Wer Florenz jenseits der großen Touristenströme erleben möchte, biegt am besten am Ponte alle Grazie nach links ab und folgt dem Lungarno Serristori in Richtung San Niccolò. Das Viertel schmiegt sich zwischen den Arno und den bewaldeten Hang des Monte alle Croci, und dieser geografische Rahmen prägt seinen Charakter bis heute: enge Gassen, ockergelbe Fassaden, Wäscheleinen über den Köpfen – und eine Gelassenheit, die man in den überfüllten Gassen rund um den Dom vergeblich sucht.
Mittelpunkt des Viertels ist die Via San Niccolò, eine der schönsten Straßen des Oltrarno. Hier reihen sich kleine Handwerksbetriebe, Enoteken und Aperitivo-Bars aneinander, die abends von Florentinern ebenso besucht werden wie von Reisenden, die es hierher verschlagen hat. Die Porta San Niccolò, eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadttore der Stadt, markiert das östliche Ende der Straße und erhebt sich mit ihren 18 Metern als steinernes Ausrufezeichen über dem Viertelsleben. Wer die Treppe im Inneren hinaufsteigt, wird mit einem Panorama belohnt, das kaum ein Reiseführer so beschreibt: der Arno, die Dächer des Oltrarno und dahinter die Kuppel des Doms in der Abendsonne.
Oberhalb des Viertels beginnt der Aufstieg zu San Miniato al Monte, einer der schönsten romanischen Kirchen Italiens. Der Weg dorthin führt durch den Parco delle Rimembranze, vorbei an der Piazzale Michelangelo, und wer früh genug aufbricht, erlebt dort einen Sonnenaufgang, der die Stadt in ein goldenes Licht taucht, bevor die ersten Reisebusse ankommen. San Niccolò ist der ideale Ausgangspunkt für diesen Aufstieg – und gleichzeitig der beste Ort, danach einzukehren.
Das Viertel zieht Künstler, Handwerker und Florentiner Familien an, die hier seit Generationen wohnen. Goldschmiede und Restauratoren haben ihre Ateliers in den Erdgeschossen der alten Palazzi, und gelegentlich steht eine Werkstatttür offen. San Niccolò ist kein Viertel zum schnellen Durchqueren, sondern eines zum Verlangsamen – für Menschen, die Florenz nicht nur sehen, sondern spüren wollen.
Wikimedia (CC BY-SA 3.0) · WikimediaPiazzale Michelangelo
Der 1869 von Giuseppe Poggi angelegte Aussichtsplatz im Oltrarno bietet den klassischen Panoramablick über Florenz mit Arno, Brücken und Domkuppel.
Klassischer Panoramablick über ganz Florenz
