
◆ STADT · SIZILIEN
Agrigent ist Griechenland mitten in Sizilien. Unterhalb der heutigen Stadt zieht sich das Tal der Tempel über einen Felsrücken zum Meer – mit dem Concordia-Tempel, der zu den besterhaltenen griechischen Tempeln der Welt zählt. Das antike Akragas nannte der Dichter Pindar die „schönste Stadt der Sterblichen“; heute schichten sich darüber die engen, arabisch geprägten Gassen des mittelalterlichen Girgenti rund um die Via Atenea. Dazu kommen der Stadtstrand von San Leone, die blendend weiße Mergelklippe Scala dei Turchi vor den Toren und im Spätwinter ein Tal voller blühender Mandelbäume – Agrigent verdichtet drei Jahrtausende Mittelmeer auf wenigen Kilometern.

Um 580 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Gela und Rhodos auf dem Höhenzug zwischen zwei Flüssen die Stadt Akragas – und machten sie binnen weniger Generationen zu einer der prächtigsten Metropolen der griechischen Welt. Unter dem Tyrannen Theron, der 480 v. Chr. mit Syrakus die Karthager bei Himera schlug, begann ein beispielloser Bauboom: Entlang der südlichen Hügelkante entstand eine Reihe dorischer Tempel, die als Schaufassade der Stadt weit übers Meer leuchtete. Der Dichter Pindar nannte Akragas die „schönste Stadt der Sterblichen“, der Philosoph Empedokles wurde hier geboren.
406 v. Chr. plünderten die Karthager die Stadt, später wurde sie römisches Agrigentum, dann schrumpfte sie über Byzantiner und Araber zum Hügelstädtchen Girgenti zusammen – jenem Gassengewirr, das heute die Altstadt bildet. Die arabische Epoche liest man noch im Stadtgrundriss: steile Treppen, enge Höfe, verwinkelte Sackgassen rund um die Lebensader Via Atenea. Erst 1927 erhielt die Stadt ihren heutigen Namen zurück. Ihr berühmtester Sohn der Moderne ist der Literaturnobelpreisträger Luigi Pirandello, geboren 1867 im Vorort Caos bei Porto Empedocle.
Heute lebt Agrigent vom Nebeneinander seiner Welten: morgens der Rundgang über den Tempelhügel, bevor die Sonne brennt, mittags Pasta in einer Trattoria der Altstadt, nachmittags Strand in San Leone oder der Ausflug zur Scala dei Turchi, abends der Blick auf die angestrahlten Säulen des Concordia-Tempels. travelperfect empfiehlt mindestens zwei Übernachtungen – das Tal der Tempel zur Abendbeleuchtung und die Altstadt zur Passeggiata erleben nur jene, die bleiben, wenn die Tagesbusse längst abgefahren sind.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Antikes Welterbe
Der klassische Rundgang beginnt oben am Juno-Tempel und führt die Via Sacra bergab: vorbei am fast vollständig erhaltenen Concordia-Tempel, am Herakles-Tempel mit seinen wieder aufgerichteten Säulen bis zu den Trümmern des gewaltigen Zeusheiligtums. Früh morgens gehört der Hügel den Eidechsen, im Sommer lohnt die abendliche Öffnung, wenn die Säulen golden angestrahlt werden. Tickets vorab online sichern.
Altstadt & Aussicht
Die Via Atenea ist die Bühne der Altstadt: Von hier zweigen Treppengassen hinauf zu Santa Maria dei Greci, die über den Fundamenten eines griechischen Tempels steht, zum Monastero di Santo Spirito mit dem Mandelgebäck der Schwestern und zur normannischen Kathedrale San Gerlando, deren Terrasse weit über die Küstenebene blickt. Abends gehört die Straße der Passeggiata.
Küste & Klippen
Vor den Toren der Stadt schiebt sich die Scala dei Turchi als schneeweiße Mergelwelle ins Meer – am schönsten vom Sandstrand davor oder per Boot ab San Leone, denn das Betreten der empfindlichen Klippe ist immer wieder untersagt. Zurück in San Leone warten Lungomare, Granita und Fischrestaurants für den Sonnenuntergang.
Genuss & Mandeln
Die Küche der Provinz lebt vom Meer und von der Mandel: Pasta mit roten Garnelen aus dem nahen Mazara del Vallo, frischer Fisch in San Leone, Mandelgebäck und Cassata in der Altstadt, dazu Weißweine wie Grillo und kräftiger Nero d'Avola aus den umliegenden Hügeln. Im Frühjahr feiert das Mandelblütenfest die süßeste Ernte der Stadt.
03 · Wann
Agrigent liegt an Siziliens Südküste und zählt zu den wärmsten und sonnigsten Ecken Italiens. Die Tempel stehen ohne jeden Schatten auf ihrem Felsrücken – im Hochsommer wird der Rundgang mittags zur Geduldsprobe, während Frühling, Herbst und selbst der milde Winter ideale Bedingungen bieten. Ein Sonderfall ist der Spätwinter: Ab Ende Januar blühen die Mandelbäume zwischen den Säulen.
04 · Häufige Fragen
Für den Rundgang entlang der Via Sacra vom Juno- bis zum Zeustempel solltest du zwei bis drei Stunden einplanen – ohne Schatten und mit Steigungen. Wer das Archäologische Museum Pietro Griffo und den Garten der Kolymbethra dazunimmt, füllt bequem einen ganzen Tag. Im Sommer den Besuch auf den frühen Morgen oder die abendliche Öffnung legen.
Frühling und Herbst sind ideal: 17 bis 28 °C, grüne Hänge und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Ein Geheimtipp ist der Spätwinter, wenn ab Ende Januar die Mandelbäume im Tempeltal blühen und meist Anfang März das Mandelblütenfest gefeiert wird. Im Juli und August empfiehlt sich die Kombination aus Strandtagen in San Leone und Tempelbesuchen am Abend.
Die nächsten Flughäfen sind Palermo (PMO) und Catania (CTA), beide rund 2 bis 2,5 Stunden entfernt. Ab Palermo Centrale fahren Direktzüge zum Bahnhof Agrigento Centrale (ca. 2 Std.), zudem verbinden Überlandbusse die Stadt mit Palermo, Catania und Trapani. Für Scala dei Turchi und die Umgebung ist ein Mietwagen die flexibelste Lösung.
Das Betreten der weißen Mergelklippe ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen immer wieder gesperrt, weil das weiche Gestein erodiert. Der schönste Blick bietet sich ohnehin vom Sandstrand zu ihren Füßen bei Realmonte oder vom Wasser aus – im Sommer starten Bootstouren ab San Leone. Besonders lohnend ist der Sonnenuntergang, wenn die Klippe im Abendlicht leuchtet.
Bleib mindestens eine, besser zwei Nächte. Die beiden magischsten Momente des Tempeltals – der frühe Morgen vor den Reisebussen und der Abend, wenn die Säulen angestrahlt werden – erleben nur Übernachtungsgäste. Dazu kommen die Passeggiata auf der Via Atenea, ein Abendessen mit Tempelblick und der Ausflug zur Scala dei Turchi.
Für den Tempelblick wohnst du am Südrand der Stadt oder direkt im Tal – etwa in der Villa Athena oder im Colleverde Park Hotel. Die Altstadt punktet mit Restaurants und Abendleben in Gehweite, San Leone mit Strand und Lungomare. Alle drei Lagen liegen nur wenige Auto- oder Busminuten auseinander.
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