Wer Florenz jenseits der endlosen Schlangen vor dem Uffizien kennenlernen möchte, findet in San Marco ein Viertel, das seinen eigenen Rhythmus bewahrt hat. Die Piazza San Marco ist der Mittelpunkt dieses nördlichen Stadtteils – ein weiter Platz, auf dem morgens Studierende der benachbarten Università degli Studi di Firenze ihren Kaffee trinken, während Touristen noch schlafen. Hier ist Florenz weniger Kulisse als gelebter Alltag.
Das Herzstück des Viertels ist das Museo di San Marco, untergebracht im ehemaligen Dominikanerkloster, in dem Fra Angelico im 15. Jahrhundert seine Fresken schuf. Die Annunciazione im Obergeschoss – ein stilles, fast mediatives Bild in einem schlichten Mönchsgang – gehört zu den eindringlichsten Kunstwerken der Stadt, ohne dass man dafür stundenlang anstehen muss. Wenige Schritte entfernt liegt die Galleria dell'Accademia, wo Michelangelos David steht. Auch hier empfiehlt sich ein früher Besuch oder ein gebuchtes Zeitfenster, doch das Viertel selbst bleibt auch dann angenehm ruhig.
San Marco grenzt im Süden an San Giovanni mit dem Dom, im Osten an das Viertel Sant'Ambrogio. Diese Lage macht es zu einem idealen Ausgangspunkt: Man erreicht die Kathedrale Santa Maria del Fiore in wenigen Gehminuten, ohne im touristischen Trubel zu wohnen. Die Via Cavour, eine der Hauptachsen des Viertels, verbindet San Marco mit dem historischen Zentrum und ist gesäumt von Palazzi, kleinen Buchhandlungen und Bars, die eher von Einheimischen als von Reisegruppen besucht werden.
Das Viertel spricht vor allem Kulturreisende an, die Tiefe suchen statt Oberfläche. Wer zwei oder drei Tage in Florenz verbringt und neben den großen Museen auch das stille Klosterleben der Renaissance nachspüren möchte, ist hier richtig aufgehoben. Hotels in San Marco sind oft in historischen Gebäuden untergebracht und bieten ein ruhigeres Ambiente als Unterkünfte direkt am Duomo.
Commonists (CC BY-SA 4.0) · WikimediaGalleria dell'Accademia (Michelangelos David)
Die Galleria dell’Accademia beherbergt Michelangelos rund 5,20 Meter hohen David und gehört zu den meistbesuchten Museen von Florenz.
Michelangelos David, rund 5,20 Meter hohes Marmororiginal
