Die Legende vom versteinerten Riesen und eine Stadt zwischen Felsen, Meer und Wald
Jeder in Vieste kennt die Geschichte: Pizzomunno, ein junger Fischer von übermenschlicher Schönheit, liebte die Fischerstochter Cristalda. Die neidischen Sirenen, deren Werben er widerstand, zogen Cristalda in die Tiefe – und Pizzomunno erstarrte vor Schmerz zu jenem weißen Kalkfelsen, der bis heute am Nordende des Stadtstrands aufragt. Nur alle hundert Jahre, so erzählt man sich, erwachen die beiden Liebenden für eine einzige Nacht. Max Gazzè trug die Legende 2018 beim Festival von Sanremo vor und machte sie in ganz Italien berühmt; in Vieste war sie nie vergessen.
Die echte Geschichte der Stadt ist nicht weniger dramatisch. Auf dem Felssporn der Punta San Francesco wuchs eine Altstadt aus weiß getünchten Häusern, Treppengassen und Schwibbögen, überragt von der romanischen Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert und dem Kastell, das auf Kaiser Friedrich II. zurückgeht. 1554 überfiel der osmanische Korsar Dragut Vieste; an der Chianca Amara, dem 'bitteren Stein' in der Via Cimaglia, erinnert ein Mahnmal an die Bewohner, die damals enthauptet oder verschleppt wurden. Danach wurden die Mauern verstärkt – und die Stadt blieb, was sie immer war: ein Fischerort am äußersten Rand Apuliens.
Heute leben die Viestani von beidem, vom Fisch und von den Gästen. Die Trabucchi, hölzerne Fischfanggerüste mit weit ausladenden Netzen, werden von Vereinen gepflegt und vorgeführt; vom Hafen starten Boote zu den Meeresgrotten der Steilküste und im Sommer zu den Tremiti-Inseln; und eine halbe Autostunde landeinwärts wartet mit der Foresta Umbra einer der schönsten Buchenwälder Europas, seit 2017 UNESCO-Weltnaturerbe. travelperfect empfiehlt: zwei Tage für Stadt und Strände, einen für das Meer, einen für den Wald – und den Abend immer für die Gassen der Altstadt.
