Reims trägt zwei Welten in sich, und beide hängen an einem Wort: Geschichte. Über Jahrhunderte war die Stadt im Nordosten Frankreichs der Ort, an dem aus Prinzen Könige wurden. In der gewaltigen Kathedrale Notre-Dame de Reims, einem Meisterwerk der Hochgotik mit ihrer berühmten Skulpturenfassade und dem „lächelnden Engel" (l'ange au sourire), wurden über 30 französische Könige gesalbt – darunter Karl VII. im Jahr 1429 an der Seite der Jeanne d'Arc. Die Fenster Marc Chagalls in der Apsis legen einen tiefblauen Schimmer über das Königsschiff. Doch das eigentliche Geheimnis von Reims liegt unter der Erde. In den crayères, kreideweißen Stollen, die schon die Römer in den weichen Untergrund gruben, reifen heute Millionen Flaschen Champagner in kühler, gedämpfter Stille. Veuve Clicquot, Taittinger, Ruinart, Pommery und Mumm haben hier ihre Keller – ein unterirdisches Labyrinth, in dem die Temperatur das ganze Jahr konstant bleibt und die Cuvées Jahre brauchen, um zu werden, was sie sind. Eine Degustation tief in diesen Gewölben ist das andere große Reims-Erlebnis, der unterirdische Gegenpol zur lichten Kathedrale. Rund um die beiden Wahrzeichen ist Reims eine angenehme, gut erschlossene Stadt: der prächtige Palais du Tau direkt neben der Kathedrale erzählt vom höfischen Krönungszeremoniell, die Basilique Saint-Remi (wie die Kathedrale und der Palast UNESCO-Welterbe) bewahrt eine ältere, romanisch-gotische Ruhe. In den Brasserien rund um die Place Drouet d'Erlon trinkt man am Abend ein Glas Champagner, als wäre es selbstverständlich – was es hier auch ist. Reims liegt rund eine Zugstunde von Paris entfernt und macht damit sowohl als Tagesausflug als auch als Basis für eine Tour durch die Weinberge der Montagne de Reims eine ausgezeichnete Figur.




