Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Avignon
Alles Wesentliche liegt innerhalb der Stadtmauer, und vom Bahnhof bis zum Papstpalast läufst du gut zehn Minuten geradeaus.
Das Palais des Papes ist der Grund, warum Avignon keine Provinzstadt an der Rhône geblieben ist. Zwischen 1335 und 1352 ließen zwei Bauherren, Benedikt XII. und Clemens VI., zwei Paläste ineinanderwachsen – den strengen Alten und den prunkvolleren Neuen Palast, zusammen rund 15.000 Quadratmeter Grundfläche und damit den größten gotischen Palastbau der Welt. Seit 1995 steht er zusammen mit dem bischöflichen Ensemble, der Brücke und der Altstadt als historisches Zentrum von Avignon auf der UNESCO-Welterbeliste. Davor öffnet sich der weite Place du Palais, an dessen Nordende das Musée du Petit Palais im einstigen Erzbischofssitz steht: italienische Malerei des 13. bis 16. Jahrhunderts aus der Sammlung Campana, darunter eine Madonna von Botticelli, und das alles ohne Eintritt. Wer nur einen halben Tag hat, sieht hier bereits das Wichtigste.
Gleich neben dem Palast steht die Cathédrale Notre-Dame des Doms, ein romanischer Bau des 12. Jahrhunderts, dessen Turm seit 1859 eine vergoldete Marienstatue trägt – sie ist von halb Avignon aus zu sehen und abends der hellste Punkt der Stadtsilhouette. Dahinter führt ein gepflasterter Weg hinauf in den Jardin du Rocher des Doms, den Garten auf dem Felsen, mit dem die Stadtgeschichte tatsächlich beginnt: Hier lag die erste Siedlung, hoch genug über dem Fluss, um Hochwasser zu überstehen. Von der Terrasse siehst du die Rhône, die Insel Barthelasse, die Türme von Villeneuve-lès-Avignon auf der anderen Seite und an klaren Tagen den kahlen Gipfel des Mont Ventoux. Der Eintritt in den Park kostet nichts.
Von derselben Terrasse blickst du auf die Pont Saint-Bénézet, und das ist der beste Ort, um zu verstehen, was mit ihr geschehen ist. Gebaut wurde sie zwischen 1177 und 1185, mit rund 22 Bögen und fast 900 Metern Länge bis ans andere Ufer; die Rhône hat sie über Jahrhunderte immer wieder weggerissen, bis man den Wiederaufbau im 17. Jahrhundert aufgab. Vier Bögen stehen noch, dazu die zweistöckige Kapelle Saint-Nicolas auf dem zweiten Pfeiler. Und wer das Kinderlied „Sur le pont d'Avignon“ im Ohr hat, sollte wissen, dass nach verbreiteter Lesart nicht auf, sondern unter der Brücke getanzt wurde, drüben auf der Insel Barthelasse. Rundherum zieht sich die Stadtmauer, gut 4,3 Kilometer, im 14. Jahrhundert unter den Päpsten errichtet und im 19. Jahrhundert von Viollet-le-Duc überarbeitet.
Der Rest der Altstadt lebt von seinen Plätzen. Auf dem Place de l'Horloge, dem einstigen römischen Forum, stehen Rathaus und Opernhaus von 1847 nebeneinander, unter den Platanen reihen sich Caféterrassen und ein altes Karussell dreht sich, und über dem Rathaus zeigt der gotische Uhrturm mit seinen Jacquemart-Figuren, woher der Platz seinen Namen hat. Ein paar Minuten südöstlich beginnt die Rue des Teinturiers, eine Kopfsteinpflastergasse entlang eines offenen Arms der Sorgue, an dem noch mehrere Wasserräder der früheren Färbereien hängen. Für Kunst gehst du in die Collection Lambert, deren zeitgenössische Sammlung in zwei Stadtpalais des 18. Jahrhunderts untergebracht ist, oder ins kleine Musée Angladon, in dem das einzige Gemälde van Goghs hängt, das in der Provence geblieben ist.














