◆ STADT · CHAMPAGNE
Reims ist die heimliche Hauptstadt des Champagners und über Jahrhunderte die Krönungsstadt Frankreichs gewesen: In ihrer gewaltigen gotischen Kathedrale wurden 33 Könige gesalbt, darunter Karl VII. an der Seite der Jeanne d'Arc. Unter der Stadt aber liegt ein zweites Reims – kilometerlange Kreidekeller aus der Römerzeit, in denen Veuve Clicquot, Taittinger, Ruinart und Pommery ihre Cuvées reifen lassen. Oben Skulpturenfassaden und der lächelnde Engel, unten kühle, gedämpfte Stille und Millionen Flaschen. Wer Reims besucht, trinkt Geschichte: vom Königsmahl im Palais du Tau bis zur Degustation im Kreidegewölbe ist es nur ein kurzer Weg.
Reims trägt seine Geschichte als doppelte Last und doppeltes Geschenk. Seit der Taufe des Frankenkönigs Chlodwig durch den heiligen Remigius um 498 galt die Stadt als Wiege des christlichen Frankreich – und folgerichtig wurden hier über Jahrhunderte die französischen Könige gekrönt. Die Kathedrale Notre-Dame, im 13. Jahrhundert begonnen, ist das hochgotische Manifest dieses Anspruchs: eine Fassade voller Skulpturen, in deren Reigen der lächelnde Engel, der Ange au sourire, zum heimlichen Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Nebenan bewahrt der Palais du Tau, der frühere Erzbischofspalast, die Säle der Krönungsbankette und die Originalfiguren, die der Witterung von den Türmen geholt wurden.
Im Ersten Weltkrieg lag Reims an der Front; die Kathedrale brannte 1914 unter deutschem Beschuss aus, und große Teile der Stadt wurden zerstört. Was danach entstand, ist eine zweite Schicht: Reims ist heute auch eine Stadt des Art déco, mit der Bibliothèque Carnegie, der Markthalle Boulingrin und ganzen Straßenzügen aus den zwanziger Jahren. Am 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete das Deutsche Reich in einem Schulgebäude von Reims die bedingungslose Kapitulation an der Westfront – der Raum ist als Musée de la Reddition erhalten.
Und dann ist da der Untergrund. Schon die Römer hoben hier kreuzförmige Kreidegruben aus, die crayères, um Baumaterial zu gewinnen; die Champagnerhäuser entdeckten die kühlen, konstant temperierten Gewölbe als ideale Reifekeller. Unter Reims ziehen sich kilometerlange Galerien hin, in denen Veuve Clicquot, Ruinart, Taittinger, Pommery und G.H. Mumm ihre Flaschen lagern. Eine Führung hinab in diese Stille, das Knistern der Hefe, das gedämpfte Licht – und am Ende ein Glas im Halbdunkel – ist das eigentliche Erlebnis von Reims. travelperfect rät, Kellerführungen vorab zu buchen und die Stadt über zwei Tage zu nehmen: einen für die Krönungsstadt, einen für den Champagner.
01 · Auf einen Blick
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02 · Was tun
Krönungsstadt
Die hochgotische Kathedrale Notre-Dame mit ihrer Skulpturenfassade und dem lächelnden Engel, daneben der Palais du Tau mit den Sälen der Krönungsbankette, und ein paar Schritte weiter die romanische Basilique Saint-Remi über dem Grab des heiligen Remigius. Drei UNESCO-Welterbestätten an einem Vormittag, die die ganze Geschichte des königlichen Frankreich erzählen.
Hinab in die Kreide
Im Süden der Stadt, rund um die Place des Droits de l'Homme, liegen die berühmten Maisons. Bei Veuve Clicquot, Taittinger, Ruinart und Pommery führen Treppen hinab in die crayères – kreuzförmige Kreidegruben aus der Römerzeit, in denen Millionen Flaschen reifen. Eine Führung endet stets im Glas; wer mag, vergleicht den Stil mehrerer Häuser an einem Tag.
Tafel & Terroir
Die Champagne ist Genussland: vom zwei Sterne tragenden Le Parc im Domaine Les Crayères bis zur klassischen Brasserie an der Place Drouet-d'Erlon. Auf den Teller kommen Champagner-Sabayon, Jambon de Reims, Boudin blanc und die rosa Biscuits roses de Reims, die man traditionell in ein Glas Champagner tunkt. Dazu ein Glas eines kleinen Winzers aus der Montagne de Reims.
Art déco & Geheimtipps
Nach den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs entstand ein neues Reims im Stil der zwanziger Jahre: die elegante Bibliothèque Carnegie, die restaurierte Markthalle Boulingrin mit ihrem Betongewölbe, ganze Fassadenzeilen im Art déco. Als Geheimtipp gilt der Cryptoportique, eine unterirdische gallo-römische Galerie unter der Altstadt. Wer Geschichte des 20. Jahrhunderts sucht, besucht das Musée de la Reddition, in dem 1945 die Kapitulation an der Westfront unterzeichnet wurde.
03 · Wann
Reims liegt im kühl-gemäßigten Nordosten Frankreichs, mit deutlich kontinentalerem Klima als die Mittelmeerstädte: warme, aber selten drückende Sommer und kühle, oft graue Winter. Die schönste Zeit sind Frühling und Frühherbst – mild, mit langen Tagen und der Weinlese in den umliegenden Champagnerlagen. Die Keller selbst sind ganzjährig kühl und ein willkommener Schattenort an heißen Tagen.
04 · Häufige Fragen
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Reims sind die gotische Krönungskathedrale Notre-Dame mit dem lächelnden Engel, der benachbarte Palais du Tau, die romanische Basilique Saint-Remi und die römische Porte de Mars. Dazu gehört unbedingt eine Kellerführung bei einem der großen Champagnerhäuser – Veuve Clicquot, Pommery oder Taittinger – mit anschließender Degustation.
Abseits von Kathedrale und Keller lohnt sich der Cryptoportique, eine unterirdische gallo-römische Galerie aus dem antiken Durocortorum, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Schön sind außerdem die Art-déco-Markthalle Boulingrin an Markttagen, die blauen Chagall-Fenster im Chor der Kathedrale und die Champagnerbars mit Winzersekten rund um die Place Drouet-d'Erlon statt nur der großen Marken.
Ein Tag reicht für die Höhepunkte: vormittags die Kathedrale Notre-Dame, der Palais du Tau und ein Bummel zur Place Drouet-d'Erlon, mittags eine Brasserie, nachmittags eine Kellerführung im Süden der Stadt mit Degustation. Wer mehr Zeit hat, ergänzt am zweiten Tag die Basilique Saint-Remi und einen Abstecher nach Épernay.
Ja, sehr. Reims verbindet als ehemalige Krönungsstadt drei UNESCO-Welterbestätten – Kathedrale, Palais du Tau und Basilique Saint-Remi – mit den berühmtesten Champagnerkellern der Welt. Durch die TGV-Anbindung (ab Paris rund 45 Minuten) ist die Stadt ideal für eine Städtereise oder einen Tagesausflug, der Geschichte und Genuss verbindet.
Allen voran Champagner, am besten direkt im Keller verkostet. Auf den Teller gehören regionale Spezialitäten wie Jambon de Reims, Boudin blanc, ein Sabayon mit Champagner und die rosa Biscuits roses de Reims, die man traditionell kurz in ein Glas Champagner taucht. Dazu der lokale Senf und Käse wie Chaource aus der Champagne.
Am schnellsten mit dem TGV: Ab Paris Gare de l'Est erreichst du Reims in nur rund 45 Minuten. Der Bahnhof Reims liegt fußläufig zum Zentrum. Wer direkt vom Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle kommt, kann am Bahnhof Champagne-Ardenne TGV halten und spart den Umweg über die Pariser Innenstadt.
05 · In der Nähe
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