◆ STADT · PROVENCE
Aix-en-Provence ist die Stadt, die Cézanne nie loslassen wollte – und die einen umgekehrt selbst nicht mehr loslässt. Unter den Platanen des Cours Mirabeau plätschern moosgrüne Brunnen, in den honigfarbenen Gassen des Quartier Mazarin reihen sich Adelspalais an Antiquare, und über allem liegt jenes klare, harte Licht, das den Maler an die Montagne Sainte-Victoire trieb. Das alte Aquae Sextiae der Römer ist heute eine elegante Universitätsstadt mit über tausend Springbrunnen, Calisson-Confiseuren und einem Markt, der dreimal die Woche die ganze Provence auf die Plätze bringt. Wer hier ankommt, kommt zum Bummeln, Sitzen und Schauen – und bleibt, weil das Tempo stimmt.
Aix beginnt mit Wasser. 122 v. Chr. gründeten die Römer hier Aquae Sextiae, das „Wasser des Sextius“, um die heißen Quellen am Fuß der Garrigue – noch heute heißt das Thermalbad Thermes Sextius nach jenem Konsul. Aus den Quellen wurde im Lauf der Jahrhunderte ein Wahrzeichen: Über tausend Brunnen sprudeln in der Stadt, vom monumentalen Rondell der Fontaine de la Rotonde am Eingang bis zur moosüberwachsenen, lauwarmen Fontaine d'Eau Chaude mitten auf dem Cours Mirabeau, an der die Aixois ihre Hände wärmen.
Ihre Blütezeit erlebte Aix als Hauptstadt der Provence und Sitz des Parlaments. Im 17. und 18. Jahrhundert ließen die Magistrate und der Adel südlich des Cours Mirabeau das Quartier Mazarin anlegen – ein streng gerastertes Viertel aus honigfarbenen Stadtpalais (hôtels particuliers), in dessen Mitte die zierliche Fontaine des Quatre-Dauphins steht. Wer durch die Rue Cardinale schlendert, liest die Fassaden wie ein Adelsregister: schmiedeeiserne Balkone, geschnitzte Portale, kühle Innenhöfe hinter schweren Toren.
Und dann ist da Cézanne. Paul Cézanne wurde 1839 in Aix geboren, kehrte nach Paris immer wieder hierher zurück und malte die Montagne Sainte-Victoire über achtzig Mal, bis sie zum Inbegriff der modernen Malerei wurde. Sein letztes Atelier auf dem Hügel Les Lauves ist erhalten, als hätte er es eben verlassen – Mantel am Haken, Schädel und Flaschen auf dem Tisch. Wer Aix verstehen will, folgt den Bronzeplaketten mit dem großen „C“ im Pflaster und schaut die Stadt mit den Augen ihres berühmtesten Sohnes: als ein Spiel aus Volumen, Schatten und diesem unbestechlichen südlichen Licht.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Hotels
· Restaurants
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Auf den Spuren Cézannes
Vom Atelier des Lauves, in dem Cézannes Hut noch am Haken hängt, führt die Spurensuche zum Geburtshaus, zum Familiengut Jas de Bouffan und hinauf zum Aussichtspunkt Terrain des Peintres, von dem aus der Maler immer wieder den Berg festhielt. Die Bronzeplaketten mit dem „C“ im Pflaster verbinden die Stationen zu einem Stadtrundgang durch ein einziges Künstlerleben.
Altstadt, Brunnen & Markt
Der Cours Mirabeau teilt Aix in zwei Welten: nördlich das verwinkelte Vieux Aix mit Markt, Rathaus und Uhrturm, südlich das streng gerasterte Quartier Mazarin der Adelspalais. Dazwischen sprudeln die Brunnen – die Fontaine de la Rotonde, die warme Fontaine d'Eau Chaude, die Vier Delphine. Der Markt auf der Place Richelme findet täglich statt, der große Bauernmarkt dienstags, donnerstags und samstags. Als Geheimtipp lohnt am Morgen ein Bummel, bevor die Confiserie-Gassen sich füllen.
Kunst von Barock bis Op-Art
Aix ist erstaunlich kunstdicht: Das Musée Granet zeigt von Ingres bis zu einem Saal Cézanne-Werken, das Hôtel de Caumont inszeniert große Ausstellungen in einem Barockpalais mit Garten und Salon de Thé, und am Stadtrand schraubt sich die Fondation Vasarely in optischen Wabenbauten in den provenzalischen Himmel. Wer Zeit hat, kombiniert klassische Moderne mit kinetischer Op-Art.
Süß & provenzalisch
Das Wahrzeichen ist süß: der Calisson, eine rautenförmige Spezialität aus Mandeln, kandierten Melonen und Orangenblüte, die seit Jahrhunderten in den Confiserien der Stadt gefertigt wird. Dazu kommen die Aromen der Provence – Olivenöl, Lavendelhonig, Ziegenkäse und Tapenade vom Markt, ein Glas Rosé aus der Appellation Coteaux d'Aix und am Abend Bouillabaisse-Verwandtes aus dem nahen Marseille.
03 · Wann
Aix liegt im sonnenverwöhnten Inland der Provence, geschützter als die Küste, aber dem heißen, trockenen Sommer und gelegentlich dem Mistral ausgesetzt. Frühling und Frühherbst sind die ideale Zeit: dann ist es mild, die Platanen spenden Schatten, und die Festivalmassen des Juli sind noch fern oder schon abgereist. Der Hochsommer ist heiß und voll, der Winter mild, klar und ruhig.
04 · Häufige Fragen
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind der Cours Mirabeau mit seinen Platanen und Brunnen, die Altstadt Vieil Aix mit Kathedrale Saint-Sauveur und Markttreiben, das gerasterte Quartier Mazarin mit der Fontaine des Quatre-Dauphins und dem Musée Granet sowie das Atelier de Cézanne am Hügel Les Lauves. Wer Zeit hat, ergänzt das Hôtel de Caumont und die Op-Art-Wabenbauten der Fondation Vasarely am Stadtrand.
Abseits der Confiserie-Gassen lohnen die stillen Plätzchen wie die Place des Trois-Ormeaux, ein Aperitif am Abend auf der weniger touristischen Place des Cardeurs und der Aussichtspunkt Terrain des Peintres oberhalb der Stadt mit dem Cézanne-Blick auf die Montagne Sainte-Victoire. Früh am Morgen, wenn die Marktstände auf der Place Richelme aufbauen, gehört die Altstadt fast nur den Einheimischen.
Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal: angenehm milde 18 bis 26 °C, schattige Caféterrassen und Märkte ohne die größten Menschenmassen. Der Hochsommer (Juli/August) ist heiß und durch das Festival d'Aix sehr voll, der Winter mild und ruhig, aber gelegentlich mistralkalt.
Für einen ersten Eindruck der Altstadt mit Cours Mirabeau, Quartier Mazarin und Markt genügt ein Tag. Wer dem Cézanne-Pfad zum Atelier und zum Jas de Bouffan folgt, die Museen Granet, Caumont und Vasarely besucht und einen Abstecher zur Montagne Sainte-Victoire macht, plant besser zwei bis drei Tage ein – Aix eignet sich zudem hervorragend als Standort für Tagesausflüge durch die Provence.
Das süße Wahrzeichen ist der Calisson: eine rautenförmige Spezialität aus Mandelmasse, kandierter Melone und Orangenblüte mit dünner Zuckerglasur, hergestellt in traditionsreichen Confiserien wie der Maison du Roy René. Dazu kommen die Aromen der Provence – Tapenade, Olivenöl, Lavendelhonig und Ziegenkäse vom Markt – und ein Glas Rosé aus der lokalen Appellation Coteaux d'Aix-en-Provence.
Vom Flughafen Marseille-Provence (MRS) fährt ein Shuttlebus in rund 30 bis 40 Minuten zur Gare Routière im Zentrum. Der TGV-Bahnhof Aix-en-Provence TGV liegt außerhalb der Stadt; von dort bringt ein Buspendel in etwa 15 Minuten ins Zentrum. Innerhalb der Altstadt ist man am besten zu Fuß unterwegs.
05 · In der Nähe
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