Antibes ist die Côte d'Azur ohne Pose. Hinter der ockerfarbenen Festungsmauer, die der Militärbaumeister Vauban einst über dem Meer errichten ließ, drängt sich die Altstadt aus engen Gassen, lichtdurchfluteten Plätzen und dem überdachten Marché Provençal auf dem Cours Masséna, wo es morgens nach Lavendel, Oliven und reifen Tomaten duftet. Vor den Wällen ankern im Port Vauban, dem größten Yachthafen Europas, die Segelriesen Bord an Bord mit kleinen Fischerbooten – ein Bild, das den Doppelcharakter dieser Stadt einfängt: Glanz und Alltag dicht beieinander.
Das kulturelle Herz von Antibes ist das Château Grimaldi, hoch über dem Wasser gelegen. Hier verbrachte Pablo Picasso 1946 einen ganzen Sommer und schuf eine Fülle von Werken, die er der Stadt überließ. Heute beherbergt das Gebäude das Musée Picasso, und seine Bilder hängen genau dort, wo sie entstanden – mit dem Mittelmeer als Hintergrund. Nur wenige Schritte entfernt liegt die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Platea mit ihrer barocken Fassade, und die Promenade Amiral-de-Grasse führt entlang der alten Stadtmauer mit weitem Blick auf die Baie des Anges.
Wer Antibes ganz verstehen will, fährt hinaus auf die bewaldete Halbinsel Cap d'Antibes. Zwischen Pinien und hohen Pflanzenwänden verbergen sich die diskretesten Villen und Hotels der Riviera, und der Sentier du Littoral, ein Küstenpfad, führt über Felsen und durch versteckte Buchten. Im Westen schließt sich Juan-les-Pins an, das mondäne Seebad, das jeden Sommer beim Jazz-Festival „Jazz à Juan“ unter den Pinien zum Leben erwacht. Zwischen Festungsstadt, Künstlererbe und stillen Küstenwegen bietet Antibes die ganze Bandbreite der Côte d'Azur – nur ungeschminkter als die berühmteren Nachbarn.