Die Villa dei Misteri liegt außerhalb der antiken Stadtmauer von Pompeji, an der Gräberstraße vor der Porta Ercolano. Ihren Namen verdankt sie dem großen Fresko im Triclinium: einem nahezu lebensgroßen Bilderfries, der über mehrere Wände läuft und vor einem leuchtend zinnoberroten Grund eine Folge rätselhafter Szenen zeigt. Deutung und Bedeutung sind bis heute umstritten – am häufigsten wird der Zyklus als Darstellung eines dionysischen Einweihungsrituals gelesen, in das eine junge Frau aufgenommen wird. Genau diese Offenheit macht den Raum zu einem der eindrücklichsten Bildwerke, die aus der Antike erhalten sind. Die Villa war ein herrschaftliches Landgut mit Wohntrakt, Wirtschaftsräumen und einer Weinpresse, das den Übergang von der Landschaft in die Stadt markierte. Weil sie am äußersten Rand des Ausgrabungsgeländes liegt, ist es hier spürbar ruhiger als rund um das Forum, wo sich die Besucherströme bündeln. Der Weg dorthin führt durch stillere Bereiche der Stadt und endet fast direkt am gleichnamigen Bahnhof der Circumvesuviana. Der Besuch ist im regulären Ticket des Parco Archeologico enthalten, ein separater Eintritt fällt nicht an. Wer die Villa nicht nur kurz mitnimmt, plant sie bewusst als ruhigen Höhepunkt oder als würdevollen Abschluss des Rundgangs ein – mit Ausgang über die Gräberstraße, gesäumt von antiken Grabmonumenten. Vor dem leuchtenden Rot des Mysterienfreskos zu stehen, wirkt nach einem langen Tag in den Ruinen noch einmal anders als zwischen Forum und Menschenmenge.
Eine gut erhaltene römische Villa am Rand der Ausgrabungen mit mehreren bemalten Räumen, Wirtschaftstrakt und Weinpresse. Zentrum ist der Saal mit dem umlaufenden Mysterienfries. Da die Villa abseits der Hauptachsen liegt, ist der Besuch ruhiger; man bewegt sich über Treppen und durch enge Räume, in denen die Wandmalereien aus der Nähe zu sehen sind.
Die Villa entstand wohl im 2. Jahrhundert v. Chr. und wurde mehrfach umgebaut. Vor dem Vesuvausbruch 79 n. Chr. diente sie als Landgut mit Wohn- und Wirtschaftsbereich. Ausgegraben wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts; der Mysterienfries gilt seither als eines der bedeutendsten Zeugnisse römischer Wandmalerei und gibt der Villa ihren Namen.
