Wer Santa Croce zum ersten Mal betritt, spürt sofort: Hier beginnt das andere Florenz. Nicht das der Touristenströme vor dem Duomo, sondern das der Handwerker, Studenten und Stammgäste in Lederjacken, die an kleinen Marmortischen ihren Espresso trinken. Der Piazza di Santa Croce öffnet sich großzügig vor der gleichnamigen Basilika, deren Fassade aus weißem und grünem Marmor im Nachmittagslicht leuchtet – und wer einmal drinnen stand, vor den Grabmälern von Michelangelo, Galileo Galilei und Niccolò Machiavelli, versteht, warum dieses Viertel seinen Namen trägt wie ein Versprechen.
Die Straßen rund um den Piazza sind eng, leicht chaotisch und voller Leben. Die Via dei Benci führt hinunter zum Arno, gesäumt von kleinen Weinbars und Antiquitätenhändlern. Wer abbiegt in die Borgo dei Greci oder die Via delle Pinzochere, findet sich in einem Labyrinth aus Renaissancefassaden und Wäscheleinen wieder – eine Kulisse, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Genau das ist der Reiz: Santa Croce ist kein rekonstruiertes Postkartenviertel, sondern gelebte Stadtgeschichte.
Das Viertel war einst das Zentrum der florentinischen Wollverarbeitung und später Heimat der Franziskaner. Heute prägt es eine Mischung aus Kunsthandwerk, Lederateliers und einer lebendigen Gastronomie. Rund um den Mercato di Sant'Ambrogio, nur wenige Gehminuten entfernt, kaufen Einheimische frisches Gemüse, Pecorino und Lampredotto – das ist der Alltag, der das Viertel von den touristisch überformten Zonen der Innenstadt unterscheidet.
Abends verwandelt sich Santa Croce in eines der lebendigsten Ausgehviertel der Stadt. Die Bars in der Via dei Neri und rund um den Piazza füllen sich mit Studenten der nahen Universität, Kunsthandwerkern und Reisenden, die das Viertel nicht nur durchquert, sondern wirklich erlebt haben. Wer in Santa Croce übernachtet, hat den Dom in zehn Minuten zu Fuß erreicht, die Uffizien in fünfzehn – und trotzdem das Gefühl, im echten Florenz angekommen zu sein.
Diego Delso (CC BY-SA 4.0) · WikimediaBasilica di Santa Croce
Die wichtigste Franziskanerkirche von Florenz beherbergt die Grabmäler von Galileo Galilei, Michelangelo und Niccolò Machiavelli.
Größte Franziskanerkirche der Welt, vollendet 1442
