
◆ STADT · BALEAREN
Mallorca ist viel mehr als der Ballermann, den die Schlagzeilen kennen. Es ist eine Insel der Gegensätze: das honigfarbene Sandstein-Massiv der Kathedrale La Seu über dem Hafen von Palma, die schwindelerregenden Serpentinen hinab nach Sa Calobra, der Duft von Orangenhainen im Tal von Sóller und das stille Kloster, in dem Chopin einen Winter lang komponierte. Größte und mit Abstand beliebteste Baleareninsel der Deutschen, halb im Scherz das "17. Bundesland" genannt, hält die Insel für jeden eine andere Wahrheit bereit: zwischen der UNESCO-geadelten Serra de Tramuntana, türkisblauen Felsbuchten im Südosten und einer Küche, die nach Sobrassada, Olivenöl und Mandelblüte schmeckt.

Wer Mallorca auf die Schinkenstraße reduziert, hat den interessantesten Teil verpasst. Schon das Anflugmanöver verrät es: Links zieht die Bucht von Palma vorbei, geradeaus ragt im Dunst die Serra de Tramuntana auf, jenes 90 Kilometer lange Kalkgebirge, das die Nordwestküste wie ein Wall vom Meer abschirmt. Seit 2011 trägt es den UNESCO-Welterbe-Titel, weniger für spektakuläre Gipfel als für eine über Jahrhunderte von Hand terrassierte Kulturlandschaft aus Trockenmauern, Olivenhainen und Köhlerplätzen. Mit 1.445 Metern krönt der militärisch gesperrte Puig Major die Insel; davor reihen sich Bergdörfer wie Valldemossa, Deià und Fornalutx, die zu den schönsten Spaniens zählen.
Der Süden und Osten erzählen eine andere Geschichte. Hier liegen die Calas, die Felsbuchten, in die man oft nur über staubige Pfade durch Pinienwald hinabsteigt: das postkartenberühmte Caló des Moro, die Zwillingsbuchten von Cala Mondragó in ihrem Naturpark, der karibikweiße Streifen von Es Trenc, der dank Schutzstatus von Hotelbauten verschont blieb. Im flachen Inselinneren, dem Pla, drehen sich noch immer alte Windräder über Mandel- und Aprikosenplantagen, und Marktstädtchen wie Sineu oder Sant Llorenç leben ihren eigenen, unaufgeregten Rhythmus, weit weg von jeder Strandpromenade.
Und dann ist da Palma. Die Inselhauptstadt hat sich vom Durchgangsort zum eigenständigen Städtetrip-Ziel gewandelt: Die gotische Kathedrale La Seu, eines der höchsten Kirchenschiffe Europas, wirft ihr Licht durch ein Rosettenfenster, das zweimal im Jahr eine 'Acht aus Buntglas' an die gegenüberliegende Wand projiziert. Im einstigen Fischerviertel Santa Catalina drängen sich heute Tapas-Bars, Concept Stores und der quirlige Mercat, während die verwinkelte Altstadt mit ihren patios, den arabisch geprägten Innenhöfen, an die maurische Vergangenheit der Insel erinnert. Drei Mallorcas, eine Fähre oder ein Flug entfernt.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel










· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Bergdörfer & Welterbe
Die Klassiker-Runde durch das UNESCO-Gebirge: Valldemossa mit dem Kartäuserkloster, in dem Chopin und George Sand den Winter 1838/39 verbrachten, weiter nach Deià, das Künstlerdorf am Steilhang, hinab zum Bergstädtchen Sóller mit seinen Jugendstilfassaden und Orangenhainen. Krönung ist die Fahrt im 'Roten Blitz', der historischen Schmalspurbahn von 1912, und der nostalgischen Straßenbahn hinab zum Port de Sóller.
Felsbuchten & Türkiswasser
Eine Tour zu den schönsten Buchten der Insel, oft nur zu Fuß über Pinienpfade erreichbar: das in den Fels gebettete Caló des Moro, die Zwillingsbuchten Cala Mondragó und S'Amarador im gleichnamigen Naturpark, und der kilometerlange Dünenstrand Es Trenc, 'die Karibik Mallorcas', der dank Schutzgebiet ohne Hotelzeile auskommt. Festes Schuhwerk und früher Start lohnen sich, denn die Geheimtipps sind längst keine mehr.
Hauptstadt & Genuss
Ein Stadttag, der vom honigfarbenen Riesen La Seu über die Markthalle und das hippe Santa Catalina führt. Durch das ehemalige Judenviertel Monti-Sion und das alte Gerberviertel Calatrava schlendern, einen Blick in die maurisch geprägten Innenhöfe der Altstadt werfen, in Santa Catalina durch Concept Stores und Tapas-Bars treiben. Zum Abschluss ein Pa amb oli und ein Glas Inselwein an der Hafenpromenade.
Nordküste & Panorama
Der dramatische Norden: die Serpentinenstraße hinaus zur Halbinsel Formentor mit ihren Aussichtspunkten über tiefblaue Steilküsten, der schmale Pinienstrand Platja de Formentor in der spiegelglatten Bucht von Pollença, und die berüchtigte Schlangenstraße mit über 800 Kurven hinab nach Sa Calobra, wo die Schlucht Torrent de Pareis das Meer trifft. Eine Fahrt für Schwindelfreie und Frühaufsteher.
03 · Wann
Mallorca hat ganzjährig Saison, aber jede Jahreszeit zeigt eine andere Insel. Im Frühling blühen die Mandelbäume, im Hochsommer glühen die Buchten, im Herbst hat das Meer noch Sommerwärme bei milderem Licht, und der Winter gehört den Einheimischen, den Feuern und der Ruhe.
04 · Häufige Fragen
Das hängt vom Reisetyp ab. Für Wanderungen, Radtouren und Sightseeing sind April bis Juni sowie September und Oktober ideal, mit angenehmen 17 bis 23 °C. Wer baden möchte, reist am besten zwischen Juni und September, wenn die Temperaturen bei 25 bis 32 °C liegen und das Wasser warm ist. Den ruhigsten, authentischsten Eindruck bekommt man im Winter.
Am schnellsten per Flug zum Flughafen Palma (PMI), rund 8 km östlich der Stadt, der aus nahezu allen deutschsprachigen Städten direkt angeflogen wird. Alternativ verkehren ganzjährig Fähren ab Barcelona nach Palma oder Alcúdia, mit einer Überfahrt von etwa sieben bis acht Stunden, häufig als Nachtfähre.
Für die Tramuntana-Bergdörfer und die abgelegenen Felsbuchten im Südosten ist ein Mietwagen klar von Vorteil, da viele Calas mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar sind. Wer nur Palma und Umgebung erkunden will, kommt mit dem Flughafenbus A1, der Sóller-Bahn und dem Inselbusnetz gut zurecht.
Die mallorquinische Küche ist herzhaft und eigenständig: das spiralförmige Hefegebäck Ensaimada, die streichbare Paprikawurst Sobrassada, das schlichte Pa amb oli (geröstetes Bauernbrot mit Olivenöl, Tomate und Knoblauch), der geschichtete Gemüseauflauf Tumbet und das deftige Nationalgericht Frito Mallorquín. Dazu ein Inselwein aus Binissalem oder Pla i Llevant.
Deutlich mehr. Die Serra de Tramuntana ist seit 2011 UNESCO-Welterbe, mit Bergdörfern wie Valldemossa, Deià und Sóller und Wanderwegen durch terrassierte Olivenhaine. Palma überzeugt als Städtetrip mit der Kathedrale La Seu und dem Szeneviertel Santa Catalina. Partyzonen wie der Ballermann nehmen nur einen kleinen Teil der Insel ein.
Im Januar prägen Feuer und kostümierte Dämonen die Insel: Sant Sebastià, der Schutzpatron Palmas, mit Lagerfeuern und Gratiskonzerten in der Stadt, und Sant Antoni am 16./17. Januar mit den spektakulären foguerons und dimonis in Sa Pobla, Manacor und Artà. Im Frühsommer werden in Sóller und Pollença die historischen Piratenabwehrkämpfe als Moros i Cristians nachgespielt.
05 · In der Nähe
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