Saint-Tropez ist das Dorf, das die Welt sich als Sinnbild der Côte d'Azur ausgemalt hat – und das trotzdem nie ganz Dorf zu sein aufgehört hat. Am Quai Jean Jaurès liegen die Megajachten Bug an Bug, während Sénéquier seine berühmten roten Stühle in die Mittagssonne stellt und der Duft von Café und Salzwasser über den Hafen zieht. Wer sich vom Trubel des Vieux Port abwendet, steht plötzlich in den schmalen, ockerfarbenen Gassen der Altstadt, wo sich seit Jahrzehnten kaum etwas verändert hat.
Über dem alten Fischerviertel La Ponche wacht die Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert, deren Wälle einen weiten Blick über den Golf von Saint-Tropez bis zu den Maures-Bergen freigeben. Hier, in den ehemaligen Festungsbauten, erzählt das Musée d'Histoire Maritime von einer Vergangenheit, in der Seeleute und Fischer das Bild des Ortes prägten – lange bevor Brigitte Bardot 1956 mit „Und immer lockt das Weib“ den Mythos vom mondänen Saint-Tropez begründete. Auch das Musée de l'Annonciade, untergebracht in einer entweihten Kapelle direkt am Hafen, lohnt den Besuch: Es zeigt Werke von Signac, Matisse und Bonnard, die das besondere Licht dieser Küste auf die Leinwand bannten.
Das Leben spielt sich auf der Place des Lices ab, wo unter alten Platanen wochentags Pétanque gespielt und zweimal die Woche ein Markt mit provenzalischen Oliven, Lavendel und Käse abgehalten wird. Wenige Kilometer südlich beginnt der drei Kilometer lange Pampelonne-Strand, gesäumt von Strandclubs, deren Namen längst zum Wortschatz des Riviera-Sommers gehören. Zwischen Glamour und Pétanque, zwischen Sonnenuntergang am Quai und einem stillen Morgen in den Gassen von La Ponche zeigt Saint-Tropez, dass das provenzalische Original unter dem Glanz weiterlebt – man muss nur früh kommen oder spät bleiben.