
◆ ORT · LOMBARDEI
Varenna ist die leise Antwort auf das berühmte Bellagio gegenüber: ein ehemaliges Fischerdorf am Ostufer des Comer Sees, dessen pastellfarbene Häuser sich so steil übereinander stapeln, dass die Gassen zu Treppen werden. Unten verbindet die Passeggiata degli Innamorati, ein schmaler Steg direkt über dem Wasser, den Fähranleger von Olivedo mit dem alten Ortskern um die Piazza San Giorgio. Südlich des Dorfes ziehen sich die Gärten der Villa Monastero am Ufer entlang, oben wacht der Castello di Vezio über die Seegabelung – und wer abends bleibt, wenn die Tagesausflügler mit der letzten Fähre verschwinden, hat einen der schönsten Sonnenuntergänge des Sees fast für sich.

Varenna war über Jahrhunderte ein Dorf der Fischer und Steinmetze. Vom winzigen Hafenbecken der Riva Grande zogen die Boote zum Fang von Agone und Egli hinaus, deren getrocknete Form – die Missoltini – bis heute auf den Speisekarten des Ortes steht. Die Häuser drängen sich in Contrade genannten Gassenzügen den Hang hinauf, verbunden durch Treppen, die so schmal sind, dass sich zwei Menschen kaum begegnen können. Oben öffnet sich die Piazza San Giorgio mit der gotischen Pfarrkirche und dem romanischen Baptisterium San Giovanni Battista, einer der ältesten Kirchen am See.
Im 19. Jahrhundert entdeckten Adel und Großbürgertum das Dorf – und hinterließen die beiden Anwesen, die Varenna bis heute prägen: die Villa Monastero, aus einem Zisterzienserinnenkloster zur Sommerresidenz gewachsen, deren botanischer Garten sich fast zwei Kilometer am Ufer entlangzieht, und die benachbarte Villa Cipressi mit ihren terrassierten Gärten, die heute als Hotel geführt wird. Hoch über beiden hält der Castello di Vezio Wache, ein mittelalterlicher Wachturm, der der Überlieferung nach auf die Langobardenkönigin Theodelinda zurückgeht.
Das heutige Varenna lebt vom Rhythmus der Fähren: Tagsüber spülen die Schiffe aus Bellagio und Menaggio Besucher an den Anleger von Olivedo, abends kehrt die Stille zurück. Genau dann zeigt das Dorf sein wahres Gesicht – beim Aperitivo an der Riva Grande, beim Abendessen in einer Gasse, in der nur noch das Besteck klappert, und auf der Passeggiata, wenn die Lampen über dem Wasser angehen. travelperfect empfiehlt deshalb: mindestens eine Nacht bleiben, besser zwei.
01 · Auf einen Blick
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Villen & Gärten
Südlich des Ortskerns reihen sich Varennas zwei große Anwesen aneinander: die Villa Monastero, deren botanischer Garten sich fast zwei Kilometer in Terrassen am Ufer entlangzieht, und die Villa Cipressi mit ihren Gartenstufen aus Zypressen und Glyzinien. Beide Gärten lassen sich an einem Nachmittag verbinden – am schönsten im Frühling, wenn alles blüht.
Hoch über dem See
Ein gepflasterter Saumpfad führt in rund einer halben Stunde hinauf zum Castello di Vezio, dem mittelalterlichen Wachturm mit Falknerei und freiem Blick auf die Seegabelung. Wer mehr will, hängt eine Etappe des Sentiero del Viandante an – des alten Weitwanderwegs, der das ganze Ostufer entlangzieht.
Centro Lago per Schiff
Vom Anleger in Olivedo verbinden die Fähren Varenna mit Bellagio und Menaggio – jede Überfahrt dauert nur rund eine Viertelstunde und ist Sightseeing für sich. Mit einer Tageskarte lässt sich das berühmte Dreieck des Centro Lago beliebig kreuzen: morgens hinüber, abends zurück zum Sonnenuntergang.
Genuss am Wasser
Varennas Küche gehört dem See: Risotto mit Egli, Missoltini nach Lariana-Art, dazu Weine aus dem nahen Veltlin. Den Auftakt macht der Aperitivo an der Riva Grande, dem winzigen alten Fischerhafen; danach geht es in eine der Gassen-Trattorien – reservieren lohnt sich, die Tische sind gezählt.
03 · Wann
Varenna lebt mit dem Kalender des Sees: Von Frühling bis Herbst sind Gärten, Fähren und Terrassen in vollem Betrieb, über den Winter schließen viele Häuser und das Dorf gehört wieder sich selbst. Das Mikroklima am Comer See ist mild – die Berge halten die kälteste Luft ab, der See speichert die Wärme des Sommers bis weit in den Oktober.
04 · Häufige Fragen
April bis Juni und September bis Oktober sind ideal: mild, Gärten in Blüte beziehungsweise goldenes Herbstlicht, und der Hochsommer-Andrang der Tagesgäste bleibt aus. Im Juli und August ist es mit 26–30 °C am wärmsten, aber auch am vollsten. Von November bis Februar schließen viele Villen, Hotels und Restaurants – das Dorf wird sehr still.
Am einfachsten mit dem Zug: Ab Milano Centrale fahren die Regionalzüge Richtung Tirano/Sondrio in rund einer Stunde bis zum Bahnhof Varenna-Esino. Vom Bahnhof sind es etwa zehn Minuten zu Fuß hinunter zum Fähranleger in Olivedo und weiter über die Passeggiata in den alten Ortskern. Ein Auto braucht man in Varenna nicht – Parkplätze sind ohnehin rar.
Bellagio ist größer, mondäner und voller; Varenna kleiner, steiler und stiller – viele halten es für das atmosphärischste Dorf des Sees. Die gute Nachricht: Man muss sich nicht entscheiden. Die Fähre verbindet beide Orte in rund 15 Minuten, sodass Varenna als ruhige Basis dienen kann, von der aus Bellagio und Menaggio als Tagesausflüge funktionieren.
Für das Dorf selbst – Villa Monastero, Villa Cipressi, Castello di Vezio, Passeggiata und ein langes Abendessen – genügen ein bis zwei Tage. Wer das Fähren-Dreieck nach Bellagio und Menaggio kreuzen, eine Etappe des Sentiero del Viandante wandern und den See in Ruhe genießen will, bleibt besser zwei bis drei Nächte.
Ja – per Zug ab Mailand ist Varenna der am leichtesten erreichbare Ort des Centro Lago, und Villa Monastero plus Passeggiata passen gut in einen Tag. Aber das Dorf zeigt sein schönstes Gesicht nach der letzten Tagesfähre, wenn die Gassen leer werden und die Lampen über dem Wasser angehen. Wer kann, bleibt über Nacht.
05 · In der Nähe
Sag uns, worauf du Lust hast — wir planen deine Tage in Varenna am Comer See.
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