Agrigent ist Griechenland mitten in Sizilien. Unterhalb der heutigen Stadt zieht sich das Tal der Tempel über einen langen Felsrücken zum Meer hin – eine der bedeutendsten archäologischen Stätten außerhalb Griechenlands. Im Zentrum steht der Concordia-Tempel, der dank seiner späteren Nutzung als Kirche zu den besterhaltenen griechischen Tempeln der Welt zählt: Seine dorischen Säulen stehen noch fast vollständig, und im Abendlicht leuchtet der honiggelbe Stein. Drumherum reihen sich weitere Tempel, darunter der Tempel der Juno und die gewaltigen Überreste des Zeus-Tempels, der einst zu den größten der antiken Welt gehörte.
Die Anlage geht auf das antike Akragas zurück, das der Dichter Pindar die „schönste Stadt der Sterblichen“ nannte. Wer durch das Tal wandert, läuft entlang einer antiken Stadtmauer, vorbei an Olivenbäumen und über Felder, die sich zum Meer hin öffnen. Heute schichtet sich über dieser antiken Welt das mittelalterliche Girgenti: enge, arabisch geprägte Gassen winden sich den Hügel hinauf, vorbei an Kirchen und kleinen Plätzen, mit der Via Atenea als Lebensader der Altstadt.
Agrigent ist aber nicht nur Archäologie. Unten an der Küste liegt der Stadtstrand von San Leone mit Bars und Promenade, und nur wenige Kilometer entfernt fällt die blendend weiße Mergelklippe der Scala dei Turchi in Stufen zum türkisen Meer ab – ein Naturschauspiel, das mit dem hellen Stein und dem dunklen Wasser kontrastiert.
Im Spätwinter verwandelt sich das Tal der Tempel in ein Meer aus blühenden Mandelbäumen, das jedes Jahr mit dem Mandelblütenfest gefeiert wird. So verdichtet Agrigent drei Jahrtausende Mittelmeergeschichte auf wenigen Kilometern – von der griechischen Antike über das arabisch-mittelalterliche Erbe bis zur sizilianischen Küste der Gegenwart.