine Marseille-Reise auf einen Blick

Beste Reisezeit
Frühling und Frühherbst sind ideal: angenehme Temperaturen, gutes Badewetter bis in den September hinein und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Marseille zählt zu den sonnigsten Städten Frankreichs, im Juli und August wird es jedoch heiß und voll – und der trockene Sommer bringt zeitweise Zugangsbeschränkungen für die Calanques wegen Waldbrandgefahr.
Über Marseille

Reisen nach Marseille

Marseille ist mit rund 2.600 Jahren die älteste Stadt Frankreichs und bis heute die ungeschliffenste: Um 600 vor Christus gründeten griechische Seefahrer aus Phokaia hier Massalia, und der Naturhafen von damals ist noch immer der Bezugspunkt für alles. Am Vieux-Port verkaufen Fischer vormittags ihren Fang direkt vom Kai, darüber spiegelt Norman Fosters Ombrière die Szene kopfüber, und auf dem Kalkfelsen dahinter wacht die vergoldete Madonna von Notre-Dame de la Garde über Stadt und Reede. Nach Norden steigt das Gassengewirr von Le Panier an, am Hafeneingang steht der Betongitter-Kubus des MuCEM neben dem alten Fort Saint-Jean, und nach Süden zieht sich die Corniche an Fischerhäfen und Stadtstränden entlang, bis hinter Les Goudes der Nationalpark Calanques beginnt. Dazu Bouillabaisse nach Charta, Pastis am späten Nachmittag, Street-Art am Cours Julien und ein Hafenbecken, aus dem Boote zum Château d'If und auf die Frioul-Inseln ablegen.

Marseille – Karte
Reiseführer

Marseille von A bis Z

Aktualisiert August 2026

Um halb acht schiebt am Quai des Belges ein Fischer eine Plastikwanne über den Asphalt, in der noch etwas zappelt, drei Meter weiter spiegelt Norman Fosters Stahldach die ganze Szene kopfüber, und über allem steht auf ihrem Felsen die vergoldete Madonna, die hier jeder nur die Bonne Mère nennt. Marseille ist nicht die adrette Provence-Stadt aus dem Lavendelkalender – es ist ein 2.600 Jahre alter Hafen, laut, unfertig, mediterran bis in die letzte Gasse. Und zwanzig Minuten südlich hört die Stadt einfach auf, weil der weiße Kalk der Calanques beginnt.

Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Marseille

Die Stadt sortiert sich um ein einziges Hafenbecken, und vom Kai aus erreichst du fast alles Wichtige zu Fuß oder in zwanzig Minuten mit Metro und Bus.

Fang oben an. Die Basilique Notre-Dame de la Garde sitzt auf einem Kalkfelsen rund 150 Meter über dem Meer, und von der Terrasse unter der vergoldeten Madonna – die Marseiller sagen nur la Bonne Mère – siehst du in einer einzigen Drehung den Vieux-Port, die Frioul-Inseln, die Corniche und dahinter die weißen Kanten der Calanques. Henri-Jacques Espérandieu baute sie ab 1853 im neobyzantinischen Stil über eine mittelalterliche Wallfahrtskapelle; innen liegen Streifen aus hellem und dunklem Stein übereinander, und an den Wänden hängen hunderte Ex-Votos von Fischern, Auswanderern und Soldaten – gemalte Sturmszenen, Marmortafeln mit Dankesformeln, Modellschiffe unter der Decke. Zu Fuß dauert der Anstieg vom Hafen etwa eine halbe Stunde und ist durchgehend steil. Wer die Beine für den Nachmittag braucht, nimmt den Stadtbus, der ab dem Vieux-Port hinauffährt.

Unten am Vieux-Port läuft der Alltag weiter, als wäre er nie unterbrochen worden. Am Quai des Belges verkaufen Fischer vormittags direkt aus Wannen, was in der Nacht ins Netz gegangen ist, und gleich daneben spiegelt die Ombrière von Norman Foster den ganzen Vorgang kopfüber in ihrer polierten Stahldecke. Das Dach kam 2013, als Marseille Kulturhauptstadt Europas war und die halbe Uferfront neu geordnet wurde; seither ist der Kopf des Beckens am Quai des Belges autofrei, auf den beiden langen Seitenkais wurde die Fahrbahn zugunsten breiter Fußgängerflächen zurückgenommen, und abends sitzt dort alles, was nichts weiter tun will, als aufs Wasser zu schauen. Von der Kopfseite zieht die Canebière schnurgerade landeinwärts, die Prachtstraße des 19. Jahrhunderts, und an der Hafeneinfahrt bewachen sich die Forts Saint-Jean und Saint-Nicolas gegenseitig – im 17. Jahrhundert errichtet, mit Geschützen, die auffällig oft in Richtung Stadt zeigten statt aufs Meer.

Am nördlichen Hafenausgang steht das Bauwerk, das Marseilles Bild endgültig gedreht hat. Das MuCEM von Rudy Ricciotti ist ein Kubus aus dunklem Faserbeton, dessen Außenhaut wie ein steinernes Netz vor der Glasfassade hängt und im Tagesverlauf wandernde Schattenmuster auf die Rampen wirft; drinnen geht es um die Kulturen Europas und des Mittelmeerraums, draußen führt ein schmaler Steg hinüber ins alte Fort Saint-Jean, dessen Gärten, Höfe und Wehrgänge frei zugänglich sind. Der Dachweg zwischen beiden ist die beste Viertelstunde am Wasser, die die Stadt zu vergeben hat. Von dort erreichst du in wenigen Minuten die Cathédrale de la Major mit ihren grün-weiß gestreiften Steinlagen und weiter oben im Panier die Vieille Charité, wo Pierre Puget im 17. Jahrhundert dreistöckige Arkaden um eine ovale Barockkapelle legte und heute zwei Museen untergebracht sind.

Vier Adressen liegen außerhalb der Kernrunde am Hafen und lohnen trotzdem den Weg. Das Palais Longchamp im Osten ist gebaute Wasserfreude von 1869, errichtet zur Feier des Durance-Wassers, das der Canal de Marseille endlich in die dürstende Stadt brachte – eine geschwungene Kolonnade, ein monumentaler Kaskadenbrunnen, links das Museum der Schönen Künste, rechts das Naturkundemuseum, dahinter ein Park. Im Süden am Boulevard Michelet steht Le Corbusiers Cité Radieuse von 1952, seit 2016 UNESCO-Welterbe: ein gut 160 Meter langer Wohnblock auf Betonstelzen, mit einer Ladenstraße im Inneren und einer begehbaren Dachterrasse samt Kunstraum. Nahe dem Südufer des Hafens liegt die Abbaye Saint-Victor, deren Krypten bis ins frühe Mittelalter zurückreichen, und hinter dem Centre Bourse hat man im Jardin des Vestiges die Kaimauern des antiken griechischen Hafens freigelegt.

Sehenswürdigkeiten in Marseille

Alle 8 Sehenswürdigkeiten
Calanques & Nationalpark

Die Calanques bei Marseille zu Fuß, per Boot und im Seekajak

Der Nationalpark beginnt am Stadtrand, verhält sich aber nicht wie ein Stadtpark – ohne Wasser, feste Schuhe und einen Blick auf die Zufahrtsregeln wird der Tag anstrengend.

Die Calanques sind schmale, fjordartige Einschnitte in einen Kalkrücken, der sich von Marseille bis Cassis über gut zwanzig Kilometer zieht. Seit 2012 ist das Gebiet Nationalpark, der erste periurbane Europas – er umfasst Land, Meer und den Rand einer Großstadt zugleich –, und daraus ergeben sich die Regeln, die du kennen solltest. Der bequemste Zugang ist das Boot: Ab dem Vieux-Port fahren Ausflugsschiffe die Buchten von der Seeseite ab und zeigen in wenigen Stunden Einschnitte, die vom Land aus stundenlanges Auf und Ab verlangen. Bei Mistral wird gekürzt oder gestrichen, und das erfährst du oft erst am Morgen – plane die Bootstour deshalb lieber auf den ersten als auf den letzten Tag deiner Reise.

Zu Fuß führen die klassischen Wege ab dem Campus Luminy im Süden der Stadt, den ein Stadtbus bedient. Von dort läufst du in etwa einer Stunde hinunter zur Calanque de Sugiton, einer kleinen Doppelbucht mit vorgelagerter Felsnadel, oder hinüber nach Morgiou mit seinem winzigen Fischerhafen; die Calanque de Sormiou hat weiter westlich ihren eigenen Zugang. Für Sugiton gilt in der Hauptsaison ein kostenloses Online-Kontingent, weil der Andrang die Vegetation über den Hängen ruiniert hatte – ohne reservierten Platz wirst du am Einstieg zurückgeschickt. Rechne auf allen Wegen mit weißem Fels, der das Licht zurückwirft, mit sehr wenig Schatten und mit Abstiegen, die auf dem Rückweg deutlich länger dauern als hinunter.

Der zweite Punkt ist ernster. In den Sommermonaten legt die Präfektur jeden Abend für den Folgetag eine Waldbrandstufe fest, und je nach Einstufung sind die Zugänge nur am Vormittag geöffnet oder komplett gesperrt. Das ist keine Formalität: Der Kalkrücken trägt trockene Aleppokiefern und Garrigue, und bei Mistral springt Feuer in Minuten über ganze Hänge. Prüfe die Einstufung am Vorabend, starte früh und nimm mehr Wasser mit, als dir vernünftig erscheint – Quellen gibt es dort oben keine, Kioske erst recht nicht. Wer im Frühjahr oder im Oktober kommt, umgeht die Sperrungen fast vollständig und wandert bei Temperaturen, die den Aufstieg nicht zur Prüfung machen.

Die dritte Variante ist die stillste. Im Seekajak kommst du in Felsbögen, Höhlen und Winkel hinein, die für Ausflugsboote zu eng sind, und in den frühen Morgenstunden bist du auf dem Wasser meist allein; geführte Touren beginnen mit einer Einweisung und richten sich nach Wind und Seegang, weshalb auch hier der Mistral das letzte Wort behält. Wer weder wandern noch paddeln will, fährt einfach bis ans Ende der Stadt: Hinter dem Fischerdorf Les Goudes endet die Straße in Callelongue, und dort beginnt der Küstenpfad in den Nationalpark – schon die ersten zwanzig Minuten reichen für den Blick zurück auf die Bucht von Marseille. Die berühmtesten Einschnitte En-Vau und Port-Pin liegen am anderen Ende des Massivs oberhalb von Cassis und lassen sich gut mit einem Tagesausflug dorthin verbinden.

Aktivitäten & Touren in Marseille

Hafen & Ufer

Vom Vieux-Port über die Joliette bis nach L'Estaque

Marseilles Uferlinie erzählt in drei Etappen dieselbe Geschichte von Fracht, Leerstand und Umbau, und alle drei sind mit Metro oder Tram erreichbar.

Vieux-Port
Vieux-Port

Der Vieux-Port ist kein Museum, sondern Werktag. Vormittags der Fischmarkt am Quai des Belges, mittags die Terrassen an der Nordseite, nachmittags Segler, die Leinen sortieren und Diesel tanken, abends der Blick über das Becken hinauf zur beleuchteten Bonne Mère. Quer über das Wasser tuckert seit 1880 das Ferry Boat zwischen dem Rathaus und der Place aux Huiles, eine Überfahrt von wenigen Minuten, die Marcel Pagnol in seiner Marseille-Trilogie verewigt hat und die bis heute für kleines Geld zu haben ist. Wer die Stadt in einem einzigen Bild will, setzt sich zum Apéro auf die Südseite des Beckens und wartet, bis die Sonne hinter dem Palais du Pharo untergeht und der Hügel gegenüber orange wird.

Nördlich der Kathedrale beginnt La Joliette, wo bis in die 1990er Jahre Lagerhallen und Hafenbecken brachlagen und seither das größte Stadtumbauprojekt Südfrankreichs läuft. Die Docks von 1858, ein mehrere hundert Meter langer Speicherbau am Wasser, sind heute eine Passage aus Läden, Cafés und Büros mit begrünten Innenhöfen; nebenan öffnet das Einkaufszentrum Les Terrasses du Port eine lange Dachterrasse direkt über den Fährbecken, von der aus du den Schiffen nach Korsika und Nordafrika beim Ablegen zusiehst. Dazwischen sind zwei Hochhäuser hochgezogen worden, die man aus der halben Stadt sieht – der geschwungene Turm der Reederei CMA CGM von Zaha Hadid und die in Blau, Weiß und Rot gescheckte Tour La Marseillaise von Jean Nouvel.

Ganz im Norden, gut zehn Kilometer vom Zentrum, hängt L'Estaque am Hang über dem Wasser: früher ein Fischer- und Fabrikdorf, heute ein Stadtteil, der aussieht, als hätte er ein halbes Jahrhundert übersprungen. Cézanne malte hier die Bucht mit den roten Dächern, Braque und Dufy kamen ihm nach, und ein ausgeschilderter Rundweg führt zu den Standorten der bekanntesten Bilder. Am kleinen Hafen stehen die Buden, die Marseilles zweite Spezialität ausgeben – Panisses, dicke frittierte Scheiben aus Kichererbsenmehl, und Chichis frégis, lange Schmalzkringel im Zucker. Vom Vieux-Port fahren je nach Saison auch Passagierboote hinüber, was aus dem Abstecher eine kleine Küstenfahrt macht.

Stadtviertel

Marseilles Stadtviertel vom Panier bis zum Prado

Marseille ist die zweitgrößte Stadt Frankreichs und in 16 Arrondissements geteilt, aber als Besucher bewegst du dich fast nur in einem Halbkreis um den alten Hafen.

Notre-Dame de la Garde
Notre-Dame de la Garde

Le Panier auf dem Hügel nördlich des Beckens ist der Ort, an dem alles begann – hier legten die Griechen aus Phokaia ihre Siedlung Massalia an. Heute klettern ockerfarbene Gassen, Treppen und bemalte Fassaden den Hang hinauf, dazwischen Keramikwerkstätten, Seifenläden, kleine Plätze mit drei Platanen. Früh am Morgen gehört das Viertel den Anwohnern, ab Mittag den Kameras. Direkt darunter liegt der Vieux-Port, das eigentliche Wohnzimmer der Stadt, mit Fischmarkt, Terrassen, Fährbooten und der kürzesten Verbindung zu allem anderen. Wer zum ersten Mal nach Marseille kommt und wenig Zeit hat, bleibt in diesem Halbkreis und läuft alles ab.

Östlich der Canebière ändert sich die Tonlage. Rund um den Cours Julien und Notre-Dame-du-Mont ist praktisch jede Wand bemalt, die Treppenaufgänge sind farbig gefasst, und zwischen Plattenläden, Ateliers, Buchhandlungen und Bars sitzt abends alles, was jung ist oder sich dafür hält; auf der Place Jean Jaurès stehen mehrmals pro Woche Marktstände. Ein paar Straßen hangabwärts beginnt Noailles, der Bauch von Marseille: Die Stände der Capucins stapeln Minze, Datteln, Oliven und Gewürze, dazwischen liegen tunesische Bäckereien, komorische Läden und Gassen, in denen kaum Französisch gesprochen wird. Das ist die dichteste halbe Stunde, die die Stadt zu bieten hat, und tagsüber unproblematisch – nach Einbruch der Dunkelheit wird es hier deutlich ruppiger.

Im Norden dehnt sich La Joliette, das Schaufenster des Umbaus, mit den Docks, dem Fährhafen, den neuen Türmen und einer Bevölkerung, die zwischen Büroetagen und alten Hafenstraßen pendelt. Ganz anders der Süden: Le Prado und Perier sind das bürgerliche Marseille, mit Haussmann-Fassaden entlang der breiten Avenue du Prado, gepflegten Wohnstraßen, dem Parc Borély und den künstlich angelegten Stadtstränden am Ende der Achse. Hier stehen auch das Stade Vélodrome und Le Corbusiers Cité Radieuse, und wer mit Kindern reist, findet in dieser Ecke die entspannteste Mischung aus Grün, Wasser und kurzen Wegen.

Bleibt der Streifen zwischen Basilika und Meer. Le Roucas-Blanc ist ein verwinkeltes Wohnviertel an steilen Hängen, in dem hinter Pinien und alten Sommerhäusern immer wieder der Blick auf die Reede aufreißt; die Marseiller nennen es gern ihr Montmartre. Darunter läuft die Corniche Kennedy fünf Kilometer am Wasser entlang, mit einer Bank, die als eine der längsten der Welt gilt, und mit dem Vallon des Auffes, jenem winzigen Fischerhafen, der unter einer Straßenbrücke in einer Felsspalte steckt. Zum Übernachten ist die Gegend ruhig und schön, aber du bist auf Bus oder Taxi angewiesen, sobald du abends in die Stadt willst.

Essen & Trinken

Restaurants in Marseille und die Regeln der Bouillabaisse

Wer in Marseille Bouillabaisse bestellt, bestellt kein Gericht, sondern ein Verfahren – und das beginnt oft schon einen Tag vor dem Essen.

Die echte Bouillabaisse marseillaise ist ein Sud aus mehreren Felsenfischarten wie Drachenkopf, Meeraal, Knurrhahn oder Petersfisch, und sie kommt in zwei Gängen an den Tisch: zuerst die Brühe mit Croûtons, geriebenem Käse und Rouille, jener scharfen Knoblauch-Safran-Mayonnaise, danach der Fisch, den der Kellner am Tisch filetiert. 1980 haben sich mehrere Häuser auf eine Charte de la Bouillabaisse Marseillaise verständigt, die Fischauswahl, Zubereitung und Service festhält; wer sie unterzeichnet hat, hängt das Dokument gern gut sichtbar aus. Zwei Dinge folgen daraus. Ein auffällig billiges Angebot am Kai ist keine Bouillabaisse, und in den ernsthaften Häusern musst du sie in der Regel vorbestellen, häufig einen Tag im Voraus.

Die Klassiker liegen erwartbar am Wasser. Chez Fonfon kocht seit 1952 im Vallon des Auffes unter der Corniche-Brücke und ist die Adresse, an der Marseiller Familien ihren Sonntag verbringen. Chez Michel, die Brasserie des Catalans, arbeitet seit 1946 gegenüber dem Stadtstrand Plage des Catalans und spielt in derselben Liga, mit Fisch, den du dir vorn aus der Auslage aussuchst. Le Miramar am Quai du Port ist der Bouillabaisse-Klassiker direkt am Vieux-Port und Gründungsmitglied der Charta. Und ganz oben steht Le Petit Nice von Gérald Passedat an der Corniche, seit Jahren mit drei Michelin-Sternen – ein Haus, in dem das Mittelmeer nicht Kulisse ist, sondern Warenkorb, mit Fischarten auf dem Teller, die sonst niemand serviert.

Neben dem Fischritual gibt es das andere Marseille, das billiger und lauter isst. Am Cours Julien deckt Le Resto Provencal seit 1996 die bodenständige provenzalische Seite ab, in Noailles stehen tunesische Bäckereien und komorische Küchen dicht an dicht, und überall dazwischen läuft die Pizza der Stadt, die in Holzöfen und auf den Pizzawagen der Stadt eine ganz eigene Tradition entwickelt hat. Zum Nachmittag gehören Panisses aus Kichererbsenmehl, zum Kaffee die Navettes, jene schmalen bootförmigen Kekse mit Orangenblütenaroma, die eine Bäckerei nahe der Abbaye Saint-Victor seit dem 18. Jahrhundert backt. Und zum Apéro Pastis mit Wasser aus dem Krug, in Marseille erfunden und hier auch am selbstverständlichsten getrunken.

Praktisch heißt das: reservieren, und zwar früher, als du denkst. Die bekannten Fischhäuser sind an Wochenenden und im Sommer voll, und die Bouillabaisse braucht ohnehin Vorlauf. Gegessen wird später als in Deutschland – vor 20 Uhr sind viele Säle leer, gegen 21 Uhr voll –, und nachmittags schließen die Küchen meist ganz, bis der Abendservice beginnt. Wer sich schnell orientieren will, bucht am ersten Tag eine geführte kulinarische Tour durch Noailles und den Cours Julien. Die zwei bis drei Stunden sortieren Viertel, Zutaten und Preisniveaus so gut, dass die restlichen Mahlzeiten der Reise von allein funktionieren.

Restaurants in Marseille

Übernachten

Hotels in Marseille und die passende Lage für deinen Aufenthalt

Zwischen Hafenkante und Corniche liegen nur wenige Kilometer, aber zwei völlig verschiedene Aufenthalte – die Lagefrage entscheidet hier mehr als die Sternekategorie.

Rund um den Vieux-Port wohnst du am kürzesten zu allem. Das InterContinental Marseille – Hotel Dieu belegt das ehemalige Hôtel-Dieu, ein Hospital des 18. Jahrhunderts auf der Terrasse über dem Hafen, mit einer Freitreppe hinunter Richtung Panier und einer Terrasse, von der aus du das gesamte Becken überblickst; es ist die repräsentativste Adresse der Stadt und wird entsprechend bepreist. Kleiner und persönlicher ist das C2 Hotel, ein Boutiquehaus in einer Stadtvilla des 19. Jahrhunderts wenige Gehminuten vom Hafen, mit Spa im Gewölbekeller. Beide liegen so, dass du abends ohne Nachdenken über Verkehrsmittel zu Fuß zurückkommst, was in Marseille mehr wert ist als ein Zimmer-Upgrade.

Ein Stück westlich, am Palais du Pharo auf der Südseite der Hafeneinfahrt, steht das Sofitel Marseille Vieux Port mit einer Bar im obersten Geschoss, deren Blick über das ganze Becken bis hinauf zur Basilika reicht – dorthin lohnt sich der Weg auch ohne Zimmer. Wer die Stadt lieber vom Wasser her erleben will, fährt weiter an die Corniche: Les Bords de Mer klebt mit knapp zwanzig Zimmern direkt über den Felsen, jedes davon mit Meerblick, dazu ein Pool auf dem Dach. Von dort sind es ein paar Minuten mit dem Bus in die Innenstadt, dafür schläfst du bei offenem Fenster mit Brandung statt Rollergeräusch.

Preiswerter und trotzdem zentral ist das Umfeld der Joliette im Norden, wo mit dem Stadtumbau auch neue Häuser entstanden sind – das NH Collection Marseille etwa liegt in dieser Gegend, wenige Gehminuten vom Hafen und dicht an Metro und Tram. Zwei praktische Punkte gelten überall. Erstens haben die Hotels in der Altstadt fast nie eigene Parkplätze, du landest in einem Parkhaus und zahlst Tagessätze, weshalb sich der Mietwagen für einen reinen Stadtaufenthalt selten rechnet. Zweitens ist Marseille laut, zwischen Rollern, Müllabfuhr und Terrassen; in Hafennähe ist ein Zimmer zum Innenhof die klügere Wahl als eines zur Straße.

Beim Datum entscheidet sich der Preis. Im Juli und August sind die Häuser mit Meerblick am teuersten, und gleichzeitig ist die Stadt dann am anstrengendsten; im Mai, Juni, September und Oktober bekommst du dieselben Zimmer spürbar günstiger und hast dazu das bessere Wanderwetter für die Calanques. Rund um Heimspiele von Olympique Marseille im Stade Vélodrome und rund um große Kongresse ziehen die Raten kurzfristig an, ein Blick in den Spielplan vor der Buchung spart also erstaunlich oft Geld. Wer ohne Auto anreist, sollte zusätzlich prüfen, wie weit es zur nächsten Metro- oder Tramstation ist – die Wege sind in Marseille länger, als der Stadtplan vermuten lässt.

Hotels in Marseille

Alle 5 Hotels

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

Route & Tagesplan

Marseille in zwei bis drei Tagen erleben

Zwei Tage reichen für den Kern der Stadt, der dritte gehört den Calanques – und in dieser Reihenfolge funktioniert der Aufenthalt am besten.

Tag eins gehört dem Hafen. Starte am Quai des Belges, solange der Fischmarkt noch steht, geh unter der Ombrière hindurch und die Nordseite entlang bis zum Fort Saint-Jean. Über den Steg hinüber ins MuCEM, zwei Stunden für Ausstellung und Dachweg, dann hinauf zur Cathédrale de la Major und in die Gassen von Le Panier mit der Vieille Charité als baulichem Ankerpunkt. Mittags eine Kleinigkeit auf einem der Plätze im Viertel, nachmittags der Anstieg zu Notre-Dame de la Garde – zu Fuß in einer guten halben Stunde, mit dem Bus in wenigen Minuten. Oben bleibst du bis zum späten Licht, unten wartet der Apéro auf der Südseite des Beckens.

Tag zwei geht nach Süden und in die Höhe. Vormittags die Corniche, entweder zu Fuß ab dem Palais du Pharo oder mit dem Bus bis zum Vallon des Auffes, wo du zwischen bunten Booten stehst und die Straße über deinem Kopf verläuft. Danach entweder ein Bad an der Plage des Catalans oder weiter zu den Plages du Prado, dahinter der Parc Borély. Wer Architektur mag, schiebt am Nachmittag Le Corbusiers Cité Radieuse ein, wer Museen bevorzugt, nimmt das Palais Longchamp mit Beaux-Arts und Naturkunde. Den Abend verbringst du am Cours Julien zwischen Street-Art und Bars oder in Noailles, wenn du noch Appetit auf Streetfood hast.

Tag drei gehört dem Kalk. Entweder eine Bootstour ab dem Vieux-Port, die dir in wenigen Stunden die Buchten von der Seeseite zeigt, oder der Bus nach Luminy und von dort zu Fuß hinunter nach Sugiton oder Morgiou; für Sugiton reservierst du in der Hauptsaison vorher deinen kostenlosen Platz. Wer lieber paddelt, bucht eine Seekajaktour und ist morgens allein zwischen den Felsen. Alternativ verlegst du den Tag ganz nach Cassis, dreißig Kilometer östlich, kombinierst die Calanques En-Vau und Port-Pin mit dem Hafenstädtchen und hängst mit dem Auto die Route des Crêtes an – jene Kammstraße über den höchsten Küstenklippen Frankreichs, die von Cassis über das Cap Canaille nach La Ciotat führt, von wo die Autobahn zurück nach Marseille geht. An Tagen mit hoher Waldbrandgefahr bleibt sie zu.

Zwei Varianten für den Fall, dass es anders kommt. Bläst der Mistral, fallen Boote und Kajaks aus – dann tauschst du den Calanques-Tag gegen Museen, die Gassen von Le Panier oder einen Ausflug nach Aix-en-Provence, das mit dem Zug in gut einer halben Stunde erreichbar ist. Auch die Fähre zum Château d'If quert die offene Reede und gehört bei Wind zu den ersten Ausfällen. Und wer vier Tage hat, hängt L'Estaque im Norden an, mit dem Cézanne-Rundweg und Panisses am Hafen, oder fährt in die Camargue. Umgekehrt gilt für ganz kurze Aufenthalte: Wenn nur ein Tag bleibt, nimm Hafen, Panier, MuCEM und die Basilika und lass die Calanques bewusst für den nächsten Besuch stehen.

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Inseln & Strände

Château d'If, die Frioul-Inseln und Marseilles Strände

Vor der Reede liegen vier Inseln, und die Fähre dorthin legt mitten in der Stadt am Quai des Belges ab.

Calanques
Calanques

Das Château d'If ist die bekannteste davon und liegt der Stadt am nächsten. François I. ließ die Festung im 16. Jahrhundert auf einen Felsen vor der Hafeneinfahrt setzen, um die Reede zu sichern; genutzt wurde sie vor allem als Gefängnis, in dem über Jahrhunderte politische Häftlinge und Protestanten saßen. Weltberühmt machte sie Alexandre Dumas, der hier seinen Grafen von Monte Christo einkerkerte – die Zelle, die man Besuchern zeigt, ist reine Literatur, das Loch in der Mauer entsprechend inszeniert. Die Überfahrt dauert rund eine Viertelstunde, der Rundgang über Hof, Zellen und Wehrgänge etwa eine Stunde, und der Blick zurück auf die Stadt ist ehrlich gesagt der bessere Teil des Ausflugs.

Direkt dahinter liegt der Frioul-Archipel, zwei kahle Kalkinseln, die ein Damm verbindet. Hier ist es leerer, weiter und deutlich besser zum Baden: kleine Buchten mit klarem Wasser, ein Hafenweiler mit ein paar Lokalen, Wanderwege über karge Hänge und die Ruine des Hôpital Caroline, einer Quarantänestation des 19. Jahrhunderts, in der Schiffsbesatzungen aus Übersee unter Beobachtung standen, bis eine Gelbfieber-Ansteckung ausgeschlossen war. Es gibt kaum Schatten und keine Versorgung außerhalb des Hafens, nimm also Wasser, Hut und Badeschuhe mit. Beide Ziele lassen sich mit demselben Fährticket zu einem Halbtag kombinieren, wenn du früh startest.

Baden geht auch ohne Boot. Die Plage des Catalans westlich des Pharo ist der Stadtstrand, den du zu Fuß vom Hafen erreichst, klein, voll und mitten im Leben. Die Plages du Prado am Ende der langen Avenue sind das große Gegenstück, in den 1970er Jahren aus dem Aushub des Metrobaus ins Meer geschüttet, mit Rasenflächen, Sportfeldern, Duschen und genug Platz für einen ganzen Nachmittag. Dazwischen liegen an der Corniche die kleinen Anses – Malmousque, Maldormé –, wo du eher von Felsen als von Sand ins Wasser steigst und wo Marseiller schwimmen, wenn die Strände voll sind.

Ein paar Hinweise zum Wasser. Das Mittelmeer erreicht hier im August um die 24 Grad und bleibt bis in den Oktober angenehm, während es im Frühjahr trotz warmer Luft noch empfindlich kühl ist. Bei starkem Mistral wird das Wasser rau und kalt, weil der Wind Oberflächenwasser abtransportiert – ein Phänomen, das sich innerhalb eines Tages einstellen kann. An felsigen Einstiegen sind Badeschuhe sinnvoll, weil Seeigel zwischen den Steinen sitzen, und nach heftigem Regen raten die Behörden gelegentlich vom Baden an den Stadtstränden ab, weil das Kanalsystem überläuft. Ein Blick auf die aktuellen Aushänge am Strand genügt.

Anreise & vor Ort

Anreise nach Marseille und unterwegs mit Metro, Tram und Fähre

Der Bahnhof liegt so, dass du von der Bahnsteigkante über eine Freitreppe direkt in die Stadt hinuntergehst – das erledigt die Anreise fast von selbst.

Mit der Bahn ist Marseille aus Deutschland gut erreichbar, in aller Regel über Paris, Straßburg oder Lyon. Ab Paris Gare de Lyon fährt der TGV nach Marseille Saint-Charles in etwa drei bis dreieinhalb Stunden; je nach Fahrplan gibt es auch Direktverbindungen aus Frankfurt über das Rhonetal, deren Verfügbarkeit du am besten aktuell prüfst. Der Kopfbahnhof Saint-Charles liegt auf einer Anhöhe über dem Zentrum, und die monumentale Freitreppe von 1925 bringt dich in wenigen Minuten hinunter Richtung Canebière und Vieux-Port. Für Gepäck gibt es seitlich Aufzüge; wer den Weg abkürzen will, nimmt vom Bahnhof direkt die Metro.

Der Flughafen Marseille Provence liegt rund 25 Kilometer nordwestlich bei Marignane und wird aus mehreren deutschen Städten direkt angeflogen. Vom Terminal fährt ein Shuttlebus zum Bahnhof Saint-Charles, für den du je nach Verkehr etwa eine halbe Stunde einplanst; alternativ bringt dich ein Zubringer zum nahen Bahnhof Vitrolles Aéroport, von dem regionale Züge ins Zentrum fahren. Ein Taxi ist deutlich teurer und im Berufsverkehr nicht schneller. Wer von Marseille aus weiterreist, sollte wissen, dass der Flughafen auch für Aix-en-Provence, die Camargue und die Küste bis Cassis der praktische Ausgangspunkt ist.

In der Stadt selbst kommst du mit zwei Metrolinien, drei Tramlinien und einem dichten Busnetz aus. Die Metro deckt die Achse zwischen Bahnhof, Vieux-Port und den südlichen Vierteln ab, für die Basilika, die Corniche und Luminy nimmst du Busse; Tickets gelten in allen Verkehrsmitteln und lassen sich als Tages- oder Mehrtageskarte kaufen. Ein Detail für die Abendplanung: Die Metro schließt vergleichsweise früh, prüfe also die letzte Fahrt, bevor du dich auf sie verlässt. Und das Ferry Boat über den Vieux-Port ist zwar kein ernsthaftes Verkehrsmittel, spart aber tatsächlich den Weg um das ganze Becken.

Vom Auto ist im Stadtzentrum eher abzuraten. Die Altstadtgassen sind eng, viele Bereiche am Hafen sind für den Verkehr gesperrt, und Parkplätze findest du praktisch nur in Parkhäusern zu Tagessätzen. Sinnvoll wird der Wagen erst, wenn du die Umgebung erschließen willst – Cassis und die Route des Crêtes, die Camargue, das Luberon-Hinterland. Für die naheliegenden Ziele geht es auch ohne: Nach Aix-en-Provence fährt der Zug in gut einer halben Stunde, nach Cassis ebenfalls per Bahn, wobei der Bahnhof dort oberhalb des Ortes liegt und ein Shuttlebus die letzten Kilometer übernimmt.

Mietwagen

Die schönsten Orte liegen abseits von Bahn und Bus — mit dem Mietwagen bist du flexibel.

Praktische Tipps

Marseille-Tipps zu Sicherheit, Mistral und Alltag

Marseille hat einen Ruf, der dem heutigen Stadtbild nur noch teilweise entspricht – ein paar Regeln ersparen dir trotzdem Ärger.

MuCEM
MuCEM

Zur Sicherheit das Nüchterne: Die Gewaltkriminalität, über die berichtet wird, betrifft ganz überwiegend Milieus und Viertel, in die kein Reisender kommt. Was dich betrifft, ist Taschendiebstahl, und der konzentriert sich auf die üblichen Orte – Bahnhofsumgebung, Canebière, volle Metro, die Gassen um Noailles und Belsunce. Trag Wertsachen dicht am Körper, lass das Handy nicht auf dem Cafétisch liegen und meide nach Einbruch der Dunkelheit die Straßen zwischen Bahnhof und Noailles zugunsten der belebten Achsen. Im Mietwagen bleibt nichts sichtbar liegen, auch nicht für zehn Minuten – Aufbrüche an den Wanderparkplätzen zu den Calanques sind ein bekanntes Ärgernis.

Der Mistral ist der zweite Faktor, den Reisende unterschätzen. Der kalte Fallwind schießt durch das Rhonetal aufs Meer hinaus, weht oft mehrere Tage am Stück und kann im Winter wie im Sommer auftreten. Er bringt spektakulär klare Sicht und tiefblauen Himmel, macht aber Bootstouren, Kajakfahrten und das Baden unattraktiv bis unmöglich und lässt gefühlte Temperaturen deutlich fallen. Nimm auch im Sommer eine Windjacke mit, plane wetterabhängige Programmpunkte flexibel und schau am Vorabend in die Vorhersage. Im Hochsommer gilt umgekehrt: Zwischen 12 und 16 Uhr ist auf dem weißen Kalk der Calanques kaum auszuhalten, dann sind Museen, Schatten und Wasser dran.

Im Alltag ist Marseille unkomplizierter, als sein Ruf vermuten lässt. Kartenzahlung ist überall verbreitet, Trinkgeld ist im Preis enthalten und wird nur aufgerundet, Leitungswasser bekommst du als carafe d'eau kostenlos zum Essen. Mit ein paar französischen Wörtern kommst du deutlich weiter, weil Englisch außerhalb der Hotels nicht selbstverständlich ist. Sonntags haben viele Läden geschlossen, Märkte und Restaurants dagegen nicht. Und wenn du an einem Spieltag von Olympique Marseille in der Stadt bist, wirst du es merken, ob du willst oder nicht – das Stade Vélodrome bietet an spielfreien Tagen Führungen an, für die man vorher ein Ticket lösen sollte.

Zum Schluss die Mitbringsel, die tatsächlich aus Marseille kommen. Savon de Marseille, die grüne oder ockerfarbene Blockseife auf Olivenölbasis, gibt es in jedem zweiten Laden im Panier; achte auf den eingeprägten Ölanteil und kaufe lieber in einer Seifensiederei als am Souvenirstand. Dazu Navettes aus der Bäckerei bei Saint-Victor, Pastis, Kräuter der Garrigue und die Santons, jene bemalten Krippenfiguren aus Ton, für die es im Advent am Vieux-Port einen eigenen Markt gibt. Wer Kunsthandwerk sucht, findet in den Werkstätten von Le Panier Keramik und Textilien, die deutlich mehr taugen als die Massenware entlang der Kaipromenade.

Stadtviertel

Die Stadtviertel von Marseille – und welches zu dir passt

Vieux-PortVieux-PortSeit 2.600 Jahren das Zentrum der Stadt: ein von zwei Forts flankiertes Becken voller Masten, mit Fischmarkt am Quai des Belges, Terrassen an der Nordseite und Norman Fosters Spiegeldach über dem Ganzen. Von hier legen die Boote nach Château d'If, Frioul und in die Calanques ab.Ideal für: Erste Orientierung1 TagLe PanierLe PanierDas älteste Viertel Marseilles auf dem Hügel über dem Hafen, dort, wo die Griechen ihr Massalia gründeten. Ockerfarbene Gassen, steile Treppen, bemalte Fassaden, Keramik- und Seifenwerkstätten, und mittendrin die Vieille Charité mit ihren dreistöckigen Arkaden und der ovalen Barockkapelle.Ideal für: Altstadt zu Fuß½ TagCours Julien / Notre-Dame-du-MontCours Julien / Notre-Dame-du-MontDas künstlerische Marseille östlich der Canebière, wo praktisch jede Wand bemalt ist und die Treppenaufgänge farbig gefasst sind. Plattenläden, Ateliers, Buchhandlungen und Bars, dazu Marktstände auf der Place Jean Jaurès – abends die lebendigste Ecke der Stadt.Ideal für: Street-Art & Abende½ TagLe Roucas-BlancLe Roucas-BlancEin verwinkeltes Wohnviertel an den Hängen zwischen Notre-Dame de la Garde und dem Meer, das die Marseiller gern ihr Montmartre nennen. Hinter Pinien und alten Sommerhäusern reißt immer wieder der Blick auf die Reede auf, darunter läuft die Corniche mit dem Vallon des Auffes.Ideal für: Meerblick & Ruhe½ TagLe Prado / PerierLe Prado / PerierDas bürgerliche Marseille im Süden, mit Haussmann-Fassaden entlang der breiten Avenue du Prado, gepflegten Wohnstraßen und dem Parc Borély. Am Ende der Achse liegen die aufgeschütteten Stadtstrände, in der Nähe außerdem das Stade Vélodrome und Le Corbusiers Cité Radieuse.Ideal für: Strand & Architektur½–1 TagLa JolietteLa JolietteDas Schaufenster des Stadtumbaus im Norden: Wo Lagerhallen brachlagen, stehen heute die umgenutzten Docks von 1858, das Einkaufszentrum Les Terrasses du Port mit Dachterrasse über den Fährbecken und zwei Hochhäuser von Zaha Hadid und Jean Nouvel.Ideal für: Moderne & Hafenblick½ Tag
Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Marseille zwischen Mistral und Badesaison

Marseille zählt zu den sonnigsten Städten Frankreichs, aber die Jahreszeiten unterscheiden sich weniger über die Temperatur als über Wind, Wassertemperatur und Andrang.

Das Klima ist mediterran mit trockenen, heißen Sommern und milden Wintern, in denen Frost die Ausnahme bleibt. Der Regen fällt konzentriert im Herbst und im Frühjahr, oft als kräftiger Guss statt als Dauerregen. Prägender als das Thermometer ist der Mistral, der kalte Fallwind aus dem Rhonetal, der zu jeder Jahreszeit mehrere Tage am Stück wehen kann und dann Bootstouren, Kajakfahrten und Badepläne kippt. Dazu kommt die Sommerregel des Nationalparks: Bei hoher Waldbrandgefahr sind die Zugänge zu den Calanques nur vormittags offen oder ganz gesperrt.

Jan11°3°klar und windig, Museumswetter
Feb12°3°Chandeleur mit Navettes bei Saint-Victor
Mär15°6°erste Terrassen, Meer noch kalt
Apr18°8°grüne Garrigue, gutes Wanderwetter
Mai22°12°warm, Calanques frei zugänglich
Jun27°16°lange Abende, Badesaison beginnt
Jul30°18°heiß, Zugangsbeschränkungen, voll
Aug30°18°wärmstes Meer, teuerste Zimmer
Sep25°15°Wasser warm, Stadt wieder ruhig
Okt21°12°milde Wandertage, gelegentlich Regen
Nov15°7°kühl und feucht, wenig Andrang
Dez12°4°Santonmarkt am Vieux-Port

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Die beste Reisezeit für Marseille sind Mai, Juni, September und Oktober. Dann liegen die Höchstwerte zwischen etwa 21 und 27 Grad, und die Hotelpreise sind spürbar niedriger als in der Hochsaison. Im Mai und im Oktober wanderst du in den Calanques ohne die sommerliche Waldbrandregelung, die von Juni bis September gilt. Das Meer ist im September mit rund 23 Grad noch fast so warm wie im Hochsommer, im Oktober kühlt es auf etwa 20 Grad ab. Juli und August sind heiß, teuer und voll, dafür ideal für reine Badetage. Der Winter ist mild und klar, aber vom Mistral geprägt – gut für Museen, Panier und Bouillabaisse, nichts fürs Boot.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Marseille

Wie viele Tage sollte man für Marseille einplanen?
Zwei volle Tage decken Hafen, Panier, MuCEM, Notre-Dame de la Garde und die Corniche ab. Der dritte Tag gehört den Calanques, per Boot ab dem Vieux-Port oder zu Fuß ab Luminy. Bei vier Tagen passen zusätzlich Château d'If mit den Frioul-Inseln, L'Estaque im Norden oder ein Abstecher nach Cassis oder Aix-en-Provence dazu.
Wie kommt man von Marseille aus in die Calanques?
Drei Wege funktionieren. Ausflugsboote fahren ab dem Quai des Belges und zeigen die Buchten von See. Zu Fuß startest du am Campus Luminy, den ein Stadtbus bedient, und läufst in rund einer Stunde nach Sugiton oder Morgiou. Für Sugiton brauchst du in der Hauptsaison ein kostenloses Online-Kontingent. Die dritte Variante ist eine geführte Seekajaktour.
Sind die Calanques im Sommer gesperrt?
Teilweise ja. In den heißen Monaten legt die Präfektur täglich für den Folgetag eine Waldbrandstufe fest; je nach Einstufung sind die Zugänge nur vormittags geöffnet oder ganz geschlossen. Prüfe die Lage am Vorabend, starte früh und plane einen Ersatz ein, falls gesperrt wird. Im Frühjahr und Oktober tritt das Problem praktisch nicht auf.
Woran erkennt man eine echte Bouillabaisse in Marseille?
An drei Dingen. Sie wird in zwei Gängen serviert, erst die Brühe mit Rouille, Croûtons und Käse, dann der am Tisch filetierte Fisch. Sie besteht aus mehreren Felsenfischarten und nicht aus Resten. Und sie ist teuer, weil der Fisch es ist. Viele Häuser haben die Charte de la Bouillabaisse Marseillaise unterzeichnet und hängen sie aus. Vorbestellen ist üblich, oft einen Tag vorher.
In welchem Viertel wohnt man in Marseille am besten?
Rund um den Vieux-Port bist du zu allem zu Fuß unterwegs und abends unabhängig von Bus und Metro. Le Panier ist charmant, aber steil und laut. Die Corniche und Le Roucas-Blanc bieten Meerblick und Ruhe, kosten dich dafür jedes Mal eine Busfahrt. La Joliette im Norden ist günstiger, modern und gut an Metro und Tram angebunden.
Ist Marseille gefährlich für Touristen?
Die Schlagzeilen betreffen fast ausschließlich Viertel und Milieus, mit denen Reisende nichts zu tun haben. Das reale Risiko ist Taschendiebstahl rund um Bahnhof, Canebière, Metro und Noailles. Halte Wertsachen am Körper, lass nichts im Auto liegen und meide nachts die Nebenstraßen zwischen Bahnhof und Noailles. Tagsüber bewegst du dich in den Besucherzonen unproblematisch.
Lohnt sich der Besuch von Château d'If?
Wenn dich der Graf von Monte Christo interessiert, unbedingt – auch wenn die gezeigte Zelle reine Literatur ist. Die Festung selbst stammt aus dem 16. Jahrhundert und diente lange als Gefängnis. Der eigentliche Gewinn ist der Blick von der Insel zurück auf Stadt und Basilika. Kombiniere die Überfahrt am besten mit den Frioul-Inseln, dort kannst du zusätzlich baden.
Wann ist die beste Reisezeit für Marseille?
Mai, Juni, September und Oktober bieten die beste Mischung. Die Höchstwerte liegen dann zwischen etwa 21 und 27 Grad, und die Zimmerpreise sind niedriger als im Hochsommer. Im Mai und Oktober sind die Calanques ohne die Waldbrand-Regelung begehbar, die von Juni bis September gilt. Das Meer ist im September mit rund 23 Grad noch warm, im Oktober kühlt es auf etwa 20 Grad ab. Juli und August sind heiß, voll und teuer, aber ideal zum Baden.
Braucht man in Marseille ein Auto?
Für die Stadt nicht. Zwei Metrolinien, drei Trams und ein dichtes Busnetz decken alles ab, Parken ist teuer und Parkplätze sind knapp. Ein Mietwagen lohnt erst, wenn du die Umgebung willst, also Cassis mit der Route des Crêtes, die Camargue oder das Hinterland. Aix-en-Provence erreichst du direkt mit dem Zug, Cassis per Bahn und Anschlussbus vom Bahnhof oberhalb des Ortes.
Wie kommt man vom Flughafen Marseille ins Zentrum?
Der Flughafen Marseille Provence liegt rund 25 Kilometer nordwestlich bei Marignane. Am einfachsten ist der Shuttlebus zum Bahnhof Saint-Charles, für den du je nach Verkehr etwa eine halbe Stunde einplanst. Alternativ bringt dich ein Zubringer zum Bahnhof Vitrolles Aéroport, von dem Regionalzüge ins Zentrum fahren. Taxis sind teurer und im Berufsverkehr nicht schneller.
Kann man in Marseille direkt in der Stadt baden?
Ja. Die Plage des Catalans westlich des Palais du Pharo erreichst du zu Fuß vom Vieux-Port, sie ist klein und entsprechend voll. Die weitläufigen Plages du Prado am Ende der Avenue du Prado wurden in den 1970er Jahren aufgeschüttet und bieten Rasen, Duschen und Platz. An der Corniche steigt man an kleinen Felsbuchten ins Wasser, Badeschuhe sind dort sinnvoll.
Was sollte man in Marseille unbedingt probieren?
Bouillabaisse in einem Haus, das sie in zwei Gängen serviert, dazu Rouille und Croûtons. Für zwischendurch Panisses, die frittierten Scheiben aus Kichererbsenmehl, die es besonders am Hafen von L'Estaque gibt. Zum Kaffee die bootförmigen Navettes mit Orangenblütenaroma. Und als Apéro einen Pastis mit Wasser aus dem Krug, der in Marseille erfunden wurde.
Was macht man in Marseille bei Mistral oder Regen?
Der Mistral legt Boote und Kajaks lahm, lässt aber die Sicht klar werden. Dann sind das MuCEM samt Fort Saint-Jean, die Museen im Palais Longchamp, die Vieille Charité im Panier und das Musée d'Histoire mit dem antiken Hafen an der Reihe. Bei Regen funktionieren zusätzlich die Docks und Les Terrasses du Port in der Joliette sowie eine Führung durch die Cité Radieuse.
Wie kommt man von Marseille nach Cassis oder Aix-en-Provence?
Nach Aix-en-Provence fährt der Zug ab Saint-Charles in gut einer halben Stunde, dazu gibt es dichte Busverbindungen. Nach Cassis fährt ebenfalls die Bahn, allerdings liegt der Bahnhof oberhalb des Ortes, sodass ein Shuttlebus die letzten Kilometer übernimmt. Mit dem Auto lässt sich Cassis um die Route des Crêtes über das Cap Canaille nach La Ciotat verlängern, von wo die Autobahn zurück nach Marseille führt.

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MarseilleZwischen dem Fischmarkt am Vieux-Port und den weißen Kalkwänden der Calanques liegen keine zwanzig Kilometer – Marseille ist Großstadtlärm und Küstenwanderung am selben Tag.

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