
◆ STADT · LATIUM
Frascati ist der berühmteste Ort der Castelli Romani – eine Kleinstadt an den Hängen der Albaner Berge, kaum eine halbe Bahnstunde von Roma Termini entfernt und doch eine eigene Welt. Über den Dächern thront die Villa Aldobrandini mit ihrem Wassertheater, in den Gassen dampft Porchetta auf den Markttheken, und in Kellern aus Tuffstein reift der Weißwein, der den Namen der Stadt um die Welt getragen hat. Abends füllen sich die Fraschetten, der Blick reicht von der Domfassade bis zum Lichtermeer Roms – Frascati ist die Kunst, das Leben langsamer zu nehmen, ohne auf etwas zu verzichten.

Frascati verdankt seine Existenz einem Untergang: Als die Römer 1191 das alte Tusculum auf dem Berg endgültig zerstörten, siedelten dessen Bewohner an den Hängen darunter – dort, wo heute die Stadt steht. Aus dem Flecken wurde der bevorzugte Sommersitz des römischen Adels und der Kurie; der Bischofssitz von Frascati zählt bis heute zu den traditionsreichen suburbikarischen Diözesen Roms. Und als der Kirchenstaat 1856 seine allererste Eisenbahnlinie eröffnete, führte sie von Rom nicht ans Meer, sondern hierher – zum Wein.
Im 16. und 17. Jahrhundert ließen Kardinäle und Papstnepoten rund um die Stadt ihre Sommerresidenzen bauen, die Ville Tuscolane. Die berühmteste, die Villa Aldobrandini von Giacomo della Porta und Carlo Maderno, thront mit ihrem Wassertheater direkt über dem Zentrum; die Villa Torlonia ist heute öffentlicher Park, die Villa Tuscolana ein Hotel. Der 8. September 1943 wurde zum dunkelsten Tag der Stadtgeschichte: Bei der Bombardierung des deutschen Hauptquartiers in Frascati wurde ein Großteil der Altstadt zerstört – der Wiederaufbau hat das barocke Gesicht der Stadt behutsam zurückgeholt.
Vor allem aber ist Frascati Wein. Die Reben wachsen auf den Vulkanböden der Albaner Berge, die Keller sind in den Tuffstein geschlagen, und mit dem Frascati Superiore DOCG sowie dem süßen Cannellino di Frascati besitzt die Stadt zwei der renommiertesten Weißweine Mittelitaliens. Getrunken wird er am schönsten dort, wo er herkommt: in den Fraschetten, den rustikalen Schankstuben, deren Name von den Zweigen – den frasche – stammt, die einst als Aushängeschild über der Tür hingen. Dazu Porchetta vom Markt, Pecorino und eingelegte Oliven – und unten in der Ebene glitzert Rom.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Barock über der Stadt
Direkt über dem Zentrum staffelt sich der Garten der Villa Aldobrandini mit seinem Wassertheater den Hang hinauf – Hauptwerk der Sommervillen, die sich Kardinäle im 16. und 17. Jahrhundert hier bauen ließen. Der Park der Villa Torlonia mit der barocken Brunnenkaskade ist heute frei zugänglich, und in den Scuderie Aldobrandini erzählt das Museo Tuscolano die Geschichte des ganzen Ensembles.
Antike & Panorama
Zu Fuß durch Kastanienwald oder mit dem Auto über die Via del Tuscolo: Oben warten die Ruinen des antiken Tusculum – das kleine römische Theater, Reste von Forum und Zisternen, antikes Straßenpflaster. Cato der Ältere wurde hier geboren, Cicero schrieb auf seinem Landgut die Tusculanae Disputationes. Der Gipfelrücken belohnt mit einem Panorama von den Albaner Bergen bis zur Kuppel von St. Peter.
Wein & Porchetta
Mittags ein Porchetta-Panino von der Piazza del Mercato, abends Taglieri und Hauswein aus dem Fass auf den Holzbänken einer Fraschetta wie der Cantina Simonetti – und dazwischen eine Kellerführung mit Probe bei Familienweingütern wie Casale Marchese oder Merumalia. Frascati Superiore DOCG und der süße Cannellino zeigen, warum dieser Weißwein seit Jahrhunderten nach Rom verkauft wird.
Stadt der kurzen Wege
Der Regionalzug braucht rund 30 Minuten nach Roma Termini – morgens hinein in die Ewige Stadt, abends zurück auf eine ruhige Piazza mit Blick über das Lichtermeer. Dazwischen liegen die Nachbarn der Castelli Romani: die Abtei San Nilo in Grottaferrata, Castel Gandolfo über dem Albaner See und Nemi mit seinen Erdbeeren – alle nur wenige Kilometer entfernt.
03 · Wann
Frascati liegt auf gut 300 Metern Höhe an den Hängen der Albaner Berge – spürbar frischer als das nahe Rom, weshalb die Römer seit Jahrhunderten im Sommer hierher flüchten. Frühling und Herbst sind die besten Reisezeiten: mild, grün, mit offenen Terrassen, und im Oktober kommt die Weinlese in den Hügeln dazu.
04 · Häufige Fragen
Unbedingt. Der Regionalzug ab Roma Termini braucht nur rund 30 Minuten, und ein Tag reicht für die Altstadt, den Blick vom Belvedere, ein Porchetta-Panino vom Markt und einen Abstecher in den Park der Villa Torlonia. Wer über Nacht bleibt, wird allerdings belohnt: abends, wenn die Tagesgäste weg sind, gehören die Fraschetten und die Aussichtsterrassen wieder den Einheimischen.
Am einfachsten mit dem Regionalzug ab Roma Termini, der in etwa 30 Minuten direkt nach Frascati fährt – die Strecke geht auf die erste Eisenbahnlinie des Kirchenstaats von 1856 zurück. Mit dem Auto nimmt man die Via Tuscolana oder die A1; vom Flughafen Ciampino sind es nur rund 15 Kilometer.
Die rustikale Schankstube der Castelli Romani: Ursprünglich verkauften Winzer hier ihren eigenen Wein und hängten als Zeichen einen Zweig – eine frasca – über die Tür. Heute sitzt man auf Holzbänken bei Papiertischdecken, bestellt Taglieri mit Porchetta, Pecorino und eingelegtem Gemüse und trinkt Hauswein aus dem Fass. In Frascati hält etwa die Cantina Simonetti an der Piazza San Rocco die Tradition lebendig.
Die Villa selbst gehört bis heute der Familie Aldobrandini und ist nicht öffentlich zugänglich. Der Garten mit dem berühmten Wassertheater ist nur eingeschränkt geöffnet – meist werktags und nach Anmeldung; aktuelle Zeiten erfährt man beim Tourismusbüro an der Piazza Marconi. Frei zugänglich ist dafür jederzeit der Blick auf Villa und Gartenachse vom Belvedere darunter.
Der Frascati ist einer der bekanntesten Weißweine Italiens, gekeltert vor allem aus Malvasia- und Trebbiano-Trauben auf den Vulkanböden der Albaner Berge. Die Spitze bilden der trockene Frascati Superiore DOCG und der süße Cannellino di Frascati DOCG. Probieren lässt sich beides in den Fraschetten der Altstadt oder bei Kellerführungen auf Weingütern wie Casale Marchese und Merumalia.
Ein bis zwei Tage reichen für Altstadt, Villen und eine Weinprobe. Frascati eignet sich aber hervorragend als ruhige Basis für länger: Rom liegt eine halbe Bahnstunde entfernt, und die übrigen Castelli Romani – Grottaferrata, Castel Gandolfo, Nemi – sind in wenigen Autominuten erreicht.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Frascati und den Castelli Romani.
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